Zufällig haben wir bei einem Ausflug ins Elsass das Historische Museum Haguenau entdeckt. Das Musée Historique de Haguenau ist in einem sehenswerten Gebäude wie aus dem Märchenbuch angesiedelt und beherbergt eine hervorragende archäologische und historische Sammlung von der Vorgeschichte bis in die Neuzeit. Hier erfahren Sie, warum sie die Stadt und das Museum unbedingt besuchen sollten.


Haguenau – ein echtes Schmuckstück im Elsass

Bisher sind wir am nordelsässischen Haguenau eher vorbei gefahren und haben eher Ziele an der elsässischen Weinstraße und in den Vogesen angesteuert. Das wird sich jetzt sicher ändern, denn wir haben bei einem zufälligen Besuch einen Stadtkern mit viel Charme, schöne Geschäfte und einige kulturelle Highlights entdeckt. 25 Kilometer nördlich von Straßburg und 50 Kilometer südwestlich von Karlsruhe liegt die elsässische Stadt, in der heute um die 35.000 Menschen leben. Vorläufer war eine Wasserburg an der Moder, die Kaiser Barbarossa später zur Pfalz ausbaute. Der Ort mitten in einem dichten Wald ist wichtiger Verkehrsknotenpunkt und wirtschaftliches Zentrum in der Region.

Museum und ungewöhnliches Gebäude

Ideales Ziel für einen Ausflug: Ein Gebäude fast wie ein Schloss mit Treppe, Gitter und großer Holztür

Eingangsbereich des Historischen Museums in Haguenau

Der aktuelle Besuch im größten Museum der Region außerhalb von Straßburg ist also unser zweiter Versuch. Das außergewöhnliche Gebäude war uns einen Monat früher bei einem zufälligen Besuch in Haguenau aufgefallen. Leider war es damals geschlossen, weshalb wir an einem verregneten Feiertag noch einen Anlauf wagen. Voller Vorfreude erklimmen wir kurz nach 14 Uhr die Stufen zum pompösen Eingang.

Das Treppenhaus im historischen Museum Haguenau

Das Treppenhaus des Historischen Museums wurde besonders prunkvoll gestaltet

Ein prächtiger Bau: Von außen erwartet der Besucher alles andere als ein Museum und denkt eher an eine Festung oder ein wichtiges Verwaltungsgebäude. Die Figur in der Gebäudeecke des Turms stellt Kaiser Barbarossa mit der Stadtrechtsurkunde dar. Und auch im Inneren ziehen die Vorhalle, das prunkvolle Treppenhaus und die Einrichtung sofort die Blicke auf sich. Wir fühlen uns wie in einer Burg.

Vermächtnis von Xavier Nessel

Altes Foto der Bauarbeiten

Eine Fotografie der Bauarbeiten hängt im Museum

Das Historische Museum war bereits von Beginn an als Museum, Magazin und wissenschaftlicher Ort konzipiert. Hintergrund dafür sind die besonderen Exponate, die hier präsentiert werden. Erste archäologische und volkskundliche Sammlungen gab es in der elsässischen Stadt nämlich bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Diese wurden ergänzt von Xavier Nessel (1834 bis 1918), der 32 Jahre als Oberbürgermeister der Stadt wirkte. Er war ein leidenschaftlicher Sammler und Archäologe und schenkte später seine herausragende Sammlung der Stadt, allerdings mit der Auflage, dass dafür ein eigenes Museum gebaut würde. 1905 wurde dieses dann nach rund fünfjähriger Bauzeit eröffnet. Mehrere Sammlungen illustrieren die Geschichte der Stadt und ihrer Region, von der Steinzeit bis in die Neuzeit.

Neorenaissance und Jugendstil

Gitter im Gebäudeinneren des Historischen Museum von Haguenau

Kunstvolle Gitter spielen außen und im Innenraum eine wichtige Rolle

Das neue Museum entstand in der deutschen Periode, neben der Neorenaissance sind verschiedene Stile eingeflossen, berichtet uns die junge Frau an der Kasse. Auffallend sind auch die überall verbauten Gitter. Vor dem Eingang, den Fenstern und sogar im Inneren. Ende des 19. Jahrhunderts wurde durch den Jugendstil die Schmiedekunst wieder Mode und deshalb auch das neue Museum entsprechend verziert. Der Betrachter entdeckt überall Flechtwerk, menschliche Köpfe, Pferde- und Drachenköpfe.

Außergewöhnliche archäologische Sammlung

Dann machen wir uns auf zum Rundgang. Erste Station ist das Untergeschoss. Hier ist die kleine, aber sehr gute und hervorragend präsentierte archäologische Sammlung untergebracht. Alle Stücke sind vom Allerfeinsten.

Bronze- und Keramik-Funde aus den Grabhügeln um Haguenau

Im Wald um Haguenau wurden über 600 Grabhügel gefunden.

Besonders die Funde aus der Bronze- und Eisenzeit hätten wir hier nicht erwartet. Sie stammen aus dem Hagenauer Wald. Hier wurden nämlich in der Nähe von Seltz über 600 Hügelgräber der Bronze- und Eisenzeit entdeckt, die ältesten über 10.000 Jahre alt. Es waren 23 Grabanlagen von acht bis 100 Grabhügeln. Wo die hier bestatteten Menschen einmal lebten, ist dagegen bis heute nicht richtig erforscht. Ein Großteil der Gräber wurde durch Xavier Nessel ausgegraben und untersucht, der dabei Bronzegegenstände und verzierte Keramik von sehr guter Qualität entdeckte. Sie bilden den größten Teil der aktuellen vorgeschichtlichen Sammlungen und zeigen eine reiche Kultur mit vielfältigen Kontakten und Handelsbeziehungen. Die meisten gefundenen Metallgegenstände stammen aus der späten Hallstattzeit, die zur Eisenzeit gehört. Mir fallen vor allem die vielen sehr gut erhaltenen Gürtelplatten aus Bronzeblech ins Auge.

Die Grabfunde sind im Museum in einer Bodenvitrine ausgestellt

Grab einer Frau aus der frühen Eisenzeit mit Haarnadeln, Fibeln, Hals-, Arm- und Fußringen und einem Gürtelblech

Um die nächste Ecke befinden sich Funde aus der gallo-romanische Epoche mit außergewöhnlichen Objekten wie dem Helm des römischen Legionärs oder Reste einer „Rüstung“. Wir können uns kaum trennen, aber es gibt auch sonst noch sehr viel zu sehen.

Zeugnisse der Geschichte einer außergewöhnlichen Stadt

Im Erdgeschoss und ersten Stock finden sich mehrere Säle zur Stadtgeschichte seit ihrer Gründung im 12. Jahrhundert. Überall entdecken wir etwas Neues, wunderschöne Objekte, skurrile Dinge und Erstaunliches.

Ausstellung von Resten aus dem Mittelalter

Zeugnisse zur Stadtgeschichte von Haguenau aus dem Mittelalter

Eine Porzellankollektion erinnert an die Präsenz der Familie Hannong, Fayencenhersteller in der Stadt. Leider können wir sie wegen Umbauarbeiten nicht besichtigen.

Vitrinen zur Präsentation der französischen Gläser im städtischen Museum von Haguenau

Die hochwertige Glassammlung aus dem Elsass

In einem anderen Raum ist eine schöne Kollektion an Art Nouveau und Art déco Gläsern präsentiert, eine Schenkung einer wohlhabenden Familie der Stadt. Hier sind Stücke von elsässischen Künstlern und Designern gesammelt.

Aber das Fenster an der Decke ist ebenfalls klasse.

Decke im Glasraum 2 des Museums in Haguenau

Stuckdecke mit großem Fensterelement

Ein alter liebevoll restaurierter Globus und Leuchter mit Totenköpfen ziehen die Blicke auf sich. Mehrere Vitrinen sind christlicher und jüdischer Kunst gewidmet. Lange stehen wir vor dem alten Schatz aus der Synagoge – den Torahrollen. Auch das Auto des ehemaligen Bürgermeisters ist ausgestellt, das von der Nürnberger Motorfahrzeugfabrik angefertigt wurde.

Voller Eindrücke machen wir uns auf die weitere Entdeckungstour durch die Stadt. Wir werden sicher wiederkommen.


Herzlichen Dank für den freundlichen Empfang und die Erlaubnis zu fotografieren.


Hin-Fahr-Tipp Wochenende Elsass

Musée Historique de Haguenau

9 Rue du Maréchal Foch, 67500 Haguenau
15. September bis 30. Juni, Mittwoch-Sonntag, 14.00-17.30 Uhr
1. Juli bis 15. September, Mittwoch-Sonntag, 10.00-12.30 Uhr und 13.30-18 Uhr
www.ville-haguenau.fr/musee-historique

Weitere Museen in Haguenau

  • Gepäckstücke Museum
  • Elsässisches Museum

Parken mit dem PKW und Wohnmobil

In ganz Haguenau gibt es viele Parkmöglichkeiten. Große Parkplätze gibt es zum Beispiel am Bahnhof, von hier sind es nur ein paar Schritte bis zur Hauptstraße. Wohnmobile dürfen auf dem Busparkplatz an den Sportanlagen übernachten.


Besuch im historischen Museum Haguenau: Außergewöhnliches Gebäude und hervorragende Sammlung von der Vorgeschichte bis zur Neuzeit #Auflugsziel #ElsassMerke Dir doch diesen Tipp auf Pinterest. Hat noch etwas gefehlt? Ich freue mich sehr über Kommentare und Anregungen. Sagt auch gerne Bescheid wie es Euch gefallen hat und was Ihr noch in der Region entdeckt habt. In der Region empfehle ich auch den Besuch des Odilienberg, des heiligen Bergs des Elsass.