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Elsassfahrt: Besuch im Historischen Museum Haguenau

Zufällig haben wir bei einem Ausflug ins Elsass das Historische Museum Haguenau entdeckt. Das Musée Historique de Haguenau ist in einem sehenswerten Gebäude wie aus dem Märchenbuch untergebracht und beherbergt eine hervorragende archäologische und historische Sammlung von der Vorgeschichte bis in die Neuzeit. Hier erfährst Du, warum Du die Stadt und das Museum unbedingt besuchen solltest.


Mit diesem Beitrag nehme ich an der Blogparade Mein Liebstes Museum in Deutschland, Österreich, Schweiz teil. Danke dass auch dieses schöne Museum aus dem Elsass mit dabei sein darf. Es liegt auch nicht weit weg von der deutsch-französischen Grenze.


Unbekanntes Haguenau – ein echtes Schmuckstück im Elsass

Bisher sind wir am nordelsässischen Haguenau eher vorbei gefahren und haben Ziele an der elsässischen Weinstraße und in den Vogesen angesteuert. Das wird sich jetzt sicher ändern, denn wir haben bei einem zufälligen Besuch einen Stadtkern mit viel Charme, schöne Geschäfte und einige kulturelle Highlights entdeckt. (Anmerkung 2019: Inzwischen waren wir schon wieder da und haben einen tollen Tag verbracht)

  • Etwa 25 Kilometer nördlich von Straßburg und 50 Kilometer südwestlich von Karlsruhe liegt die elsässische Stadt, in der heute um die 35.000 Menschen leben.
  • Vom Grenzübergang Iffezheim dauert die Anfahrt keine 20 Minuten.
  • Vorläufer war eine Wasserburg an der Moder, die Kaiser Barbarossa später zur Pfalz ausbaute.
  • Der Ort mitten in einem dichten Wald ist wichtiger Verkehrsknotenpunkt und wirtschaftliches Zentrum in der Region.

Museum und ungewöhnliches Gebäude

Ideales Ziel für einen Ausflug: Ein Gebäude fast wie ein Schloss mit Treppe, Gitter und großer Holztür

Eingangsbereich des Historischen Museums in Haguenau

Der aktuelle Besuch im größten Museum der Region außerhalb von Straßburg ist unser zweiter Versuch.

Das außergewöhnliche Gebäude war uns einen Monat früher bei einem zufälligen Besuch in Haguenau aufgefallen. Leider war es damals geschlossen, weshalb wir an einem verregneten Feiertag noch einen Anlauf wagen.

Voller Vorfreude erklimmen wir kurz nach 14 Uhr die Stufen zum pompösen Eingang.

Das Treppenhaus im historischen Museum Haguenau

Das Treppenhaus des Historischen Museums wurde besonders prunkvoll gestaltet

  • Ein prächtiger Bau.
  • Von außen erwartet der Besucher alles andere als ein Museum und denkt eher an eine Festung oder ein wichtiges Verwaltungsgebäude.
  • Die Figur in der Gebäudeecke des Turms stellt Kaiser Barbarossa mit der Stadtrechtsurkunde dar.
  • Und auch im Inneren ziehen die Vorhalle, das prunkvolle Treppenhaus und die Einrichtung sofort die Blicke auf sich.
  • Wir fühlen uns wie in einer Burg.

Museum für das Vermächtnis von Xavier Nessel

Altes Foto der Bauarbeiten

Eine Fotografie der Bauarbeiten hängt im Museum

  • Das Historische Museum war bereits von Beginn an als Museum, Magazin und wissenschaftlicher Ort konzipiert.
  • Hintergrund dafür sind die besonderen Exponate, die hier präsentiert werden.
  • Erste archäologische und volkskundliche Sammlungen gab es in der elsässischen Stadt nämlich bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts.
  • Diese wurden ergänzt von Xavier Nessel (1834 bis 1918), der 32 Jahre als Oberbürgermeister der Stadt wirkte.
  • Er war ein leidenschaftlicher Sammler und Archäologe und schenkte später seine herausragende Sammlung der Stadt, allerdings mit der Auflage, dass dafür ein eigenes Museum gebaut würde.
  • 1905 wurde dieses dann nach rund fünfjähriger Bauzeit eröffnet.
  • Mehrere Sammlungen illustrieren die Geschichte der Stadt und der Region, von der Steinzeit bis in die Neuzeit.

Mischung aus Neorenaissance und Jugendstil

Gitter im Gebäudeinneren des Historischen Museum von Haguenau

Kunstvolle Gitter spielen außen und im Innenraum eine wichtige Rolle

Das neue Museum entstand in der deutschen Periode, neben der Neorenaissance sind verschiedene Stile eingeflossen, berichtet uns die junge Frau an der Kasse. Auffallend sind auch die überall verbauten Gitter – vor dem Eingang, den Fenstern und sogar im Inneren. Ende des 19. Jahrhunderts wurde durch den Jugendstil die Schmiedekunst wieder Mode und deshalb auch das neue Museum entsprechend verziert. Der Betrachter entdeckt überall Flechtwerk, menschliche Köpfe, Pferde- und Drachenköpfe.

Aussergewöhnliche archäologische Sammlung aus dem Elsass

Dann machen wir uns auf zum Rundgang. Erste Station ist das Untergeschoss. Hier ist die kleine, aber sehr gute und hervorragend präsentierte archäologische Sammlung untergebracht. Alle Stücke sind vom Allerfeinsten.

Bronze- und Keramik-Funde aus den Grabhügeln um Haguenau

Im Wald um Haguenau wurden über 600 Grabhügel gefunden.

  • Besonders die Funde aus der Bronze- und Eisenzeit hätten wir hier nicht erwartet.
  • Sie stammen aus dem Hagenauer Wald.
  • Hier wurden nämlich in der Nähe von Seltz über 600 Hügelgräber der Bronzezeit und Eisenzeit entdeckt, die ältesten über 10.000 Jahre alt.
  • Es waren 23 Grabanlagen von acht bis 100 Grabhügeln.
  • Wo die hier bestatteten Menschen einmal lebten, ist dagegen bis heute nicht richtig erforscht.
  • Ein Großteil der Gräber wurde durch Xavier Nessel ausgegraben und untersucht, der dabei Bronzegegenstände und verzierte Keramik von sehr guter Qualität entdeckte.
  • Sie bilden den größten Teil der aktuellen vorgeschichtlichen Sammlung und zeigen eine reiche Kultur mit vielfältigen Kontakten und Handelsbeziehungen.
  • Die meisten gefundenen Metallgegenstände stammen aus der späten Hallstattzeit, die zur Eisenzeit gehört.
  • Mir fallen vor allem die vielen sehr gut erhaltenen Gürtelplatten aus Bronzeblech ins Auge.
Die Grabfunde sind im Museum in einer Bodenvitrine ausgestellt

Grab einer Frau aus der frühen Eisenzeit mit Haarnadeln, Fibeln, Hals-, Arm- und Fußringen und einem Gürtelblech

Um die nächste Ecke befinden sich Funde aus der gallo-romanische Epoche mit außergewöhnlichen Objekten wie dem Helm des römischen Legionärs oder Reste einer „Rüstung“.

Wir können uns kaum trennen, aber es gibt auch sonst noch sehr viel zu sehen.

Zeugnisse der Geschichte einer außergewöhnlichen Stadt

Im Erdgeschoss und ersten Stock finden sich mehrere Säle zur Stadtgeschichte seit ihrer Gründung im 12. Jahrhundert. Überall entdecken wir etwas Neues, wunderschöne Objekte, skurrile Dinge und Erstaunliches.

Ausstellung von Resten aus dem Mittelalter

Zeugnisse zur Stadtgeschichte von Haguenau aus dem Mittelalter

Eine Porzellankollektion erinnert an die Präsenz der Familie Hannong, Fayencenhersteller in der Stadt. Leider können wir sie wegen Umbauarbeiten nicht besichtigen.

Vitrinen zur Präsentation der französischen Gläser im städtischen Museum von Haguenau

Die hochwertige Glassammlung aus dem Elsass

In einem anderen Raum ist eine schöne Kollektion an Art Nouveau und Art déco Gläsern präsentiert, eine Schenkung einer wohlhabenden Familie der Stadt. Hier sind Stücke von elsässischen Künstlern und Designern gesammelt.

Aber das Fenster an der Decke ist ebenfalls klasse.

Decke im Glasraum 2 des Museums in Haguenau

Stuckdecke mit großem Fensterelement

Ein alter liebevoll restaurierter Globus und Leuchter mit Totenköpfen ziehen die Blicke auf sich.

Globus im historischen Museum Haguenau im Elsass

Globus im Museum Haguenau – aufwendig und mit Liebe zum Detail restauriert

Vier hohe Kerzenleuchter mit Totenköpfen im Museum in Haguenau

Besondere Fundstücke: Ob die Leuchter mit Totenköpfen eine wichtige Rolle bei Zeremonien spielten?

Mehrere Vitrinen sind christlicher und jüdischer Kunst gewidmet. Lange stehen wir vor dem alten Schatz aus der Synagoge – den Torahrollen. Auch das Auto des ehemaligen Bürgermeisters ist ausgestellt, das von der Nürnberger Motorfahrzeugfabrik angefertigt wurde.

Torahrolle, siebenarmiger Leuchter und im Hintergrund Meßkelch und Pieta im Museum Haguenau

Ein eigener Bereich präsentiert jüdische und christliche Gegenstände

Voller Eindrücke machen wir uns auf die weitere Entdeckungstour durch die Stadt. Wir werden sicher wiederkommen.


Herzlichen Dank für den freundlichen Empfang und die Erlaubnis zu fotografieren. Ich habe diesen Beitrag 2018 erstellt und im Juni 2019 für die Blogparade komplett neu bearbeitet.


Hin-Fahr-Tipp Wochenende Elsass

Musée Historique de Haguenau

9 Rue du Maréchal Foch, 67500 Haguenau
15. September bis 30. Juni, Mittwoch-Sonntag, 14.00-17.30 Uhr
1. Juli bis 15. September, Mittwoch-Sonntag, 10.00-12.30 Uhr und 13.30-18 Uhr
Geschlossen: 1. Januar, Ostersonntag, 1. Mai, 1. November, 25. Dezember
www.ville-haguenau.fr/musee-historique

⇒ Hinweis: Bis 2021 werden die Ausstellungen im Historischen Museum neu aufbereitet. Das bedeutet, das immer wieder Bereiche wegen Renovierung und Modernisierung geschlossen sind. In dieser Zeit ist der Eintritt um 2 Euro ermässigt. Der Besuch lohnt sich trotzdem.

Weitere Museen in Haguenau

  • Gepäckstücke Museum (wird 2019 renoviert)
  • Elsässisches Museum (beim Rathaus)

Parken mit dem PKW und Wohnmobil

In ganz Haguenau gibt es viele Parkmöglichkeiten. Große Parkplätze gibt es zum Beispiel am Bahnhof, von hier sind es nur ein paar Schritte bis zur Hauptstraße. Wohnmobile dürfen auf dem Busparkplatz an den Sportanlagen übernachten.


Weitere tolle Museen

Wenn Dir dieser Museumsbesuch gefallen hat, kann ich Dir auch das Museum Arktikum in Finnland und das Museum zu den Felsritzungen in Alta in Norwegen empfehlen.

Spannende Empfehlungen von Bloggerkollegen


Weitere Ideen für Deinen Besuch im Elsass mit Wohnmobil


Besuch im historischen Museum Haguenau: Außergewöhnliches Gebäude und hervorragende Sammlung von der Vorgeschichte bis zur Neuzeit #Auflugsziel #ElsassSag gerne Bescheid wie es Dir gefallen hat und was Du noch in der Region entdeckt hast. Nicht weit weg empfehle ich auch den Besuch des Odilienberg, des heiligen Bergs des Elsass. Der ist nur etwa eine weitere Stunde Fahrt entfernt am Rand der Vogesen.


 

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Katja

ich bin Katja Hein - Journalistin und überzeugte Camperin. Mit ausführlichen Wohnmobil-Reisebeschreibungen nehme ich Dich mit auf meine Reisen mit dem Kastenwagen. Dazu gibt es Tipps rund ums Campen.
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