Es gibt Gänsehautmomente auf Reisen und im Leben, an die man sich immer erinnert. Spanien ist ein Lieblingsreiseziel. Mit unserem Wohnmobil standen wir in Andalusien Auge in Auge mit Steinböcken und hatten intensive Begegnungen auf dem Camino de Santiago. Auch andere Reisende können dies erleben.

schönste Erlebnisse auf Reisen als Camper

Meine Seite Hin-Fahren ist ja noch ganz neu und viele Themen warten noch darauf, online zu gehen. Aber schon flattert eine Einladung zu einer Blogparade ins Haus. Und da kann ich nicht widerstehen, denn die Frage nach den schönsten Reiseerlebnissen, bringt mich auf viele lieb gewordene Erinnerungen und ist Anlass in Fotos und Tagebüchern zu stöbern.

Andreas von Reisewut hat das Thema ausgerufen. Danke für die schöne Idee. Mit diesem Beitrag möchte ich daran teilnehmen und mich damit für die vielen Inspirationen bedanken.

Schwere Entscheidung

Was sind also die schönsten Gänsehaut-Momente unserer Reisen? Gar nicht so einfach. Auch mein Mann, mit dem ich gemeinsam im Wohnmobil in ganz Europa unterwegs bin, hat wieder ganz andere Ideen und Einschätzungen als ich. Dazu kommt: viele Jahre sind wir mit unserem Sohn unterwegs gewesen. Unsere Reiseerinnerungen sind also auch ganz besondere Familienmomente.

Bei jeder Reise – und wir sind wirklich viel unterwegs – gibt es immer wieder Orte, Monumente oder Ausblicke, die uns sprachlos machen. Aber eigentlich sind es die Begegnungen, die unser Leben auf Reisen zu etwas besonderem verwandeln. Als Wohnmobilfahrer verbinden wir mit den hier beschriebenen Gänsehautmomenten auch besondere Übernachtungsplätze.


Auge in Auge mit Steinböcken in Andalusien

#Steinbock #Iberiensteinbock #El Torcal

Spannung liegt in der Luft

Vielleicht kennt Ihr das. Oft kommen die besonders schönen Dinge im Urlaub dann, wenn vorher etwas schief gegangen ist, und natürlich auch völlig unerwartet.

#Andalusien #Antequera

Antequera liegt an den wichtigsten Verkehrsadern durch Andalusien. Der Besuch lohnt sich.

Bei unserer Tour mit dem Camper durch Südspanien vor einigen Jahren war ein wichtiges Ziel Antequera in der Provinz Malaga. Denn hier gibt es äußerst außergewöhnliche und sehr gut erhaltene riesige Megalithgräber. Diese gehören inzwischen sogar zum Weltkulturerbe. Die Stadt liegt sehr zentral an den Verbindungsstraßen zwischen Málaga, Granada, Córdoba und Sevilla. Falls Ihr also dort vorbei kommt, der Abstecher lohnt sich. Wir aber wollten von hier aus in Richtung Mittelmeer fahren.

Übernachtungsplatz dringend gesucht

Durch die ausgiebige Besichtigung  ist es später geworden als geplant. Und wir brauchen deshalb nach einem intensiven Tag erst einmal einen Platz zum Übernachten. Dafür haben wir den „Camping el Torcal“ ins Auge gefasst. Dieser liegt etwa fünf Kilometer außerhalb des Ortes.

Wir sollen immer der Ausschilderung zum Naturschutzgebiet El Torcal folgen, von dem der Campingplatz seinen Namen hat, steht im Reiseführer Andalusien. Doch wir finden einfach nicht die richtige Ausfahrt aus dem Ort und landen trotz Navi-Unterstützung immer wieder in den engen Altstadtgassen. Wie gut, dass unser Kastenwagen nicht so breit und lang ist, da wären wir sonst stecken geblieben. Aber auch so ist es stressig genug. Die Ausschilderung der Route ist wirklich verbesserungswürdig. An den wirklich wichtigen Stellen fehlen Schilder. Nach einer weiteren ungewollten Rundtour durch Antequera, finden wir endlich die richtige Straße. Doch der angepeilte Campingplatz gefällt uns gar nicht. Er ist voller Dauercamper und der Platz für die Wohnmobile unattraktiv und dem starken Wind ausgesetzt. Noch dazu wollen die Besitzer richtig Geld dafür. Also was tun?

Weiterfahrt zum El Torcal

Durch unser Stellplatz-App auf dem Handy werden wir fündig. Auf dem Parkplatz des nahegelegenen andalusischen Naturparks „El Torcal“ soll das Übernachten erlaubt sein. Also machen wir uns zu fortgeschrittener Stunde und auf engen Straßen auf die Suche und finden nach kurzer Fahrt durchs Nirgendwo den Abzweig. Auf über 1.000 Meter führt uns die gewundene Straße. Wie gut dass es im Herbst in Südspanien noch so lange hell ist.

#El Torcal #Andalusien #Kalksteinerosion

Für diese aussergewöhnlichen Felsformationen ist der El Torcal berühmt geworden

Die Felsen um uns herum sind spektakulär. Als hätte ein Riese sie wild und planlos übereinander gestapelt. Die Erosion von Wind und Wasser hat hier phantastische Steingebilde geschaffen. Die horizontale Verwitterung ist außergewöhnlich und spielte eine wichtige Rolle in der Formgebung des Kalkgesteins.

Etwa 100 Millionen Jahre sind diese Gebilde alt. Kein Wunder, dass die Region in Spanien ein beliebtes Ausflugsziel ist. Voller Spannung erreichen wir unser Ziel. Nur ein paar Fahrzeuge stehen noch auf dem Parkplatz und zwischen den Felsen ist es auch relativ windstill.

Campingfahrzeug auf dem El Torcal in Andalusien

Unser Platz für die Nacht

Wir parken also unseren Kastenwagen unauffällig in einer Ecke, da wir nicht ganz sicher sind, ob das Übernachten mit dem Camper wirklich erlaubt ist. Von der Atmosphäre her stimmt aber wirklich alles, und so entscheiden wir uns hier oben stehen zu bleiben. Nach und nach leert es sich um uns herum und wir sind fast alleine mitten in der Einsamkeit. Verschiedene Rundwanderwege starten direkt vor unserem Auto, entnehmen wir einem aufgestellten Schild. Schnell sind wir uns einig, dass wir die kürzere Wanderung am nächsten Tag starten wollen.

Überraschung im Gebüsch dem dem Kasten

Bei den Vorbereitungen zum Abendessen raschelt es auf einmal im Busch neben unserem Heim auf vier Rädern. Wir trauen unseren Augen kaum. Ein junger Steinbock verzehrt nur ein paar Meter von unserem Fahrzeug entfernt ebenfalls sein Nachtmahl. Faszinierend wie er sich dabei verdrehen kann und trotzdem den Halt nicht verliert. Ich habe Glück und ein Foto gelingt. Wir entdecken weitere Tiere und sogar ein Männchen mit mächtigen Hörnern in den Felsen um uns herum. Zum Glück ist das Teleobjektiv greifbar. Etwa zehn Tiere können wir zählen. Es sind Iberiensteinböcke. Diese sind eng verwandt mit den Alpensteinböcken, aber ein wenig kleiner, finden wir später heraus.

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Dann ziehen sich die seltenen Tiere zurück und wir nehmen voller Freude über das Erlebte mit unseren Köstlichkeiten auf der Picknickbank gegenüber von unserem Wohnmobil Platz. Dabei haben wir natürlich die Felsen um uns herum immer im Blick. Ganz weit weg von uns sind wohl noch Steinböcke unterwegs. Hier ist die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt groß. Und die Tiere sind anscheinend an die Menschen gewöhnt. Während des Touristen- und Wandereransturms am Tag ziehen sie sich zurück. Am Abend und in der Nacht gehört das Gelände rund um den Parkplatz aber ganz ihnen.

#Fuchs #El Torcal

Überraschender Fuchsbesuch

Also sind nur wir überrascht, als ein Fuchs gar nicht scheu vorbeischaut, solange wir unser Abendessen verspeisen. Er weiß anscheinend genau, dass hier auch für ihn gute Dinge abfallen.

Blaue Stunde mit Steinbock

Der Tag wird immer besser. Ohne die Verzögerungen und die Pleite beim Campingplatz, wären wir erst am nächsten Tag oder gar nicht hierher gefahren und hätten diese Momente verpasst. Und auch unser Abendspaziergang ist etwas besonderes: In der Dämmerung färbt sich alles um uns leicht blau. Der Blick vom nahegelegenen Aussichtspunkt ins Tal ist magisch. In der Ferne können wir sogar die Lichter von Malaga und das Mittelmeer erahnen. Voller Eindrücke machen wir uns auf den Rückweg zu unserem „Bus“.

Da springt plötzlich ein großer Steinbock genau vor uns über den Weg. Kein Meter ist zwischen uns. Die Hörner sind gewaltig. Und auf den Bock folgen weitere Tiere. Wir beobachten mindestens 20 Cabras (so heißen Steinböcke auf Spanisch), die über die Felsen klettern. Sie sind nur ein paar Meter von uns entfernt. Auch Jungtiere sind dabei, die uns neugierig beäugen. Wegen des schwindenden Lichts gelingen mir nur noch wenige Fotos. Der Himmel schimmert in einem dunklen blau. Immer mal wieder entdecken wir die Tiere, die wegen der Farbe ihres Fells fast mit dem Felsen verschmelzen. Die Erinnerung an diese Momente ist aber tief in mein Gedächtnis eingegraben. Dann kommt auch noch der Mond dazu. Unbeschreiblich! Gänsehaut!

Dem spanischen Fotografen, den wir auf dem Rückweg treffen, gelingen Aufnahmen der Steinböcke im Mondlicht. Er ist öfter hier und hat natürlich eine ganz andere Ausrüstung dabei. Die Einheimischen füttern die Tiere auch, berichtet er. Voller Eindrücke und reich beschenkt fallen wir ins Camping-Bett. Wir schlafen sehr gut. In der Nacht gesellt sich dann noch ein anderes Campingfahrzeug auf dem Parkplatz zu uns.

Morgenstunde am El Torcal

Am nächsten Morgen sind wieder Steinböcke im Busch neben unserem Campervan. Es scheint einer ihrer Lieblingsplätze zu sein. Und auch auf den Felsen und beim Aussichtspunkt sind noch Tiere zu sehen. Was für ein toller Übernachtungsplatz. Es ist kaum zu glauben, aber die Tiere finden uns in unserem Bus wohl genauso spannend wie wir sie.

Erst als mehr und mehr Fahrzeuge auf den Parkplatz fahren und auch Busse ankommen, zieht sich die Herde zurück. Und wir starten, nach einem Blick in das Besucherzentrums in dem die Entstehung der ungewöhnlichen Steinformationen erklärt wird für die der El Torcal berühmt ist, unsere Wanderung durch die ungewöhnliche Landschaft. Eineinhalb Kilometer folgen wir dem steinigen und unebenen Rundweg, der auch durch einen großen Talkessel führt. Dabei entdecken wir immer neue Wunder der Natur. Wie schön ist doch die Welt.

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Die unerwartete Begegnung mit den Steinböcken war ein unvergessliches Erlebnis. Aber auch sonst hat das Gebiet am El Torcal sehr viel zu bieten. Bei einem erneuten Besuch in Andalusien haben wir wieder Steinböcke und dazu tolle neue Steinformationen und Ausblicke entdeckt. Inzwischen ist aber wohl leider der Parkplatz für Wohnmobile von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang geschlossen, habe ich auf einer spanischen Seite zum El Torcal gelesen.

Hin-Fahr-Tip

Wenn Ihr selbst einen Besuch auf dem El Torcal plant, dann kommt am besten früh am Morgen oder am späten Nachmittag. Besonders in der Ferienzeit und am Wochenende ist der kleine Parkplatz schnell voll. Alternativ gibt es dann einen Busschuttel für die letzten Kilometer. Viele tolle Fotos und Informationen findet Ihr auf der offiziellen Homepage des Naturparks (auf Englisch und Spanisch, aber die Fotos sprechen für sich). Mein Reisebericht ist noch in der Planungsphase.


Geigenklänge auf dem Pilgerweg

#Pilgerweg #Geigenspieler #Cruz de ferro

Ganz versunken spielt der Pilger auf seiner Geige

Wir wechseln nach Nordwest-Spanien. Eine ganz besondere Begegnung auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostella war ein ebenso unvergessliches Erlebnis für uns. Schon mehrfach haben wir mit dem Wohnmobil, die durch den Camino geprägte Kulturlandschaft in Nordspanien besucht. Die Atmosphäre, Spiritualität und die Spuren, die Generationen vor uns hinterlassen haben, haben die ganze Familie gepackt. Dazu kommen die unendlichen Landschaften und die reiche Natur hier im Nordwesten Spaniens.

Ein markanter Anstieg auf dem letzten Stück in Kastilien-Leon ist bei Rabanal. Der Hauptverkehr fährt inzwischen auf den neu gebauten Schnellstraßen etwas weiter weg. Die Pilger sind also fast „unter sich“. Hier sind die Straßen eng, holprig und steil. Die Fahrt geht also auch mit unserem Kastenwagen nur langsam voran. Viele Pilger laufen unbeirrt in glühender Hitze direkt neben uns. Auch sehr viele Fahrradfahrer kämpfen sich mühsam den Berg hinauf.

#Wohnmobil #Pilgerweg

Begegnung am Cruz de ferro: Ein Lieblingsplatz auf dem Pilgerweg nach Santiago

Oben am Pass, am „Cruz de Ferro“, angekommen, ist ein wichtiges Stück des Pilgerweges geschafft. Das kleine Eisenkreuz, das auf einen Baumstamm montiert ist, ist ein wichtiger Punkt auf dem Camino Frances. Der Steinhaufen darum herum, wird von den Pilgern stetig vergrößert. Hier ist für sie auf 1.500 Metern eine der höchsten Stellen vor dem Ziel und ein Platz zum Innehalten und Durchschnaufen. Die Pilger haben einen Meilenstein auf dem Weg nach Santiago de Compostella bezwungen. Der Blick schweift dabei weit übers Land. Ein großer Parkplatz gibt auch uns Gelegenheit zur Rast und ist auch für eine Übernachtung geeignet. Schnell sind die Picknicksachen aus unserem Wohnmobil ausgepackt und ein gemütliches Plätzchen im Schatten hergerichtet.

#Cruz de Ferro #Pilgerweg

Die Pilger übergeben ihre Wünsche und Probleme am Cruz de Ferro dem Weg.

Hier am „eisernen Kreuz“ legen die Pilger Steine mit Bitten und Wünschen ab. Berührt lesen wir ihre Worte und kommen mit dem einen oder anderen ins Gespräch.

#Pilgerweg #Cruz de Ferro #Geigenspieler

Geiger am Cruz de Ferro

Doch es kommt noch mehr: Ein wirklich magischer Moment ist es, als ein Pilger seine über viele Kilometer mitgebrachte Geige vom Rücken nimmt und in der Bergeinsamkeit virtuos anfängt zu spielen. Ein professionelles Konzert nur für uns. Die Welt versinkt um uns herum. Die Klänge verschmelzen mit dem Ort. Auch die Akustik ist gewaltig. Dann macht er sich ganz einfach und bescheiden mit einem „Buen Camino“ wieder auf den Weg – Gänsehaut pur. Noch immer steckt uns diese Begegnung in den Knochen.

Diese Begegnung ist eine unserer besonders lieb gewordenen Erinnerungen. Auch sonst haben wir auf dem Camino de Santiago  in Nord-Spanien schon viel erlebt. Seit mehr als 25 Jahren sind Asturien, Kantabrien, Kastilien, Galicien und das Baskenland unsere Hin-Fahr-Ziele Nummer eins.

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Über die Fahrt mit dem Wohnmobil auf dem Pilgerweg habe ich ebenfalls einen Reisebericht geschrieben.


#Spanien #Wohnmobil #Freistehen #ErlebnisseWenn Dir dieser Beitrag gefallen hat, dann sag es doch einfach weiter. Ich freue mich auf Kommentare und Anregungen und wünsche eine gute Fahrt zum nächsten Reiseziel.