Für unsere Nordkaptour mit dem Wohnmobil haben wir uns für die Anreise über Dänemark, Schweden und Finnland entschieden. Diese Reiseroute ist eine gute Wahl für unseren Urlaub, denn auf der E4 kommen wir schnell voran. Unterwegs schauen wir uns in Nordschweden noch einige Highlights an der Strecke an, bevor wir nach Finnland weiter fahren. Hier erhälst Du Reisetipps zum Weltnaturerbe Höga Kusten, den Stromschnellen in Storforsen und der Kirchstadt in Lulea. Es sind wunderbare Ziele und liegen fast alle direkt am Weg.

Roadtrip zum Nordkap mit dem Wohnmobil durch Schweden

Gut ausgebaute Route nach Norden

Nördlich von Stockholm wird der Verkehr deutlich weniger. Wir folgen der sehr gut ausgebauten schwedischen Autobahn, diese ist sehr angenehm zu fahren. Links und rechts liegt dichter Wald. Dann wird die E4 schmaler, ein- und zweispurige Wegführungen wechseln sich ab. Neben der Straße liegen riesige Felsbrocken und Seen in der Landschaft. Immer wieder gibt es schöne Rastplätze mit Blick.

Blick auf einen See und ein Birkenwäldchen in Nordschweden

Landschaft in Nordschweden: Birkenwäldchen und See

Kurz vor 11 Uhr haben wir jetzt Anfang Juni schon 25 Grad. Eine Freundin meldet sich aus St. Petersburg, wir haben inzwischen fast die gleiche Höhe erreicht, irre oder? 80 Kilometer später wird die Straße wieder vierspurig und auch die Landschaft ändert sich. Wir halten mit unserem Kastenwagen kurz an einem Rastplatz, im Wald gibt es schöne Picknickstellen mit Blick aufs Wasser und über einen Spazierweg erreichen wir sogar einen kleinen Strand. Das Wasser ist ziemlich warm zeigt der Test und ein kleiner Junge planscht fröhlich darin herum. Hier könnten wir eigentlich gut verweilen, aber weiter geht es, das Ziel ist noch weit.

Pause und Lunch Buffet im Pink Ladies

Noch fünf Minuten sind es zum Pink Ladies

Hinweisschild auf das American Diner Pink Ladies

Jetzt haben wir aber doch Hunger. Ein Hinweis am Straßenrand macht neugierig. Pink Ladies steht da, noch fünf Minuten entfernt. Zu dieser Raststätte hatte ich doch etwas in einem anderen Blog gelesen. Also fahren wir mit unserem Camper am nächsten Rast- und Tankhof ab. Und richtig, da ist es, das Pink Ladies Diner. Draußen raucht der gut gefüllte große Holzkohlegrill, vor der Tür stehen pinke Flamingos aus Plastik. Njurunda steht als Ort auf unseren Fotos, die wir reichlich machen. Denn auch die Einrichtung ist eine Augenweide – American Diner pur.

Schild im Eingangsbereich des Diners Pink Ladies

Ein Schild weist auf das Lunchbuffet im Pink Ladies hin

Eine freundliche Begrüßung auf Schwedisch (wir verstehen nix), schnell wird auf Englisch gewechselt und es folgt eine ausführliche Erklärung des Mittagsangebotes. Es gibt Lunchbuffet mit Hähnchen und Schwein vom Grill und hausgemachtem Kartoffelsalat, dazu Vorspeisenbuffet, Nachtisch, alkoholfreie Getränke und Kaffee, alles für 95 Kronen (rund 10 Euro). Es ist köstlich, der Service aufmerksam und der Kaffee sehr gut. Also gut aufpassen auf der Strecke, wenn Ihr hier um die Mittagszeit vorbei kommt, Ihr findet das Angebot etwa 20 Kilometer vor Sundsvall.

Lunchbuffet im Pink Ladies

Salat, Pizza, Fleisch und andere Köstlichkeiten sind im Angebot, immer wieder wird nachgelegt.

Weltnaturerbe Höga Kusten

Als nächsten Punkt haben wir die Region Höga Kusten (Hohe Küste), zwischen Härnösand und Örnsköldsvik, anvisiert. Start ist an einer gigantischen Brücke, der Högakustenbron, 1867 Meter lang, Stützweite 1.210 Meter, 1997 eröffnet und das zweithöchste Gebäude in Schweden. Sie wird in der Bauweise gleichgesetzt mit der Golden Gate Bridge und ist jetzt schon die zweite imposante Brücke, die wir in unserem Urlaub passieren, Hochachtung vor den Ingenieuren.

An der Brücke Högakustenbron beginnt das Gebiet Höga Kusten

Die Brücke Högakustenbron ist spektakulär. Mit dem Wohnmobil ist das Übernachten mit diesem Blick möglich.

Auf dem Parkplatz nach der Brücke, von dem man auch einen tollen Blick auf das Bauwerk hat, kann man auch mit Wohnmobil und Caravan übernachten. Ein weiteres Plus ist ein Andenkenladen mit sehr geschmackvollen Sachen und für die Qualität auch nicht zu teuer.

Bei der Recherche zur Brücke sind wir auf das Informationszentrum zu dieser sehr ungewöhnlichen Region in Schweden aufmerksam geworden. Denn wir wollen noch ein wenig mehr erfahren zum Weltnaturerbe Höga Kusten. Das Naturum in Docksta liegt direkt neben dem Skullberget (Schädelberg). Der Parkplatz mit direkter Zufahrt von der E6 und ein wenig geschützt ist groß und auch offiziell als Wohnmobil-Übernachtungsplatz ausgeschildert.

Informationszentrum Höga Kusten in Nordschweden

Das Naturum in Docksta ist Informationszentrum zum Gebiet der Höga Kusten

Als wir ankommen, stehen bereits die ersten schwedischen Wohnmobile da und wir stellen unseren Bus mit etwas Abstand daneben. Wir müssen uns beeilen, denn das Museum ist nur bis 17 Uhr geöffnet. Viele kurzweilige Informationen gibt es hier zur Region, die in der Eiszeit unter drei Kilometer dickem Eis lag und deshalb absank. Nach der Eisschmelze stieg das Land wieder an, hier besonders stark (285 Meter). Dabei hat sich diese außergewöhnliche Region mit Seen, Bergen, Schluchten und anderen geologischen Formen gebildet. Es ist die höchste Küstenlinie der Welt. Menschen siedelten sich bereits früh an und gestalteten ihre Umwelt. Zusätzlich gibt eine große Artenvielfalt im Wasser und an Land.

Informationszentrum Höga Kusten in Nordschweden

Die Informationen zu Höga Kusten sind interessant und kurzweilig aufbereitet

Matthias ist nach dem Museumsbesuch noch spontan zur Grotte auf halber Höhe des imposanten Berges gestiegen, eine richtige Kraxelei, und hatte eine wunderbare Aussicht. Ich hatte falsche Schuhe an und bin deshalb wieder umgedreht. Ganz in der Nähe des Informationszentrums gibt es auch die Möglichkeit, mit einer Seilbahn auf den Skullberget zu fahren. Die ganze Region lädt zur Entdeckung ein. Hierher kommen wir auf jeden Fall noch einmal und dann steige ich auch den Berg hinauf.

Zügiges Fahren auf der E4

Wir wollen aber unserem nächsten Ziel noch näher kommen. Die Stromschnellen Storforsen stehen als nächstes auf unserer Wunschliste unseres Skandinavien-Wohnmobil-Urlaubs. Bis dahin sind es noch 500 Kilometer. Die Strecke lässt sich sehr gut fahren und ich finde sie auch überhaupt nicht langweilig. Es geht viel durch Wald, aber die Landschaft ändert sich regelmäßig, auch muss an manchen Stellen die Geschwindigkeit reduziert werden, da gilt höchste Aufmerksamkeit. Ein Strafzettel wegen zu schnellen Fahrens wird in Schweden schnell richtig teuer. Und auch die vielen Elchwarnschilder haben sicher einen Hintergrund, auch wenn wir keines dieser imposanten Tiere entdecken.

Gefahrenschild mit Elch in Nordschweden

Immer wieder weisen Schilder auf Wildwechsel von Elchen hin

In dieser Region Nordschwedens sehen wir viele Parkplätze mit sehr einladenden Badeplätzen oder kleine Campingplätze am Wasser. Aber wir wollen ja noch weiter nach Norden. 670 Kilometer nach unserem Start suchen wir dann über die App von Camperconact einen Stellplatz und finden 15 Kilometer nördlich von Umea in Säva einen kleinen Parkplatz ein wenig weg von der E4. Neben einem schwedischen Wohnmobil parken wir ein. Hier hat zu Napoleons Zeiten eine große Schlacht stattgefunden ist im Informationspavillon zu lesen. Um 22 Uhr ist es immer noch richtig hell. Noch 1.100 Kilometer bis zum Nordkap. Wir haben mehr als 2.000 Kilometer unserer Reise geschafft.

Abstecher zu den Stromschnellen von Storforsen

Auf dem Parkplatz war in der Nacht noch ein Kommen und Gehen. Aber wir haben gut geschlafen. Um 4 Uhr war es schon wieder hell und auch die Vögel topfit, wir nähern uns dem Polarkreis. Wieder unterwegs passieren wir in Jävrebin einen sehr schön gelegenen Wohnmobilstellplatz an einem kleinen Hafen, mit Blick auf die Bucht. Er liegt direkt neben der E4. Viele Campingfahrzeuge stehen hier. Ein neuer Platzbereich ist in Vorbereitung. Für die Übernachtung sind fünf Euro im Shop auf der anderen Seite der Schnellstraße zu zahlen. Toilette und Wasser sind vorhanden. Schade, aber soweit haben wir es gestern nicht mehr geschafft. Der Aufstieg auf den Leuchtturm ist möglich. Echt eng aber sehr lohnend, es gibt einen tollen Blick von oben.

Wohnmobilstellplatz in Jävrebin an der E4

Der Stellplatz in Jävrebin liegt direkt an einer kleinen Bucht

Die weitere Fahrt vergeht wie im Flug. Da wir  uns die Stromschnellen von Storforsen anschauen wollen, verlassen wir in Pitea die E4 und unsere direkte Reiseroute. Dann fahren wir durch ein paar Kreisverkehre auf die 374, der wir durch Farmland und Wald folgen. Irgendwann ist dann auch unser Reiseziel ausgeschildert. Es geht immer geradeaus durch den Wald.

Die Stromschnellen von Storforsen liegen bei Bredsel, etwa 40 Kilometer von Älvsbyn entfernt

Am Storforsen (bei Bredsel) überwindet der Fluss Pite (Piteälven), einer der vier großen schwedischen Flüsse, 82 Meter auf fünf Kilometern. Auf den letzten 600 Metern fällt der Fluss 50 Meter! Dabei entwickelt er eine große Kraft. Wir parken unser Reisemobil auf dem Parkplatz des Naturparks (Übernachten verboten) und folgen dem Geräusch des fallenden Wassers. Der Weg ist sogar für Rollstuhlfahrer angelegt. Über Brückchen geht es durch die Flusslandschaft. Überall sind Picknick- und Grillplätze angelegt. Viele Einheimische sind mit großen Taschen unterwegs zu den schönsten Plätzen.

Stromschnellen in Storforsen im Juni

Mit aller Macht schießt das Wasser der Stromschnellen ins Tal

Dann stehen wir vor dem Hauptstrom. Donnernd schießt dieser ins Tal. Durch die Schneeschmelze ist das Wasser sehr hoch und tost mächtig an uns vorbei. Ganze Baumstämme nimmt es dabei mit. Gebannt stehen wir vor den brodelnden Wassermassen. Auf einem angelegten Weg kann man an den Stromschnellen entlang laufen. An manchen Stellen fühlt es sich so an, als wäre man mittendrin. Hier haben die Flößer kleine Dämme errichtet, um die Bäume entsprechend zu leiten. Bis ungefähr 1970 wurde auf dem Fluss geflösst. Diese Konstruktionen kommen jetzt den Besuchern zugute.

Wir spazieren flussabwärts bis zum Hotel Storforsen, bei dem sich auch ein kleiner Campingplatz befindet, und genießen dabei immer wieder Blicke auf den Fluss, auch das Flussbett mit eingegrabenen Rinnen und kleinen Schluchten ist sehenswert. Im Hotel wird gerade das Lunchbuffet serviert. Gerne nehmen wir dafür im Gastraum mit Sicht auf den Wasserfall am Ende der Stromschnellen Platz und genießen ein gutes Mittagessen.

Besuch in Gammelstad Kirchstadt

Nach der Rückkehr zur E4 und zu unserer direkten Reiseroute zum Nordkap machen wir noch einen letzten Abstecher in Nordschweden zur Gammelstad Kirchstadt bei Lulea, das zum Keltkulturerbe gehört.

Früher lebten die Menschen im Norden Schwedens verstreut auf ihren Gehöften, die nächste Kirche war weit weg. Deshalb bauten sie rund um die Kirchen kleine Häuschen, um nach oder vor dem Gottesdienstbesuch Übernachten zu können. Die einfachen Häuschen wurden nur an den Sonn- und Feiertagen genutzt.

Kleine Häuser rund um die Kirche in der Kirchstadt in Lulea

Die Kirchstadt von Lulea gehört zum Weltkulturerbe

Im alten Stadtzentrum von Lulea (Gammelstad) ist rund um die Kirche Nederluleå ein solches Kirchdorf mit rund 400 Häuschen erhalten geblieben. Dieses besteht seit etwa 500 Jahren und wurde als traditionelle nordskandinavische Kirchstadt als Welterbe geschützt. Wir schlendern durch die Gassen rund um die Kirche. Noch heute werden die Häuschen der typisch schwedischen Ansiedlung vorwiegend am Wochenende genutzt, längeres darin Wohnen ist untersagt. Strom gibt es inzwischen, aber nur wenige der roten in Reihen gebauten Gebäude verfügt über fließendes Wasser.

Ein Haus ist zu besichtigen. Da es einem wichtigen Mitglied der Gemeinde gehörte, ist es etwas größer. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Auf dem Parkplatz der Kirchstadt kann auch mit dem Wohnmobil übernachtet werden.

Weiter in Richtung Finnland

Das Wohnmobil steht direkt am Meer

Einer der vielen schönen Campingplätze in Nordschweden

Der Tag war lang und wir haben viel gesehen. In Töre, knapp 80 Kilometer vor der finnischen Grenze, steuern wir deshalb einen kleinen Campingplatz am Meer an. Es ist  windig und die Sonne scheint auch am späten Abend noch kräftig.  Rund um uns ist Wasser, lange sitzen wir vor unserem Bus. Noch 800 Kilometer bis zum Nordkap.

Meilenstein auf dem Weg zum Nordkap, die Grenze nach Finnland

Grenze erreicht: Jetzt geht es weiter nach Finnland.


Hin-Fahr-Tipps Schweden

Mit Wohnmobil zum Nordkap durch Nordschweden

Immer der E4 folgend: Stockholm, Sundsvall, Umea, Pitea (Abstecher Storfosen), Lulea, Haparanda

Reiseziele in Nordschweden

  • Pink Ladies Diner,
  • Höga Kusten, Weltnaturerbe zwischen Härnösand und Örnsköldsvik, das Land hat sich hier nach der Eiszeit um 285 Meter gehoben
  • Brücke Högakustenbron
  • Museum Naturum zur Region Höga Kusten
  • Stromschnellen Storforsen

Übernachten Nordschweden mit Wohnmobil

  • Parkplatz Högakustenbron, direkt an der E4, von Süden kommend gleich der erste Parkplatz nach der Brücke, kostenfrei, Unterlegkeile von Vorteil, Blick auf die Brücke
  • Museum Naturum, Skullberget, Rastplatz an der E4
  • Parkplatz Säva, Rastplatz an der E4
  • Wohnmobilstellplatz Jävrebin, direkt an der E4
  • Parkplatz Gammelstad Kirchstadt, Lulea, etwas abseit der E4
  • Camping Töre, Töre, etwa 2 Kilometer von der E4, auf einer kleinen Landzunge

Roadtrip Nordkap mit dem Wohnmobil

Teil 1: Vorbereitungen

Teil 2: Über Dänemark nach Schweden – Mit Fähre und Brücke

Teil 3: Südschweden – Ystad, Archäologische Highlights und schöne Landschaft


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