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Nordkap-Tour 7: Norwegen – Königskrabben und Mondlandschaft am Varanger-Fjord

Auf unserer Tour mit dem Wohnmobil zum Nordkap machen wir auch in Nordnorwegen einen Abstecher. In der Finnmark gefällt uns die karge arktische Landschaft am Rande der Barentssee sehr gut. Sie ist vielfältiger als gedacht. Vor allem die ständig wechselnden Farben und das Licht faszinieren uns. Am Varangerfjord essen wir Königskrabben und fahren die Landschaftsroute Varanger, es sind unvergessliche Eindrücke und Momente.

Roadtrip zum Nordkap durch die Finnmark

Abstecher nach Bugøynes

Bugøynes am Varangerfjord

Blick auf Bugøynes

Das nächste Ziel ist Bugøynes. Nach dem Abzweig von der Hauptstraße führt uns die Stichstraße etwa 20 Kilometer durch sagenhafte karge Landschaft, bevor wir das Fischerdorf erreichen, das neben dem Fischfang vor allem von Königskrabben lebt. Diese Ungetüme stammen eigentlich aus dem nördlichen Pazifik und haben sich aber inzwischen in der Barentssee und bis zu den Lofoten ausgebreitet (berichtet Wikipedia). Russische Forscher haben sie vor rund 60 Jahren bei Murmansk ausgesetzt und die Überlebenskünstler, die bis zu 30 Jahren alt werden, haben sich stark vermehrt und machen den heimischen Tieren Konkurrenz.

Hafen von Bugøynes

Fischerboote im Hafen von Bugøynes

Auch der Ort hat seinen ganz eigenen Charme. Der Wind weht heftig und so werden wir bei unserem Spaziergang ganz schön durchgepustet. Einen für den Kastenwagen ausreichenden Parkplatz finden wir neben der Fabrik, in der die Königskrabben verarbeitet werden. Später hat sich hier auch noch ein Reisebus hinter uns gemogelt.

Alte Fischeranlagen in Bugøynes

Fischerort Bugøynes am Varangerfjord

Königskrabbe auf dem Teller

Das Bistroen ist Restaurant und Post

Bistroen in Bugøynes

Jetzt wollen wir aber auch Königskrabbe essen. Im Bistroen probieren wir bei einem gemischten Fischteller die beliebte Delikatesse. Der Tipp der jungen Bedienung, die eigentlich lieber Finnisch mit uns gesprochen hätte als Englisch, ist wirklich hervorragend. Bei einem anderen Wohnmobilblogger habe ich diese Empfehlung zum Essen gefunden (ganz durch den Ort durch und ausgeschildert). Sonst wären wir nie hier gelandet, mein Mann dachte erst das Gebäude ist geschlossen. Dann trauen wir uns aber doch hinein. Ein Mann sitzt alleine an einem Tisch und erklärt uns Norwegenneulingen, dass wir uns einfach einen Platz suchen sollen und dann schon irgendjemand kommt.

Einfach lecker: Fisch, Kartoffel und Königskrabbe

Gemischter Fischteller mit Königskrabbe

Wir sind bei einer guten Adresse gelandet. Das Essen ist absolut lecker. Viele Wanderer kommen für Kaffee und Waffeln oder Kuchen und eine ganze Gruppe nimmt, während wir Vorne das Leben beobachten (hier ist nämlich auch das Postamt), im Hinterzimmer Platz und lässt sich über den Ort und die Krabben informieren, bevor auch sie probieren. Schade nur, es sind Norweger und nicht wie wir vermutet haben eine Gruppe von einem Kreuzfahrtschiff, sonst hätten wir Mäuschen spielen können.

Königskrabben sind eine Delikatesse

Deliktesse Königskrabbe

Wir unterhalten uns noch eine Weile mit dem Chef, der hervorragend Deutsch spricht, bevor dieser wieder in der Küche gebraucht wird. Den „Campingplatz“, einen Sandparkplatz mit Stromanschlüssen, haben wir nicht ausprobiert. Er entsprach so gar nicht unseren Vorstellungen.

Auf dem Rückweg zur Hauptstraße begegnet uns noch eine große Rentierherde.

Traumstraße auf der Varanger-Halbinsel

Jetzt steht ein weiterer Höhepunkt unserer Reise an. Die Landschaftsroute Varanger, die E75, von Varangerbotn über Vadsø und Vardø nach Hamningberg, das „Ende der Welt“ wie es auch bezeichnet wird. Kurz nach dem Abzweig auf die Halbinsel passieren wir das Schild, das die besondere Panoramastraße kennzeichnet. Es ist eine sehr abwechslungsreiche und manchmal auch spektakuläre Fahrt mit immer wieder neuen Blicken auf den Varangerfjord, die Varanger-Halbinsel und die Küste der Barentssee. Dazu kommt hier im hohen Norden ein ganz besonderes Licht.

Attraktion auf der Landschaftsroute Varanger

Kirche in Nesseby

In Nesseby steht noch eine alte Kirche, die die Zerstörungen am Ende des zweiten Weltkrieges überstanden hat, leider hat sie nicht geöffnet, so bleibt es bei einem Spaziergang um sie herum. Neben uns sind nur noch ein paar Vogelbeobachter unterwegs.

Moor, Meer und Berge in Varanger

Blick auf den Varangerfjord

Holzhäuser und Polarforscher in Vadsø

Nach abwechslungsreicher Fahrt ohne längere Stopps erreichen wir Vadsø. In der im 15. Jahrhundert als Fischerort auf einer Vorinsel gegründeten Hauptstadt der Provinz Finnmark, machen wir uns erst einmal auf die Suche nach einem Geldautomaten und werden auch nach etwas auf und ab durch die Straßen des Ortes fündig. Jetzt haben wir endlich norwegische Kronen bei uns, sicher ist sicher.

Im 19. Jahrhundert zogen sehr viele Finnen und Nordschweden in diese Region, um der Hungersnot in ihrer Heimat zu entfliehen. Die Architektur der gepflegten Holzhäuser in verschiedenen Farben ist von ihnen geprägt.

Hofanlage der Kven in Vadsø

Der Tuomainen-Hof gehört zum Vadsø-Museum

Wir wollen mehr erfahren. Im Vadsø-Museum wird die Geschichte der finnischen Einwanderung gezeigt. Zwei alte Stadthäuser, die die fast völlige Zerstörung der Stadt während des Krieges überlebt haben, gehören dazu. Über den 1851 von einem finnischsprachigen Einwanderer (Kven) erbauten Tuomainen-Hof haben wir in unserem Reiseführer gelesen.  Leider stehen wir vor verschlossenen Türen. Die Hofanlage – Wohnhaus, Stall und Schuppen, die einen Hof umschließen – ist zu. Beim um die Ecke liegenden Esbensen-Hof, von einem norwegischen Kaufmann nur einige Jahre früher als Wohnhaus im Empirestil errichtet und deshalb komplett unterschiedlich, finden wir im Schaukasten eine Erklärung. Die Saison beginnt erst Ende Juni, aktuell ist geschlossen. Schade, die Besichtigung hätte uns sehr interessiert.

Ankermast für das Luftschiff Norge in Vadsø

Der Ankermast für Zeppeline

Auf einer Halbinsel vor dem Ort, gut zu sehen von der Landschaftsroute, steht ein ganz besonderer Turm. Es ist ein eigens aufgestellter Ankermast für Zeppeline. Hier legten 1926 das Luftschiff Norge und 1928 die Italia für Stopps an, bevor sie von Grönland aus nach Norden starteten. Roald Amundsen und Umberto Nobile überflogen damals mit der Norge das erste Mal den Nordpol.

Seeadler im Vorbeifahren

Die Straße geht ganz dicht am Meer entlang. Bei der Weiterfahrt fallen uns besonders auch die bunten Häuser der kleinen Fischerorte ins Auge.  Die ganze Halbinsel ist ein regelrechtes Vogelparadies. Mehrmals sehen wir unterwegs Vogelbeobachter mit riesigen Kameras und Objektiven. Hier gibt es Vogelarten, die man sonst an keinem anderen Ort der Welt sieht. An den besten Stellen wurden Vogelbeobachtungsposten aufgestellt, die vor Wind und Wetter schützen.

Seeadler auf Varanger

Die Seeadler sind nicht weit von der Straße entfernt

Immer wieder stehen Fahrzeuge am Straßenrand aus denen dicke Kameraobjektive ragen. Das ist hier wohl ganz normal. Und auch wir haben Glück. Auf einem Felsen am Meer sitzen mehrere Seeadler. Etwa 50 Meter von der Straße entfernt. Also stellen auch wir uns mit Warnblinker an den Straßenrand und bestaunen die majestätischen Vögel. Der Seeadler ist der größte Raubvogel Nord-Europas und der viertgrößte Adler der Welt. Hier auf Stavanger sind die meisten bei Stauran ansässig. Sie sind optimal getarnt, ihr Gefieder hat die gleiche Farbe wie die Felsen, auf denen sie sitzen. Unser Reiseobjektiv kommt dadurch an seine Grenzen. Aber auch ohne gutes Foto fühle ich mich reich beschenkt. Was für ein tolles Erlebnis. Als die Adler wegfliegen, fahren auch wir weiter. Das Dorf Ekkerøy und den Vogelfelsen in seiner Nähe lassen wir aus.

Spektakuläre Mondlandschaft am Eismeer

Die Straße zieht sich immer weiter, die Landschaft wandelt sich ständig. Und das letzte Stück der Route ist einfach spektakulär. Die Straße wird immer enger und windet sich durch zerklüftete Felsen und Landschaften wie auf dem Mond – immer entlang der Barentssee. Die 40 Kilometer sind sehr vielseitig.

Höhepunkt der Fahrt mit dem Wohnmobil auf Varanger

Enge Straße nach Hamningberg

Nach jeder Biegung der einspurigen Straße sieht es wieder anders aus. An einigen Stellen sind Häuser direkt zwischen die scharfkantigen Felsen gebaut, die unseren Kastenwagen überragen. Bis zum Bau der Straße, die regelrecht in diese hinein gesprengt wurde, war unser Zielort nur per Boot erreichbar.

Felsen an der Barentssee auf der Varanger-Halbinsel

Felsformationen an der Straße nach Hamningberg

Direkt neben uns tost das Meer, es ist sehr windig. Dann haben wir unser Ziel erreicht. Am Ende der Varanger-Halbinsel liegt am Eismeer der verlassene Fischerort Hamningberg. Hier war einst einer der bedeutendsten Fischerorte in Norwegen, steht auf dem Schild am Ortseingang, bis die moderne Hochseefischerei dem Ganzen ein Ende setzte. Ein Teil der Häuser steht unter Denkmalschutz. Außer ein paar Anglern ist hier niemand, eine ganz eigene Stimmung. Wir parken auf dem großen Parkplatz neben dem Ort und richten uns für die Nacht ein. Immer wieder zerrt der heftige Wind an unserem Kastenwagen, obwohl wir alles für den Windschutz getan haben. Kein Wunder, der große Parkplatz liegt genau zwischen zwei Buchten.

Parkplatz in Hamningberg auf Varanger

Blick auf den alten Fischerort Hamningberg

Eine Herde Rentiere kommt ganz nah an unser Wohnmobil. Es sind sehr schöne Tiere, die aber leider schnell wieder weiter ziehen. Nachts fahren noch drei andere Wohnmobile in den Ort, parken aber an anderen Stellen. Jeder von uns hat eine eigene Philosophie, welcher Platz am besten gegen den Wind geschützt ist.

Felsformationen an der Landschaftsroute Varanger nach Hamningberg

Eindrucksvolle Felsformationen am Nordmeer

Auch am nächsten Morgen hat sich das Wetter nicht so richtig gebessert, so das der geplante Spaziergang durch den Ort und die Buchten entfällt. Sehr früh machen wir uns wieder auf den Weg, um die Straße ganz für uns zu haben. Ausweichstellen gibt es nämlich nicht sehr viele und an manchen Stellen ist es hier wirklich eng.

Geschmückte Einfahrt eines Hauses an der Straße nach Hamningberg

Am Straßenrand

So können wir die Landschaft noch einmal in Ruhe auf uns wirken lassen. Ohne Schwierigkeiten erreichen wir die ausgebaute Straße und fahren durch den Tunnel unter dem Meer hindurch nach Vardø.

Kunst und Festungsbau

Schon am Ortseingang leiten uns Schilder den Weg zum Steilneset Memorial, das ich mir unbedingt ansehen möchte. Die Hexenprozesse in der Finnmark im 17. Jahrhundert forderten 91 Opfer.

Memorial der Hexenverfolgug in Vardø

Das Steilneset Memorial erinnert an die Hexenverfolgung in der Region

Das Memorial, das direkt am Ufer in der Nähe der Kirche des Ortes steht, wurde im Gedenken an diese Opfer errichtet, die der Hexerei angeklagt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Mit einem „brennenden Stuhl“,  sich spiegelnden lodernden Flammen und einer 100 Meter langen Gedenkhalle, in der Lichter, Namen und Biographien an diese Menschen erinnern, vermitteln die Künstlerin Louise Bourgeois und der Architekt Peter Zumthor ein schweres Stück Geschichte der Region.

Flamme und Spiegel des Steilneset Memorial

Ein brennender Stuhl symbolisiert die Hexenverbrennung

Nicht weit entfernt liegt am Ortsrand Vardøhus Festnung, die nördlichste Festung der Welt. Die erste wurde bereits um 1300 errichtet, um die nördliche Grenze zu sichern, steht auf der Informationstafel am Eingang. Sie wurde um 1450 durch ein neues Bauwerk ersetzt. Die aktuell zu sehende Struktur ist die dritte Befestigung und wurde zwischen 1734 und 1738 in Form eines achteckigen Sterns erbaut. Eine Weile schlendern wir durch den Hof, über die Wälle und werfen einen Blick in die Gebäude, die ein kleines Museum enthalten.

Tor zur Vardøhus Festnung auf Varanger

Eingang zur nördlichsten Festung der Welt

Es ist kaum zu glauben, hier sind wir östlicher als Istanbul, Sankt Petersburg und Kairo. Viele Holzhäuser in allen möglichen Farben, verfallene und bewohnte, stehen in dem erstaunlich großen Ort, der an vielen Stellen einen traurigen und heruntergekommenen Eindruck macht.  Wahrscheinlich haben wir die schönen Ecken verpasst. Von der Street Art, für die Vardø bekannt ist, sehen wir während unserer Fahrt durch den Ort leider auch nicht viel. Wegen starkem Regen und Wind können wir uns nicht für einen Spaziergang begeistern. Auch das Kunstwerk Drakkar finden wir leider nicht. Wir müssen also irgendwann noch einmal wieder kommen.

Vardøhus Festnung in Vardø

Vardøhus Festnung ist die nördlichste Festung der Welt

Weiter in Richtung Nordkap

Auf der Rückfahrt nach Varangerbotn haben wir die Landschaftsroute fast für uns. Und wir haben noch einmal Glück. Fast an der gleichen Stelle wie am Vortag sehen wir noch einmal Seeadler.


Die Fahrt über die Varanger-Halbinsel war ein ganz besonderes Erlebnis. Voller Eindrücke fahren wir weiter in Richtung Nordkap.


Hin-Fahr-Tipp

Übernachten

Hamningberg, Parkplatz westlich des Ortes, öffentliche Toilette an der Verkehrskreuzung zum Ort

Vestre Jakobselv, Campingplatz

Besichtigen

  • Vadsø: Vadsø-Museum, Ankermast für Zepppeline
  • Hamningberg
  • Vardø: Vardøhus Festnung, Steilneset Memorial

ROADTRIP NORDKAP MIT DEM WOHNMOBIL

Teil 1: Vorbereitungen

Teil 2: Über Dänemark nach Schweden – Mit Fähre und Brücke

Teil 3: Südschweden – Ystad, Archäologische Highlights und schöne Landschaft

Teil 4: Nordschweden – Weltnaturerbe Höga Kusten, Stromschnellen und Kirchstadt

Teil 5: Finnland – Rund um Rovaniemi und Inari

Teil 6: Norwegen – Finnmark an der russischen Grenze


Wohnmobil-Nordkap-Tour: Mondlandschaft und Licht am Varanger-Fjord in Norwegen #Varanger #NordkaptourMerke Dir doch diesen Beitrag auf Pinterest.

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