Hin-Fahren

wo es schön ist

Menü Schließen

Norwegen mit Wohnmobil 3: Weltkulturerbe Felsritzungen Alta – tiefer Blick in die Vergangenheit

Aktualisiert am 19. Juni 2020

Felsritzungen Alta, Kunst der Jäger und Fischer in Norwegen vor 7.000 Jahren: Wir besuchen das Alta Museum in Nordnorwegen und die einmaligen Felsritzungen Alta, die zum Weltkulturerbe gehören. Es ist ein weiterer Höhepunkt unserer Wohnmobil-Reise durch Norwegen. Die Kunst der Bewohner der Jungsteinzeit und Bronzezeit rund um den Altafjord bietet einen tiefen Blick in das Leben der Vergangenheit. Dazu gibt es Tipps für einen Übernachtungsplatz mit Wohnmobil.

MIT DEM WOHNMOBIL durch NORWEGEN – JUNI 2018

Nach den Erlebnissen und der Mitternachtssonne am Nordkap, der arktischen Landschaftsroute Havøysund, dem spannenden Besuch des Wiederaufbaumuseums in Hammerfest und einer sehr abwechslungsreichen Fahrt durch Nordnorwegen, erreichen wir Alta. Der Ort ist eine wichtige Straßenkreuzung in Norwegen an der E6.

Unser Reiseziel – Weltkulturerbe Felsritzungen Alta

Alta stand seit Beginn der Reiseplanungen auf meiner Liste der Orte, die ich in Norwegen unbedingt besuchen wollte. Die hier gefundenen jungsteinzeitlichen und bronzezeitlichen Felsritzungen sind außergewöhnlich. In der Region um Alta wurde mehr Felskunst von Jägern und Sammlern erstellt, als sonst in Nord-Europa.

Wohnmobil Norwegen: Bei diesen Felsritzungen Alta sind Elche, Rentiere und Jäger gut zu erkennen

Hier ist ganz schön was los: Ein Fels mit Elchen, Elchjagd, Schiffen mit Jägern und Fischern

  • Etwa 6.000 Figuren haben Einheimische und Forscher bisher rund um das norwegische Alta entdeckt.
  • Die historischen Bilder auf den Felsen sind von hervorragender Qualität. Deshalb gehören die Felsmalereien und Felsritzungen Alta in Norwegen seit 1985 zum Weltkulturerbe.
  • Rund um das norwegische Alta gibt es vier Plätze mit in den Stein geschlagenen Felsritzungen (Hjemmeluft, Kåfjord, Amtmannsnes and Storsteinen) und einen Platz mit Felsmalereien (Transfarelv).
  • Alle Felsbilder in Alta liegen unter freiem Himmel am Ende des Altafjords.
  • Ein Teil der Felsbilder aus Norwegen kann besichtigt werden. Offizieller Ausgangspunkt für die Besichtigung der Felsritzungen Alta ist das Alta Museum.
  • Das Museum Alta liegt an der größten Konzentration von Felsritzungen (Hjemmeluft). Hier gibt es über 3.000 Figuren.
  • Im Winter sind die Felsen mit den Bildern in Alta allerdings mit einer dicken Schneeschicht bedeckt und nur das Museum ist geöffnet.
Interessiert Dich?  Mit Wohnmobil zum Nordkap 7: Norwegen - Königskrabben und Mondlandschaft am Varanger-Fjord

Die Felsritzungen Alta sind in den Stein gearbeitete Felsbilder aus der Vorgeschichte und werden auch als Petroglyphe, Felskunst oder Rock Art bezeichnet. Petroglyphe sind anders als Höhlenmalereien und Felsmalerien graviert, geschabt oder gepickt und damit für immer in den Untergrund eingetieft.


Wohnmobil Norwegen: Altes Fischerboot am Altafjord

Direkt am Ufer des Altafjord wurden die Felsritzungen entdeckt

Alta ist die größte Kommune in der Finnmark und wichtig für die Versorgung der Region. Tankstellen, Einkaufsmöglichkeiten und eine Gastankstelle sind in der 1704 von Finnen gegründeten Stadt vorhanden. Dazu gibt es mehrere Campingplätze. Wir nutzen die Gelegenheit und tanken unser Wohnmobil mit recht günstigem Diesel voll.

Alta ist auch wichtige Station an der norwegischen E6 auf dem Weg zum Nordkap. Vom Nordkap liegt Alta 230 Kilometer entfernt.

Norwegen Alta: Stadt und Moderne Nordlichtkathedrale

Es regnet heftig. Unser Navi führt uns direkt ins Zentrum von Alta. Sehr große Parkplätze gibt es hier. Sie sind auch für größere Wohnmobile geeignet. Da Alta im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört wurde, prägen sehr moderne Bauten das Stadtbild. Für uns ist zuerst überhaupt nicht erkennbar, wo sich der Stadtkern genau befindet. Deshalb beginnen wir etwas ratlos unsere Besichtigung.

Bei unserer Wohnmobiltour Norwegen besuchen wir die Nordlichtkathedrale Alta

Die Nordlichtkathedrale Alta

Eines der modernen Gebäude ist die 2011 bis 2013 erbaute Nordlichtkathedrale. Sie besteht komplett aus Beton und ist mit Titanplatten verkleidet. Durch den Regen und den trüben Tag verschmilzt die Kirche fast mit dem grauen Himmel. Die Innenausstattung wurde von einem dänischen Künstler geschaffen. Leuchtdioden beleuchten zahlreiche vertikale Leisten, was der Kirche eine besondere Stimmung verleiht. Leider können wir dies nur auf den Fotos im Reiseführer bewundern. Denn die Nordlichtkathedrale hat jetzt am Nachmittag schon zu. Das ist sehr schade. Der Bau sieht super spannend aus.

Museum und Felsritzungen Alta

Nach einem kurzen Spaziergang um die Häuser im Stadtzentrum, beschließen wir zum Museum Alta weiter zu fahren. Da kann man auch mit Wohnmobil übernachten, sagt unsere App. Noch besser, das Alta Museum hat sogar noch auf. Ab heute (Mitte Juni) ist bis 20 Uhr geöffnet, erfahren wir am Empfang. Damit haben wir gar nicht gerechnet. Da haben wir ja echt Glück gehabt.

Es regnet leicht. Der Wetterbericht gibt an, dass es am nächsten Tag noch mehr regnen wird. Deshalb wollen wir uns zuerst die Felsbilder im Freien anschauen und später oder am nächsten Tag das Museum besichtigen.

Wohnmobiltour Norwegen: Steg, Picknickplatz und Blick auf den Altafjord bei den Felsritzungen Alta

Ein Bohlenweg führt in Alta zu den verschiedenen Feldern mit Felsritzungen

Grandioser SPAZIERGANG zu den historischen Felsbildern

Mit einem kleinen Heft zur Erklärung ausgestattet, machen wir uns auf Entdeckungsreise zu den Steinzeitbildern. Es gibt auch einen Audio-Guide. Andere Besucher mit denen wir ins Gespräch kommen, finden ihn sehr gut. Wir wollen die Felsritzungen aber lieber alleine suchen. Die ausgeschilderten Rundtouren dauern 45 Minuten (1,2 Kilometer) oder 90 Minuten (3 Kilometer). Der Weg führt auf Holzbohlen durch die Küstenlandschaft und ein kleines Wäldchen. Nach einem kurzen Fußmarsch über gute Wege und Stege im Außengelände des Museums haben wir den ersten Felsen mit Felsritzungen erreicht.

Wohnmobil Norwegen: In den Felsen geritztes Rentier (Felsritzungen Alta)

Auch ohne Farbe treten die Felsritzungen im leicht dämmrigen Licht aus dem Felsen hervor

⇒ Es dauert ein wenig, bis wir das große Rentier entdecken, das hier in den Stein gepickelt wurde.

Das Licht – der Himmel ist bewölkt – und der Regen machen es nicht leichter.

Dann aber haben wir uns „eingeschaut“ und entdecken in den Felsritzungen immer mehr Rentiere, Elche, Bären, Menschen, Boote, mystische Symbole und andere Szenen.

Wohnmobil Norwegen: Die Bilder beschreiben verschiedene Jagdmethoden

Die wilden Rentiere wurden mit verschiedenen Methoden bejagt. Links ist die Rentierjagd mit Hilfe eines Zauns zu sehen

Felsritzungen Alta: Kunst aus der Steinzeit

  • Die Felsritzungen Alta wurden auf blanke und glatt gescheuerte Felsen direkt in Strandnähe eingemeißelt und eingeschlagen.
  • Natürliche Farben und Strukturen der großen Steine wurden dabei durch die Künstler mit einbezogen, so wie wir dies auch von Höhlenmalereien kennen.
  • Wegen der Landhebungen nach der Eiszeit entstanden die Bilder an verschiedenen Stellen.
  • Die ältesten Felsbilder liegen am höchsten. Gerade diese Felsritzungen sind von sehr guter Qualität und detailliert ausgeführt.
  • Von 5.000 vor Christus bis in die Zeit um Christi Geburt waren die Menschen der Region hier künstlerisch aktiv.
Wohnmobiltour Norwegen: Zeittafel zu den Felsritzungen Alta im Museum

Infotafel im Museum: Die Felsritzungen sind zu verschiedenen Zeiten entstanden

Bei einem Spaziergang über in die Landschaft gebaute Stege gelangen Besucher bequem von Stein zu Stein. Die Linien der Felsritzungen wurden rot eingefärbt. Dadurch sind sie auch für das ungeschulte Auge gut zu sehen.

Interessiert Dich?  Odilienberg Elsass - Wo der Himmel die Erde berührt

Inzwischen wurde die Farbe bei vielen Bildern wieder entfernt, um ihre ursprüngliche Wirkung zu reproduzieren. So sind, je nach Lichteinfall und Schatten, einige der Bilder mal mehr und mal weniger gut zu sehen.

Wir müssen öfter an die Seite treten oder die Felsen aus einem anderen Winkel betrachten. Manche Szenen der Felsbilder sind für uns unsichtbar, andere fallen sehr gut ins Auge. Aber keine Sorge, auf einigen Felsen sind die Bilder noch rot hervorgehoben. Und auch die Felsritzungen ohne Farbe sind gut im ausgehändigten kleinen Führer beschrieben.

Rentierjagden, Alltag und Kult

  • Immer mehr Szenen entdecken wir auf den Felsen. Sie stammen aus verschiedenen Zeiten und haben eine unterschiedliche Qualität.
  • Manchmal sind es regelrechte Bildergeschichten, die „auf dem Stein stehen“.
  • Die Jagd auf Rentiere, Elche und Bären wird vor unseren Augen lebendig.
  • Auf einem anderen Felsen sehen wir beim Walfang zu, beobachten beim Fischen und zählen Boote.
  • Ein anderes mal sind es einfach Figuren nebeneinander gestellt.
  • Die ältesten Felsbilder erfreuen durch ihre vielen Details. Hier ist ein Netz zu erkennen, da eine Fußspur.
  • Bei den jüngeren Ritzungen fällt die Deutung nicht mehr so leicht. Es sind weniger Alltagsszenen, dafür vielleicht Geschichten oder Rituale.
Wohnmobil Norwegen: Ein Jäger auf der Rentierjagd (Felsritzungen Alta)

Rentierjagd mit Pfeil und Bogen

Früher lagen die Felszeichnungen in Alta direkt am Wasserrand, wahrscheinlich waren sie sogar manchmal von den Wellen umspült. Heute liegen sie acht bis 25 Meter über dem Meeresspiegel. Dadurch ist der Spaziergang sehr abwechslungsreich. Auch die Lage am Fjord mit schönen Ausblicken macht die Besichtigung zu etwas besonderem. Durch den Regen und die Wolken herrscht eine eigene Stimmung.

Mit dem Wohnmobil nach Norwegen: Altafjord

Blick auf den Altafjord und glatte Felsen am Ufer, die gerne für Felsritzungen verwendet wurden

Ausstellung und Café im Museum Alta

Die Ausstellung zu den Felsbildern in dem kleinen Museum wurde völlig neu aufbereitet und präsentiert. Gerade in der letzten Woche eröffnet, ist sie sehr informativ und abwechslungsreich.

Neben multimedialen Erklärungen und Erläuterungen zu den Felsritzungen Alta, gibt es Informationen über die Kultur der Samen in Norwegen. Dies sind Vitrinen zu in der Region gefundenen Schätzen, Schamanen, heiligen Trommeln, Markttreiben und Opferstätten der Sami.

Wohnmobiltour Norwegen: Figuren von Fischer und Jäger von den Felsritzungen

Kopie eines Bootes von den Felsritzungen

Zum Museum Alta gehört auch ein Café. Dieses ist sehr schön eingerichtet. Noch lange sitzen wir hier bei leckerem Kuchen und einem phantastischen Blick auf die Bucht und die Felsen mit der Kunst der großen Jäger. Eine junge Deutsche arbeitet im Sommer hier im Museum. Im Gespräch mit ihr, bekommen wir noch einmal andere Eindrücke vom Leben im Norden von Norwegen.

Wohnmobiltour Norwegen: Blick auf den Altafjord aus dem Museumscafé

Der schönste Blick in Alta: Café im Museum

Wohnmobil-stellplatz am Museum Alta

Toll, dass hier am Museum das Übernachten mit dem Wohnmobil erlaubt ist. Allerdings sind Keile notwendig, denn das Gelände ist ziemlich schief. Viele Sporttreibende aus der Region starten hier am Abend ihre Aktivitäten. Voller Eindrücke parken wir unseren Kastenwagen noch einmal um und stehen schließlich „relativ gerade“. Ausser unserem Fahrzeug gibt es noch andere Wohnmobile. Neben uns steht ein Franzose, der schon viele Jahre in die Region zum Angeln kommt. Andere Camper haben den Platz wie wir gezielt angefahren, um die Kunst der Vergangenheit zu sehen.

Interessiert Dich?  Kasten mit Inhalt: Jessica & Horst im Ford Transit Kastenwagen Selbstausbau

Danke an die Verantwortlichen des Museums für die Erlaubnis im Innen- und im Außenbereich zu fotografieren.


Wohnmobiltour Norwegen: Felsritzungen Alta - Weltkulturerbe #Wohnmobil #Archäologie #Steinzeit #Bronzezeit

HIN-FAHR-TIPPs NORWEGEN MIT WOHNMOBIL

Nordlichtkathedrale Alta

  • Markedsgata 30, 9510 Alta, Norwegen

Museum und Felsritzungen Alta

Übernachtung mit Wohnmobil in Alta


RUNDREISE NORDKAP & NORWEGEN MIT WOHNMOBIL


Felsritzungen in Skandinavien und Portugal

  • Felsritzungen gibt es auch an anderen Stellen in Norwegen, wie in Hell oder in der Nähe von Lillehammer.
  • In Südschweden sind die Felsritzungen aus der Bronzezeit bei Tanum eine Besichtigung wert. Sie sind etwa 3.000 Jahre alt und liegen nicht weit weg von der Autobahn.
  • Etwas ganz Außergewöhnliches sind die prähistorische Felsritzungen im Vale do Côa in Portugal. Einige von ihnen sind bereits 25.000 Jahre alt, also weit älter als die Felskunst von Alta. Viele der Bilder dort sind wohl in der gleichen Zeit entstanden wie die Höhlenmalereien von Lascaux im Perigord oder Altamira in Nordspanien und sind auch älter als die Malereien im südfranzösischen Niaux.

Ich freue mich auf Deine Eindrücke zu den Felsritzungen Alta und zur Nordlichtkathedrale. Vielleicht hast Du ja noch einen Tipp, was man sonst noch in der Region unternehmen kann. Schreib mir doch einen Kommentar dazu.

Gefällt Dir dieser Beitrag?

5/5 (8 Bewertungen)

Du bist der Erste, der eine Bewertung abgibt

Katja
Folge mir