Der Odilienberg in den Vogesen, hoch oben über der Rheinebene und weit weg, ist ein Platz der Ruhe und doch mitten im Leben. Der südwestlich von Straßburg gelegene Mont Sainte-Odile ist ein beliebtes Ausflugsziel und als Ort des Glaubens, des Gebets und der Andacht der meist besuchte Wallfahrtsort im Elsass. Zwischen ein und zwei Millionen Menschen kommen jedes Jahr hierher.

Plan der Etappen des Jakobswegs

Der Odilienberg ist Etappe auf dem Jakobsweg

Der heilige Berg des Elsass

Schon von Weitem sehen wir unser Ziel hoch oben auf dem Vogesenkamm. Auch die Ausschilderung ist sehr gut, so dass wir unser Ziel nicht verpassen können. Langsam schlängelt sich die gut ausgebaute Straße immer weiter den Berg hinauf und später durch einen dichten Wald. Kurz vor dem Ziel gabelt sich die Straße, hier liegen auch die Parkplätze, die Wohnmobilisten ansteuern sollten. Reisebusse und behinderte Besucher können direkt bis nach oben fahren.

Auf einer satten Wiese parken wir unter Bäumen und stärken uns für den Besuch. Dann steigen wir die letzten Meter den Berg hinauf.

Kreuzwegszene und hoch oben das Kloster

Der Kreuzweg ist auf den Felsen unterhalb des Klosters angebracht

Odilienberg war schon früh besiedelt

Schild mit Klosterplan

Plan des Klosters auf dem Odilienberg

Der 763 Meter hohe „heilige Berg des Elsass“ verbindet Geschichte, Religion, Kultur und Natur. Die ausgesetzte Lage auf schroff zur Rheinebene abfallenden Felsen, machte ihn bereits früh für eine Besiedlung interessant. Nach den Kelten und den Römern befestigten die Merowinger den Berg und nannten ihn „Hohenburg“.

Steine der Heidenmauer im Wald

Die Heidenmauer zieht sich um den ganzen Odilienberg und diente im frühen Mittelalter zur Befestigung

Aus dem siebten Jahrhundert stammt wohl auch die über zehn Kilometer lange „Heidenmauer“ aus Sandsteinquadern, die den Berg umschließt und an einigen Stellen immer noch bis zu drei Meter hoch ist. Wenn Sie noch etwas Zeit haben, sollten Sie ein Stück hier entlang wandern. Der Wald und die Mauern haben etwas mythisches. Doch da ist noch mehr im tiefen Wald: Im Januar 1992 zerschellte ein Airbus beim Landeanflug auf Straßburg hier am Berg. Auch die Erinnerung daran kann hier entdeckt werden. Fast alle Insassen sind damals bei zweistelligen Temperaturen unter null ums Leben gekommen (Über 80 Personen).

Heimat der Heiligen Odilia

Hoch über dem Odilienberg steht die Statue der Odilia

Die heilige Odilia blickt segnend über das Elsass

Der langgestreckte Bergrücken mit seinen mächtigen Sandsteinfelsen und das darauf erbaute Kloster verkörpern die spirituelle Seele der Region. Hier wirkte die Heilige Odilia und hier werden bereits seit über 1.000 Jahren ihre Reliquien verehrt. Die Schutzpatronin des Elsass ist überall auf dem Berg gegenwärtig, ihre überlebensgroße Statue hoch über dem Kloster schaut beschützend übers Land und ist weithin sichtbar.

Über dem Eingang des Klosters grüßt Odilia

Eingang ins Klosterareal

„Hier blühte einst die heilige Äbtissin Odilia, hier waltet sie immerfort als Mutter des Elsass“, liest der Besucher über der Eingangspforte. Ihr Grab, die Basilika, die romanische Kapelle, die Panoramaterrasse die Engelskapelle, die Tränenkapelle und die Quelle Sainte-Odile werden von Pilgern aber auch von anderen Besuchern aufgesucht.

Wir gehen erst einmal um den mächtigen Felsen herum und bewundern dabei den wunderbaren Kreuzweg, gefertigt aus großen Kacheln in Keramik, wirklich etwas besonderes.

Eine Szene des Kreuzwegs

Kreuzweg: Christus trägt das Kreuz

Wundersame Wendungen

Nach der Erzählung wurde die Tochter des fränkischen Herzogs Adalrich um 660 geboren. Da der heiß ersehnte Erstgeborene ein Mädchen war und dazu noch blind, wollte der Vater sie töten, so die Überlieferung. Die Mutter Bereswinde brachte das Kind mit Hilfe der Dienerschaft in einem Kloster in Sicherheit. Und es gibt weitere wundersame Wendungen in ihrem Leben: Der Wanderbischof Erhard von Regensburg, gerufen durch einen Engel, taufte die Zwölfjährige, worauf sie wieder sehen konnte. Später versöhnte sie sich mit ihrem Vater, der ihr seinen Besitz Hohenburg übergab.

Die heilige Odilia mit ihren Zeichen

Odilia trägt den Stab und ein Buch mit Augen

Kloster bereits im siebten Jahrhundert gegründet

Auf dem Odilienberg ist das Grab von Odilia

Das Grab der heiligen Odilia wird viel besucht

Hier gründete Odilia um das Jahr 690 ein Kloster und sorgte mit anderen Frauen für Arme, Kranke und Sterbende. Da der Weg hinauf für die Hilfesuchenden sehr beschwerlich war, erbaute die Äbtissin zehn Jahre später am Fuß des Berges eine zweite Abtei, Niedermünster, wo sie am 13. Dezember 720 auch verstarb. Den Platz soll ihr der Heilige Johannes der Täufer in einer Vision gezeigt haben. Kurz nach ihrem Tod führte ihr Ruf zur Heiligsprechung.

Heilungen und Wunder

Heilungszene auf einem der Bilder im Kloster

Odilia soll auch Heilungen durchgeführt haben

Viele Heilungen und Wundergeschichten werden mit ihrem Namen verbunden. Eines Tages etwa soll Odilia auf dem Weg hinauf einen Kranken, der schon fast am Verdursten war, getroffen haben. Daraufhin schlug sie mit ihrem Stock gegen einen Felsen und klares Wasser sprudelte hervor.

Unterhalb des Klosters befindet sich die heilige Quelle

Die heilige Quelle liegt unterhalb des Klosters

Auch heute sickert noch Wasser aus der Quelle und über ein Eisenrohr in mehrere Sandsteintröge. Und immer noch kommen hierher Menschen, die ihre Augen mit dem Wasser der Odilienquelle benetzen und auf Heilung hoffen. Aber auch spirituell Suchende erhalten Rat und Hilfe, eine andere Art von „Sehen“, wie die Verantwortlichen betonen.

Beschilderung der Odilienquelle

Etwa 20 Minuten Fußweg sind es bis zur Odilienquelle

Auch wir steigen den Berg hinunter und genießen die besondere Atmosphäre dieses Ortes.

Odilienberg im Wandel der Zeit

Kaiser Barbarossa und andere wichtige Persönlichkeiten haben den Odilienberg besucht. Das Kloster erlebte wechselnde Zeiten, wurde mehrfach zerstört, wieder errichtet, umgebaut und ergänzt. Die Blütezeit war im zwölften Jahrhundert, romanische Elemente wie die Kreuzkapelle stammen aus dieser Zeit.

Blick auf Kloster, Kirche, Garten und Nebengebäude

Das Klosterarel erstreckt sich über den ganzen Felssporn

Nach der Zerstörung der Gebäude durch einen Brand 1546 wurde das Schwesternkloster aufgelöst. Prämonstratenser sorgten weiter für das Grab und machten den Berg zu einem bekannten Wallfahrtsort. Während der Französischen Revolution 1789 wurden dann auch die Mönche vertrieben. Die Verbindung der Elsässer mit „ihrer Heiligen“ und dem nach ihr benannten Berg aber blieb tief. Durch eine Kollekte in der Region konnte das Heiligtum 1853 für das Bistum Straßburg zurückerworben werden. Pius XII ernannte die heilige Odilia 1946 zur Schutzpatronin des Elsass.

Die Engelkapelle auf dem Odilienberg

Die Engelkapelle sollten Sie unbedingt auch besuche

Wallfahrten, Papstbesuch und Anbetung

Stein mit Erinnerungsplakette

Eine Plakette erinnert an den Besuch des Papstes 1988

Seit dem Mittelalter finden regelmäßig Wallfahrten statt. Odilia wird zweimal gefeiert, am ersten Sonntag im Juli und an ihrem Todestag, dem 13. Dezember. Im Jahr 1920 begangen über 100.000 Menschen ihren zwölfhundertsten Todestag. Auch Papst Johannes-Paul II kam 1988 zum Grab der Heiligen. Trotz des schlechten Wetters standen die Gläubigen dicht an dicht.

Maria, Josef, Christuskind, Ochs und Esel

Eindringliche Geburtsszene auf den Maosaiken in der Engelkskapelle

Seit 1931 gibt es hier außerdem etwas besonderes: In der Wallfahrtskirche beten rund um die Uhr Menschen vor dem allerheiligsten Sakrament. Die katholischen Gemeinden und Verbände des Elsass wechseln sich bei dieser „ewigen Anbetung“ ab. Jede Woche lebt jeweils eine andere Gruppe auf dem Odilienberg und erlebt gemeinsam Spiritualität und Austausch. Sie stehen damit in der Tradition von Odilia und ihrer Gefährtinnen. Auch während des Zweiten Weltkrieges wurde die Gebetskette nicht unterbrochen.

Goldene Moasiken über dem Altar in der Tränenkapelle

Die Tränenkapelle ist im Stil byzantinischer Mosaiken ausgestaltet

Wir wollen nicht dabei stören und verlassen die Kirche in Richtung Grablege der Heiligen und besuchen noch die Kapellen im Klostergebäude. Lange verweilen wir in der Tränenkapelle. Odilia soll hier für ihren Vater gebetet haben – unter Tränen, deshalb der Name. Ebenso faszinierend ist die Engelkapelle (Saint-Michael). Sie wurde ebenenfalls in jüngerer Zeit mit Mosaikbildern im byzantinischen Stil verziert.

Odilienberg heute

Auch im Mittelpunkt des Klosters steht eine Odilienstatue

Innenhof des Klosters mit kleinem Garten.

Ein professioneller Hotelbetrieb hat inzwischen die einstige Pilgerherberge abgelöst. Das Kloster besteht nicht mehr, einige Ordensfrauen und Priester betreuen die Wallfahrer weiterhin. „Wir haben eine hohe Verantwortung, damit dies ein Ort des Gebetes ist“, so der Rektor des Odilienbergs. Alle Besucher sind herzlich willkommen an den täglichen Gottesdiensten und Stundengebeten teilzunehmen.

Besucher und Pilger nebeneinander

Die Grenzen zwischen Ausflüglern und Pilgern verschmelzen beim Besuch der Basilika, der Grabstätte der Heiligen, des Kreuzgangs, der Engels- und Tränenkapelle, des Kreuzweges auf den Felsen unterhalb, der Quelle und der Terrassen.

Im Dunst ist die Rheinebene zu sehen

Blick auf die Aussichtsterrasse und die Rheinebene. Im Vordergrund Gräber aus dem Frühmittelalter

Spätestens hier genießen Rad- und Motorradfahrer, Wanderer, Ausflügler und Wallfahrer Seite an Seite den beeindruckenden Panoramablick – über die Kämme und Baumwipfel der Vogesen und die grünen Reben und Dörfer der Rheinebene, bei klarem Wetter bis zum Schwarzwald und sogar den Schweizer Alpen. Wir auf jeden Fall bleiben gerne eine Weile hier. Egal mit welcher Intension die Menschen den Berg besuchen, dem Zauber kann sich niemand entziehen.


Hin-Fahr-Tipps

  • Mont Sainte-Odile, 67530 Ottrott, Frankreich
  • Sie erreichen den etwa 50 Kilometer südwestlich von Straßburg gelegenen Odilienberg über Obernai.
  • Parken etwas unterhalb des Klosters, Übernachten im Wohnmobil ist hier nicht gestattet, dafür empfehlen wir die beiden Stellplätze in Obernai. Auf dem Parking de Rempart haben wir schon sehr gut die Nacht verbracht, allerdings ist der Platz sehr beliebt, also dementsprechend voll.
  • www.mont-sainte-odile.com (französisch) und www.odilienberg.net (englisch und deutsch)

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