Viele Wege führen nach Santiago de Compostella. Menschen machen sich zu Fuß, auf dem Fahrrad und sogar mit dem Pferd auf den Pilgerweg. Dagegen ist pilgern mit dem Wohnmobil eher ungewöhnlich. Wir haben es gemacht und sind 2016 dem Pilgerweg in Spanien gefolgt. Gar nicht so einfach, viele neue Straßen lenken den Verkehr weg von der alten Verkehrsachse. Wir wollten aber dem Weg so gut es geht mit unserem Kastenwagen folgen.

Spanischer Pilgerweg mit dem Kastenwagen

Seit über 25 Jahren sind wir mobil unterwegs. Die erste gemeinsame Reise mit meinem Mann ging nach Nord-Spanien – inklusive intensiver Begegnungen mit und auf dem Pilgerweg nach Santiago. Seitdem lässt uns der Camino nicht mehr los, auch wenn wir ihn noch nie zu Fuß gegangen sind.

Viele Begegnungen mit Pilgern und vor allem die Menschen, die Landschaft, das gute Essen und die vielen alten Kirchen und Orte machen für uns den Reiz aus. Als dann unser damals 17-jähriger Sohn den Wunsch hatte, als „letzte Reise“ mit den Eltern dem Pilgerweg zu folgen, waren wir sofort dabei.


Santiago wir kommen

Anfang August geht es los. Auf dem Armaturenbrett unseres Citroëns liegt gut sichtbar die Jakobsmuschel. Diesmal wollen wir ganz bewusst so nah wie möglich dem Pilgerweg folgen. Nicht ganz einfach, viele neue Straßen sind in den vergangenen Jahren entstanden. Hilfe gibt es in einem Pilger-Wanderführer aus dem Michael-Müller-Verlag, der neben dem Pilgerweg auch genau die Straßenführung abbildet.

Einstieg in den Pyrenäen

Endlich erreichen wir die Pyrenäen und treffen den aragonesischen Pilgerweg bei Jaca. So viel gibt es bereits hier zu sehen, Schluchten, Stauseen und immer wieder Geier. Das Kloster Loarre und die pittoresken Felsen von Los Mallos de Riglos besuchen wir. Gänsegeier sind hier ganz aus der Nähe zu sehen. In Scharen kreisen sie über uns im blauen Himmel. Erster Höhepunkt auf dem Pilgerweg ist dann das Kloster von San Juan de la Peña. Viele Jahrhunderte haben die Pilger für das Doppelkloster einen anstrengenden Umweg gemacht. Der romanische Kreuzgang des unteren Klosters mit tollen Kapitellen ist direkt in den Felsen gebaut. Nach der Besichtigung belohnt der „Balcon del Pirineo“ mit weitem Rundblick auf die Pyrenäen. Auf dem großen Parkplatz am oberen Kloster haben wir schon einmal sehr gut und einsam unter Bäumen übernachtet. Doch diesmal zieht es uns weiter. So fahren wir nach einer ausgiebigen Pause weiter durchs Land.

Pilgerweg im Baskenland

Weiter folgen wir dem Pilgerweg durch die schroffe Bergwelt. Natürlich nutzen wir unseren fahrbaren Untersatz und besuchen das Monasterio de Leyre. Steil geht es aus dem Tal heraus. Auch manche Pilger machen den anstrengenden Abstecher. Mit einer Gruppe und Führung auf Spanisch geht es durch die Klosterkirche und in die Krypta mit ihren riesigen Kapitellen. Nach einem Spaziergang verbringen wir auf dem Parkplatz eine ruhige Nacht. Neben uns übernachtet ein Pärchen im Auto.

#Hin-Fahren #Pilgerweg

Ein wichtiger Wallfahrtsort für die Region ist auch das Castillo de Javier, das nur ein paar Kilometer vom Pilgerweg weg liegt

Ganz früh am Morgen brechen wir auf und finden auf den riesigen Parkplätzen am Castillo de Javier eine Ecke für ein gemütliches Frühstück. Diese moderne Wallfahrtsstätte ist etwas besonderes. Hier kam im Jahr 1506 San Francisco Javier zur Welt, der Mitbegründer des Jesuitenordens und Missionar. Alles dreht sich hier um den Heiligen Navarras. Bei unserem Besuch sind die riesigen Pilgerstätten leer. Einmal jährlich versammeln sich hier tausende von Pilgern.

Für die Besichtigung von Pamplona steuern wir den nördlich gelegenen Camping Ezcaba an. Die Stellplätze in der Stadt haben uns nicht gefallen. Hier stehen wir gemütlich und können mit dem Bus in die Stadt fahren. Wer Räder dabei hat, kann die gut ausgebauten Radwege nutzen. Wir haben Glück, während der Fiestas ist jeder Millimeter auf dem Platz über Jahre ausgebucht und die Preise horrend.

Weiter auf dem Hauptweg

Hinter Pamplona verpassen wir fast die Abfahrt zum „Puerto del Perdon“. Sehr steil ist der Anstieg, auch hier ein herrlicher Fernblick. Eine Pilgergruppe aus Blech erinnert an die Strapazen in früheren Zeiten. Schilder warnen die schwer bepackten Pilger zur Vorsicht auf den steilen Wegen. Beeindruckt schauen wir ihnen beim Abstieg hinterher.

Unser nächstes Ziel ist das in Feldern gelegene romanische Kirchlein von Eunate. Vor über 25 Jahren haben wir hier mit anderen Pilgern einen Gottesdienst gefeiert und dann auf dem Parkplatz übernachtetet – unvergesslich. Auf dem Parkplatz wäre das Übernachten vielleicht noch möglich, aber Glassplitter und Tafeln warnen davor. Vorbei an Puente la Reina erreichen wir Cirauqui, wo der „Camino“ der noch erhaltenen Römerstraße folgt, und schließlich Estella.

„Willkommen, willkommen“, werden wir im Horno San Miguel begrüßt.

Der Besitzer ist den Weg schon selbst gegangen, stolz erzählt er von seinen Eindrücken. Der ausgefaltete Pilgerpass hat einen Ehrenplatz an der Wand. Das Essen ist reichlich und lecker, Ensaladilla (spanischer Kartoffelsalat), Albondigas (Fleischbällchen) und zum Abschluss ein riesiges Stück Torte. Es gibt sogar einen kleinen Rabatt für Pilger. Gerne bezahlen wir dafür etwas mehr. Rund und satt machen wir uns auf zu einem Spaziergang durch die Stadt. Es wird ein kürzerer Aufenthalt als geplant, wir sind einfach zu satt.

Viele Höhepunkte

Natürlich besuchen wir auch das Kloster Irache mit dem berühmten Weinbrunnen, an dem sich die Pilger kostenfrei Rotwein oder Wasser zapfen dürfen. Von Estella sind es nur ein paar Kilometer. Über eine gewundene Straße geht es weiter nach Torres del Río. In dem kleinen Ort steht die achteckige Kirche des Heiligen Grabes aus dem zwölften Jahrhundert. Eine Freiwillige aus dem Ort lädt gegen eine kleine Gebühr zur Besichtigung des trutzigen Gebäudes ein. Drinnen ist es dunkel und an der Decke hängen Fledermäuse. In der angrenzenden Pilgerherberge bekommen wir einen Kaffee. Langsam trudeln die ersten Pilger ein. Wir dagegen steuern Logroño an und bekommen noch einen Platz auf dem kleinen Campingplatz. Über eine nahe Fußgängerbrücke sind wir in knapp fünf Minuten in der Innenstadt und können noch einen Blick in die Kathedrale werfen, bevor diese für den Abend schließt. Den Abend verbringen wir in den kleinen Kneipen in den pittoresken Gassen der Altstadt.

Durch altes Kulturland

In Najera ist Markt und das Parken damit eine echte Herausforderung, überall Menschen und Fahrzeuge. Aber endlich gelingt es doch in der Nähe des Schwimmbades, unseren Kasten in eine kleine Lücke zu zwängen und wir können das ehemalige Benediktinerkloster besichtigen. Dieses hat eine wichtige Rolle für die Könige von Navarra gespielt. Der eindrucksvolle Bau in rotem Sandstein mit den durchbrochenen Fenstern ist direkt an den Felsen angebaut.

Nach Santo Domingo de la Calzada, wo wir die Kirche besuchen und den Glockenturm erklimmen, wird die Landschaft immer ausgedörrter. Es ist wohl eine der wenigen Kirchen, in der lebende weiße Hühner in einem großen Käfig über einem Altar gehalten werden. Keine Sorge, die Tiere werden regelmäßig ausgetauscht und können dann ein normales Hühnerleben führen. Wir finden aber die engen Gänge, die sich wohl als Teil einer alten Verteidigung durch die Kirchenmauern ziehen, viel spannender.

Begegnungen und Kirchen

Der Pilgerweg passiert Burgos und erreicht Castrojeriz und den Campingplatz Camino de Santiago. Gleich nebenan liegt die Pilgerherberge. Wasch- und Aufenthaltsräume sind streng getrennt. Man hört sich, kommt aber nicht in Kontakt – schade. Dafür sind die anderen Camper umso mitteilsamer. „Ich komme jedes Jahr für mehrere Wochen und mache einen Abschnitt des Camino“, berichtet unser über 75-Jähriger Nachbar, der sich sichtlich über die Möglichkeit zum Austausch freut. Dabei fährt er mit dem Bus einige Etappen zurück und macht sich dann als Fußpilger auf den Weg.

Durch das sehr stark landwirtschaftlich genutzte Land geht es weiter nach Fromista. Unterwegs sehen wir immer wieder Störche. Auch auf einer Kirche haben sie ihre Nester gebaut. Wir zählen mehr als 20 Tiere. Das Zentrum von Fromista ist die trutzige romanische Kirche. Immer wieder gehen wir um sie herum, um auch keine der Fratzen und Tierfiguren zu verpassen, die sie verzieren.

Kurz vor Leon machen wir einen Abstecher zum mozzarabischen Kirchlein von San Miguel de la Escalada.

Noch 500 Kilometer nach Santiago

Noch 500 Kilometer bis zum Ziel: Gleißendes Licht, Brauntöne und abgeerntete Kornfelder dominieren den Blick in die unendliche Landschaft. Manchmal sind in der Ferne Schafherden zu sehen. Wir folgen dem Pilgerweg zur alten Brücke über den Rio Pisuergo, die die Pilger in dichten Gruppen überqueren. Gleich nebenan steht die ursprüngliche romanische Kirche San Nicolás, die jetzt als Herberge dient. Direkt neben dem Altar stehen der Gaskocher und benutzte Töpfe, im Kirchenraum Stockbetten, davor rasten junge Pilger – ein besonderer Ort.

Über holprige kleine Straßen geht es immer weiter. Viele Pilger laufen unbeirrt in glühender Hitze neben uns. Auch sehr viele Fahrradfahrer kämpfen sich den Anstieg bei Rabanal hinauf. Oben am „Cruz de Ferro“ schweift der Blick. Ein großer Parkplatz gibt Gelegenheit zur Rast. Schnell sind Tische und Stühle für ein Picknick ausgepackt. Hier am „eisernen Kreuz“ legen die Pilger Steine mit Bitten und Wünschen ab. Ein magischer Moment als einer von ihnen seine mitgebrachte Geige vom Rücken nimmt und virtuos anfängt zu spielen, bevor er sich mit einem „Buen Camino“ wieder auf den Weg macht – Gänsehaut pur. Auf dem großen Parkplatz steht es sich nachts ruhig und einsam, nur die Kühe ziehen vorbei. Die Begegnung mit dem Geiger habe ich auch unter meinen Momenten für die Ewigkeit beschrieben.

Galicien: Enge Straßen, Wiesen und Wälder

Aber noch ist es zu früh für eine Übernachtung. Kurz danach steuern wir vorsichtig durch die enge Hauptstraße von Acebo, die überragenden Balkons immer im Blick. Das Womo passt, aber knapp. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Neue Autobahnen führen den Verkehr inzwischen weit weg an den Pilgern vorbei. Ganz nah sind aber wir ihnen, besonders auf den letzten 100 Kilometern. Der Pilgerweg liegt direkt an der engen Straße, die sich durch Wiesen, Felder und kleine Wäldchen schlängelt. Erstaunt winken sie uns zu, es geht nur noch langsam voran. Nur unsere Bundeskanzlerin treffen wir nicht. Sie ist an diesem Tag ganz in der Nähe unterwegs. Kurz vor dem Ziel ein letzter Abstecher: In Vilar de Donas erklärt uns ein rüstiger Senior stolz die Kirche San Salvador und setzt zum Abschluss einen Pilgerstempel in unser Fahrtenbuch.

Am Ziel: Santiago de Compostella

Knapp 14 Tage nach dem Start sind wir am Ziel und bekommen einen guten Platz auf dem Campingplatz . Beglückt machen wir uns zu Fuß auf zur Kathedrale. Immer mehr Pilger mit Rucksäcken und Wanderstöcken um uns herum haben das gleiche Ziel. Auf dem großen Platz vor der Kathedrale fallen sich wildfremde Menschen in die Arme. Dieser besondere Moment der Ankunft wird in vielen Erinnerungsfotos festgehalten. Wir bleiben einfach nur stehen und genießen den Moment. In der Pilgermesse mit Weihrauchfass und Menschen aus der ganzen Welt sind wir Teil der großen Gemeinschaft. „Gut gemacht“, umarmen wir die Nachbarn. Das Lob kommt aus tiefem Herzen, sind wir doch unmittelbare Zeugen ihrer großen Leistung. In einer nahe gelegenen Kneipe philosophieren wir dann noch lange mit Pilgern aus Australien und dem Gastwirt, der den Pilgerweg ebenfalls schon gegangen ist.

Abschluss am Cabo Finisterre

Als letztes Ziel wartet Cabo Finisterre, das „Ende der Welt“. Immer mehr Menschen bewegen sich auf den letzten Metern. Über uns blauer Himmel, um uns herum tief blaues Meer. Viele Pilger verbrennen hier nach ihrer letzten Etappe Wanderschuhe und Kleidungsstücke. Auch wir stehen lange im Wind und blicken auf den Atlantik, bevor wir uns auf den über 2.000 Kilometer langen Rückweg machen. Auch die Atlantikküste in Spanien und das Hinterland sind das Hin-Fahren wert. Doch das ist eine andere Geschichte.

Diese Diashow benötigt JavaScript.


Der Pilgerweg: Eine intensive Erfahrung

Sind wir Pilger? Wir wissen es nicht. Auf jeden Fall sind wir tief berührt. Die Atmosphäre, Spiritualität und die Spuren, die Generationen vor uns hinterlassen haben, haben die ganze Familie gepackt. Dazu kommen die unendlichen Landschaften und die Natur. Der Pilgerweg mit dem Wohnmobil ist eine intensive Erfahrung an der Grenze von Tourismus und Pilgerfahrt. „So können wir auch die kleinen Orte abseits entdecken“, ist für meinen Mann das Besondere. Durch die Möglichkeit auch einmal größere Strecken zurückzulegen, haben wir mehr Zeit an Landmarken und für den Besuch der zahlreichen Kirchen oder erleben die Pilgerstätten zu einer Tageszeit, wenn kein großer Andrang herrscht. Dankbar sind wir auch für die vielen Begegnungen mit Einheimischen und ihre Berichte wie der Pilgerweg ihr Leben berührt und geprägt hat. Wir kommen sicher wieder – irgendwann auch als Fußpilger


Hin-Fahr-Tipps zum Pilgerweg mit dem Wohnmobil

Anfahrt

Mühlhausen, Lyon, St. Etienne, Yssingeau, le Puy, Langogne, Mende, Stück Autobahn, Laissac, Rodez, Carmaux, Albi, Lisle, Autobahnring Toulouse (rechts herum in Richtung Bordeaux), Richtung Vielha, durch die Pyrenäen bis nach Jaca

Rückweg

Entlang der Küste bis Bilbao, dann quer durch Frankreich bis nach Chalon-Sur-Sone, den Rest auf der Autobahn

Übernachen

Im Inland gibt es nicht überall Campingplätze, also am besten frühzeitig auf die Karte schauen. Stellplätze sind in Nord-Spanien erst auf dem Vormarsch und es gibt noch nicht sehr viele. Diese sind dann manchmal auch in fester Hand von fahrendem Volk oder nicht sehr attraktiv oder ohne Schatten. Frei übernachten und das legal und schön ist in der Nähe des Pilgerweges nicht mehr so ganz einfach. Es sind einfach zu viele Menschen unterwegs und die kleinen Nebenstraßen oder begradigten Kurven gibt es fast nicht mehr. Dabei ist es in Galicien eher erlaubt als in Asturien. Im Baskenland dagegen gibt es bereits mehr Stellplätze.

Essen

In Nordspanien gibt es viele Spezialitäten. Mittags gibt es beim „Menu del Dia“ in der Regel drei Gänge mit Wasser und Wein. Wobei oft noch die Flaschen ganz auf den Tisch gestellt werden und das zu einem günstigen Preis. Häufig wird dabei noch echte Hausmannskost oder deftiger Eintopf serviert. Sehr gut lässt es sich dort speisen, wo mittags die kleinen Laster und Lieferwagen der Handwerker vor der Tür stehen.

Kilometer

Auf dieser Reise haben wir rund 6.000 Kilometer zurückgelegt.

Literatur

  • Dietmar Hoos: Spanischer Jakobsweg. Wanderführer mit 38 Etappen. Michael Müller Verlag
  • Reinhard Schulz, Waltraud Roth-Schulz: Mit dem Wohnmobil nach Nord-Spanien. Womo-Reihe Band 2

Unser Fahrzeug

Der Pössl Vario 545 hat sich auch auf dieser Reise sehr gut bewährt und ist nach unserer Erfahrung eines der besten Fahrzeug für Familien im Kastenwagenbereich.


Mit dem Wohnmobil unterwegs in Nordspanien auf dem Pilgerweg nach Santiago de CompostellaWenn Dir dieser Beitrag gefallen hat, dann pinne ihn doch auf Pinterest: