In Havøysund gibt es tolle Blicke auf das arktische Meer und einen Stellplatz für Wohnmobile. Hier erleben wir Nordnorwegen und Finnmark pur. Der Besuch von Honningsvåg, sehr viele Rentiere und die Landschaftsroute Havøysund sind besondere Erlebnisse. Ab jetzt nenne ich die Beiträge Skandinavien-Tour, denn wir sind ja wieder unterwegs in Richtung Süden.

mit dem Wohnmobil entlang der Küste in Norwegen – Juni 2018

Schweren Herzens trennen wir uns mit unserem Wohnmobil vom Nordkap und treten mit dem Camper den “Rückweg” an. Um die Mittagszeit geht es wieder los in Richtung Süden. Die Sonne scheint und die Straßen sind frei. Die nächste “Welle” Wohnmobilfahrer ist wohl erst noch auf dem Weg nach Norden. Nur einige wenige Spaziergänger und Fahrradfahrer sind unterwegs.

Wir  drehen noch eine kurze Runde im nördlichsten Fischerdorf der Welt Skarsvåg. Hier sieht es wirklich nett aus. Die Fischer des Ortes fangen mit ihren kleinen seetüchtigen Booten Kabeljau, Seelachs, Heilbutt und Rotbarsch. Einige Wohnmobile parken direkt am Hafen. Aber wir sind ausgeruht und freuen uns auf neue Eindrücke, deshalb fahren wir weiter.

Schöne Stunden in Honningsvåg

Im nahe gelegenen Honningsvåg dauert es ein wenig bis wir uns orientiert haben und einen passenden Parkplatz für unseren Kastenwagen in der Nähe des Hafens finden. Hier im Ort wird Parkgebühr fällig. Etwa 2.800 Menschen leben in der Stadt, die sich seit ein paar Jahren gerne als nördlichste Stadt der Welt bezeichnet, und für die Hurtgruten- und Kreuzfahrer das Tor zum Nordkap ist. Damit steht Honningsvåg in Konkurrenz zu Hammerfest, das sich seit vielen Jahren bereits nördlichste Stadt der Welt nennt.

Skandinavien-Tour mit dem Wohnmobil: Musikgruppe in Honningsvåg

Es ist Fest in Honningsvåg

Die Stadt ist abgesperrt, denn heute ist ein Fest und mehrere Musikgruppen sind unterwegs. Wir schauen drei von ihnen zu und merken gar nicht, dass hinter uns langsam und leise das Postschiff anlegt. Erst als die Gäste vom Schiff strömen und sich neben uns stellen, drehen wir uns erstaunt um und blicken in lauter lachende Gesichter.

Stadtbesuch in Norwegen: Musikkapellen aus Vardø, Alta und Karasjok

Kapellen aus der ganzen Finnmark sind zum Festival in Honningsvåg gekommen

Beim Spaziergang durch den Ort werfen wir einen Blick ins Café Corner. Dies sieht angenehm aus. Eine große Bar und viele gemütliche Nischen laden zum Verweilen ein. Eine Gruppe Einheimischer sitzt in einer Ecke und ist angeregt am Diskutieren. Die Atmosphäre erinnert mich an die Fischerclubs in Spanien. Von außen ist das Lokal nicht  zu erkennen, erst ein Hinweis im Touristenoffice um die Ecke hat uns auf die Sprünge geholfen. Was es zu essen gibt, sehen wir aber leider nicht, es hängt keine Karte aus. Auch das andere Restaurant im Ort spricht uns nicht an. Irgendwie müssen wir uns wohl erst an Norwegen und seine Bar- und Restaurantkultur gewöhnen.

Nordnorwegen: Gebäude am Hafen von Honningsvåg

Die Ice Bar ist eine Attraktion in Honningsvåg

Nur ein paar Schritte weiter lockt die Arktis Eisbar mit einem großen Schild. Durch einen Andenkenladen mit einer ansprechenden Auswahl geht es hinein in die Kühle bei minus fünf Grad. Im Eintritt sind zwei alkoholfreie Getränke enthalten und die Nutzung eines Thermoanzugs ist ebenfalls inklusive. Diese hängen in allen Größenvariationen im Vorraum. Die Vorbereitungen auf den nächsten Ansturm laufen bereits auf Hochtouren. Am Abend wird ein Kreuzfahrtschiff erwartet und die Bar ist eine wichtige Attraktion im Ort. Die Besitzer sind aus Spanien und wir kommen miteinander in ein angeregte Gespräch. Seit 2004 betreiben sie die Bar und haben in der kurzen Saison in den Sommermonaten gut zu tun, sagt die Chefin. Sie sind nach einem Urlaub „hängen geblieben“. Als Aushilfen arbeiten auch mehrere Studenten aus Spanien mit.

Nordnorwegen: Hafen Honningsvåg mit Schiff der Hurtigruten

Das Hurtigruten-Schiff Trollfjord im Hafen von Honningsvåg


Begegnung mit Rentieren und Seeadlern

Bei der Rückfahrt mit dem Reisemobil nach Olderfjord, wo wir zu unserem nächsten Ziel abbiegen wollen, sehen wir Herden von Rentieren. Auch ganz junge Kälber, wohl gerade erst geboren, sind dabei.

Begegnungen mit dem Wohnmobil: Rentierkälbchen an der Straße zum Nordkap

Die Rentiere haben Nachwuchs

Mehrmals geht es mit dem Verkehr fast schief, denn Mütter und Jungtiere sind noch keine eingespielten Teams und rennen kopflos über die Straße. Trotz Lichthupe und wildem Gestikulieren von unserer Seite, hätte ein uns entgegen kommendes Fahrzeug fast eine kleine Herde gerammt, die plötzlich auf die Straße sprang. Also auf diesem Stück Straße gut aufpassen, besonders in den ersten Juniwochen.

Unterwegs zum Nordkap: Das Rentierkalb folgt seiner Mutter

Vorsicht Rentiere: Das neugeborene Kalb folgt seiner Mutter

Kurz danach fliegt ein Seeadler neben uns her, wunderbar.

Wohnmobiltour Norwegen: Seeadler in der Finnmark

Von der Straße zum Nordkap aus sehen wir Seeadler


Landschaftsroute Havøysund

Wenige Kilometer vor Olderfjord zweigt die Straße ab zu unserem nächsten Ziel Havøysund. Bis zur Siedlung Kokelv fahren wir mit dem Camper recht zügig voran. Dann biegen wir auf die Landschaftsroute ein. Kurz vor dem Abzweig wurde ein neuer Aussichtspunkt eingerichtet. Der Rastplatz Storberget liegt in der flachen Landschaft oberhalb des Flusses Russelva. Wir parken das Wohnmobil und vertreten uns die Füße. Von hier gibt es einen weiten Blick auf die umliegende offene Ebene, den Revsbotn Fjord und die Nordsee. Ich fand die Abbruchkante des Flusses besonders spannend.

Wohnmobiltour Norwegen: Ein Schild weist auf den Anfang der Landschaftsroute Havøysund hin

Hier startet die Landschaftsroute Havøysund

Die norwegische Landschaftsroute Havøysund (Straße 889) verläuft zwischen Kokelv und Havøysund und hat eine Länge von 67 Kilometern. Die Straße führt dicht am Fjord entlang und schwingt sich immer wieder den Berg hinauf. Teile der Landschaftsroute verlaufen entlang des arktischen Meers und einer kargen Klippenlandschaft. Unterwegs beobachten wir direkt aus dem Wohnmobil heraus viele Tiere. Herden von Rentieren grasen neben der Straße und auch ein Fischotter streckt seinen Kopf aus dem Wasser. Wir fühlen uns wie in einer anderen Welt. Außer einigen einheimischen Fahrzeugen und einem PKW mit französischem Kennzeichen sind wir alleine mit der arktischen Landschaft und der Straße.

Landschaftsroute Havøysund: Rentiere am Fjord in Nordnorwegen

Rentierherde an der Barentssee

Leider ist der Parkplatz in Lillefjord gerade eine einzige Baustelle. Schade, das wäre sicher ein schöner Übernachtungsplatz mit dem Wohnmobil gewesen. Von hier beginnt auch eine Wanderung entlang des Fosseelva zu einem Wasserfall. Der kleine Rastplatz in Snefjord ein Stück weiter mit Blick aufs Meer ist keine richtige Alternative. Er ist nicht zum Übernachten geeignet. Unser Kastenwagen findet gerade so in der Parkbucht an der Straße Platz. Drei Rastboxen aus Holz sind so angeordnet, dass sie unabhängig von der Windrichtung Schutz bieten. Daneben fließt ein kleiner Bach in die Bucht. Hier ist ein beliebter Platz für Angler und Vogelbeobachter. Doch der Wind pfeift uns heftig um die Ohren und so halten wir uns nicht lange auf.

Rastplatz an der Landschaftsroute Havøysund

Drei Rastboxen in Snefjord bieten Schutz vor dem Wind und sind flexibel

Noch ein weiterer besonderer Rastplatz wurde auf der Landschaftsroute am Ufer von Selvika an der Sanbukta eingerichtet. Aber leider ist der Parkplatz zu schief und deshalb nicht zum Übernachten im Reisemobil geeignet. Das Betongebäude wirkt futuristisch, ein geschwungener Betonpfad schlängelt sich zum Ufer und dem kleinen weißen Sandstrand. Das Meer in der kleinen Bucht schimmert blau und grün. Der Ort hat die Menschen schon früh angezogen, lernen wir. In der Gegend wurden Spuren aus der Steinzeit gefunden. Weiter geht die Reiseroute durch die karge Landschaft und einsame Bergwelt, es sind nur noch ein paar Kilometer nach Havøysund.

Wohnmobiltour Norwegen: Rastplatz Sevika an der Landschaftsroute Havøysund

Rastplatz an der Landschaftsroute mit Blick auf die Sanbukta bei Selvika

Genialer Blick auf das arktische Meer

Dann ist das Ziel erreicht. Über eine große Brücke führt die Straße in den relativ großen Ort. Kaum zu glauben, dass hier, weit weg von allem, über 1.000 Menschen leben. Ihre Haupterwerbsquelle ist der Fischfang. Das Fischerdorf Havøysund liegt auf 71 Grad nördlicher Breite am Ufer der Barentssee. Wir befinden uns hier auf dem gleichen Breitengrad wie das Nordkap und doch in einer anderen Welt.

Gleich am Anfang des Ortes folgen wir mit unserem Camper den Schildern zum Bergplateau Gavlen und dem nördlichsten Windpark der Welt. Steil geht die Straße außerhalb des Ortes den Berg hinauf und wird dann zu einer Schotterpiste. Die abenteuerliche Anfahrt lohnt sich. Wir parken unseren Pössl mit gigantischem Blick neben einem der Windräder. Hier befinden wir uns oberhalb eines steilen Abfalls in die Barentssee und sind lange einfach nur mit Schauen beschäftigt.

Kastenwagen parkt mit Blick aufs Meer

Wohnmobilstellplatz mit Blick auf das arktische Meer am Restaurant Arctic View

Arctic View: Restaurant und einfacher WohnmobilStellplatz

Ein unscheinbarer Betonbau ist unser Ziel. Hier befindet sich das Restaurant Arctic View. Dieses ist vom 1. Mai bis zum 31. August geöffnet und liegt etwa fünf Kilometer vom Ortszentrum von Havøysund entfernt und 200 Meter oberhalb des Meeres. Ein junges Paar betreibt es und bietet regionale Spezialitäten der Finnmark an. Das Beste aber: Durch eine große Panorama-Glasfront gibt es einen tollen Blick aufs Meer, das im fortwährend wechselnden Licht auch ständig seinen Charakter verändert. Und auch das Übernachten mit dem Campingfahrzeug ist hier gestattet.

Restaurant Arctic View in Havøysund

Das Restaurant Arctic View in Havøysund liegt auf einer Klippe über der Barentssee

Ein Mitarbeiter begrüßt uns freundlich auf Deutsch. Bei einem Kaffee erfahren wir von ihm viel übers Land. Morgen startet die Lachssaison. Dann darf der wilde Lachs gefangen werden, eine besondere Delikatesse. Lange unterhalten wir uns auch mit Stefan aus Paris, den wir heute unterwegs schon mehrfach gesehen haben (das französische Auto). Der Franzose hat die Fahrt zum Nordkap alleine in drei Tagen zurückgelegt, berichtet er. Und er freut sich jetzt auf Norwegen, genau wie wir.

Aber vor allem lassen wir den Blick auf uns wirken. Es ist wirklich ein besonderer Ort. Da wo wir parken, darf man auch mit dem Wohnmobil übernachten. Ein idealer Platz, um die Mitternachtssonne zu genießen. Aber, obwohl es aus der Küche köstlich duftet und auch die Rezensionen im Internet gut sind, haben wir heute keine Lust hier zu verweilen und zu essen. Die vielen intensiven Eindrücke der Fahrt durch Schweden, Finnland, entlang der russischen Grenze und auf Varanger in den letzten Tage müssen verarbeitet werden. Es schwebt uns ein geschützter Parkplatz und Selbstversorgung vor.

Wohnmobiltour Norwegen: Windräder und Kastenwagen Pössl Roadcamp

Unser Kastenwagen parkt in Havøysund am nördlichsten Windpark der Welt

Bei der Abfahrt mit dem Van den Berg hinunter haben wir einen guten Blick auf Havøysund und das Meer. Wir drehen eine kurze Runde durch den Ort und entsorgen am Wohnmobilstellplatz am Hafen. Ja der Ort fast am Ende der Welt hat Infrastruktur für Wohnmobile. In der Gebühr für den Stellplatz sind Strom und Internet inklusive, entnehmen wir der Beschilderung. Die Entsorgung kostet nichts. Eine Weile beobachten wir noch eine Gruppe Männer, die gerade vom Hochsee-Angeln zurückgekommen ist, beim Versorgen der Fische. Sie sehen müde aber glücklich aus und brauchen eine Weile bis sie sich aus der Kleidung schälen, die sie vor dem Meer und der Kälte geschützt hat.

Wohnmobiltour Norwegen: Piste bei Havøysund

Ein Teil des Weges zurück nach Havøysund geht über unbefestigte Straße

Weiter in Richtung Hammerfest

Jetzt ist auf der Landschaftsroute mehr Verkehr, immer wieder kommen uns norwegische PKWs in schneller Fahrt entgegen. Es sind wohl Pendler auf dem Weg nach Hause. Bei dem sich immer weiter bedeckenden Himmel und fast dämmrigen Licht liegt noch einmal ein besonderer Zauber über der Landschaft. Einen Ort für die Nacht mit schönem Blick auf den Fjord finden wir schließlich auf einem Parkplatz kurz nach dem Abzweig  nach Hammerfest.


Hin-Fahr-Tipp Nordkapreise

Reiseroute Nordkap und Skandinavien mit dem Wohnmobil

  1. Vorbereitungen
  2. Über Dänemark nach Schweden – Mit Fähre und Brücke
  3. Südschweden – Ystad, Archäologische Highlights und schöne Landschaft
  4. Nordschweden – Weltnaturerbe Höga Kusten, Stromschnellen und Kirchstadt
  5. Durch Finnland – Rund um Rovaniemi und Inari & Museum Arktikum in Rovaniemi
  6. Endlich in Norwegen – Finnmark an der russischen Grenze
  7. Highlight Norwegen – Varanger
  8. Unterwegs in Nordnorwegen – Tana und Trollholmen
  9. Am Ziel – Nordkap und Mitternachtssonne
  10. Arktisches Norwegen – Honningsvåg und Landschaftsroute Havøysund
  11. Norwegens nördlichste Stadt – Hammerfest
  12. Kunst aus der Steinzeit – Weltkulturerbe Felsritzungen Alta

Unbekanntes Norwegen entdecken: Landschaftsroute Havøysund am arktischen Meer, Rentiere und das Tor zum Nordkap HonningsvågIch wünsche eine schöne Reise. Über Kommentare und Anregungen freue ich mich sehr.