Hammerfest ist ein weiterer Höhepunkt bei unserer Tour durch Norwegen mit dem Wohnmobil. In der Stadt erfahren wir im Wiederaufbaumuseum mehr über die Region Finnmark im Zweiten Weltkrieg und warum die Häuser hier im Norden fast alle gleich aussehen. Einen Tipp für einen Wohnmobilstellplatz gibt es auch. Dies ist Teil 11 unserer Skandinavien-Tour.

Mit dem Wohnmobil in Norwegen entlang der Küsten nach Süden – Juni 2018

Kastenwagen von Hin-Fahren am Nordmeer

Stellplatz unterwegs an der R94

Nach den Erlebnissen und der Mitternachtssonne am Nordkap, unserem Abstecher nach Havøysund und einer ruhigen Nacht auf einem Rastplatz direkt am Wasser an der R94 fahren wir mit unserem Camper entlang der Küste nach Hammerfest. Dieses bezeichnet sich als nördlichste Stadt der Welt. Die Reiseroute ist einfach, denn es führt nur eine Straße dorthin.

Gas und Industrie

Nach Ruhe und Einsamkeit im norwegischen Norden ist das Industriegebiet vor Hammerfest eine richtige Überraschung. Das riesige Versorgungsschiff Skandi Gamma ist gerade vor Ort im Hafen und zieht mit seiner Größe, Form und durch seine rote Farbe unsere Blicke auf sich. Es ist wirklich gewaltig und fast 100 Meter lang.

Rotes Versorgungsschiff Skandi Gamma

Das Versorgungsschiff Skandi Gamma ist gerade in Hammerfest

Das Gas-Terminal auf der vorgelagerten Insel Melkøya ist groß und nimmt die ganze Fläche der Insel ein. Laut meiner Internetrecherche ist es die größte Anlage dieser Art in Europa. Hier wird das Gas des fünftgrößten norwegischen Gasfeldes zu Flüssiggas verarbeitet. Es kommt über eine Pipeline an und wird dann später mit Schiffen weiter transportiert. Die Hammerfest vorgelagerte Insel ist durch einen Tunnel unter dem Meer zu erreichen, erklärt uns später eine Einheimische.

Hammerfest, Die Nördlichste Stadt Europas?

Blick über die Dächer aufs Meer und das Schiff der Hurtigruten

Das Schiff der Hurtigruten verlässt den Hafen von Hammerfest

Dann aber sind wir wirklich in Hammerfest. Schon gewusst? Wegen der Dunkelheit der langen Winternächte entstand hier 1891 eine der ersten Straßenbeleuchtungen. Am Kreisel fahren wir links, immer am Wasser entlang ins Zentrum. Heute ist Sonntag und entsprechend nichts los. Auch regnet es heftig. Nach einer Runde über den erstaunlich besuchten Wohnmobilstellplatz, der direkt in der Nähe des Ortes liegt, suchen wir uns einen Parkplatz für unser Reisemobil. Der Stellplatz sieht sehr gut aus. Die Wohnmobile stehen mit Blick aufs Wasser, es gibt Strom und eine großzügige Entsorgung. Auch eine Dusche soll es in der Nähe geben.

In Hammerfest liegt der Stellplatz in der Nähe des Hafens

Wohnmobilstellplatz in Hammerfest

Gemeinsam mit den Reisenden der Hurtigruten, deren Schiff in dieser Minute im Hafen angelegt hat, werfen wir einen Blick in die moderne Kirche mit dem hohen Glockenturm. Sie liegt ein wenig oberhalb des Stadtzentrums und ist architektonisch den traditionellen Trockengestellen für Fische nachempfunden. Gerade ist der Gottesdienst vorbei und die Vorbereitungen für eine Taufe laufen. Besonders schön sind die bunten Glasfenster und die farbige Einrichtung.

Kirche in Hammerfest

Die moderne Kirche ist architektonisch den Trockengestellen für Fische nachempfunden

Besuch im Wiederaufbaumuseum Hammerfest

Um die Ecke ist das Wiederaufbaumuseum für die Provinzen Finnmark und Nord-Troms. Es thematisiert die dramatischen Ereignisse des 2. Weltkrieges und Zwangsevakuierung, Zerstörung und Wiederaufbau hier im Norden von Norwegen eindrucksvoll und anschaulich. Der Besuch lohnt nicht nur bei Regen. Besonders die Ausstellungen zu den Ereignissen im und nach dem 2. Weltkrieg sind sehr gut aufbereitet. Das Schicksal der Bevölkerung steht im Mittelpunkt.

Finnmark während des Krieges

Ab 1941 wurde die Finnmark als strategisch wichtiges Gebiet angesehen. In keiner anderen Provinz waren so viele deutsche Soldaten stationiert wie hier. Die Orte der Region wurden deshalb durch die Alliierten regelmäßig bombardiert.

Evakuierung und Zerstörung

Aber es kam noch mehr. Am 28. Oktober 1944 befahl Adolf Hitler die Evakuierung der Zivilbevölkerung und Anwendung der „Taktik der verbrannten Erde“! Eine der Höhlen ist im Museum nachgebaut, in der sich die Menschen zu Ende des Krieges versteckten, als die Deutschen die große Evakuierung einleiteten. Etwa 25.000 Frauen, Männer und Kinder flüchteten in die Berge. Sie wollten ihr Land nicht verlassen und lebten dann unter schwierigsten Bedingungen und in ständiger Angst – viele starben.

Einfachste Bedingungen in einer der Höhlen

Die Menschen versteckten sich in Höhlen, um der Evakuierung zu entgehen

Originale Gegenstände und Möbel sind zu sehen. Sie wurden vergraben, um sie zu retten. Diese Gegenstände sprechen eine deutliche Sprache. Nur wenige Einwohner fanden nach dem Krieg ihr Eigentum wieder. Der Winter 1944/1945 bedeutete für die Region die totale Vernichtung. Im ganzen Norden hinterliess die deutsche Armee beim Rückzug vor den sowjetischen Soldaten nur Zerstörung. Häuser, Straßen, Brücken, Fähren, alles wurde dem Erdboden gleich gemacht. Auch Hammerfest wurde zwangsevakuiert und völlig zerstört, um den anrückenden Sowjetsoldaten keine Infrastruktur zu hinterlassen.

Schwieriger Wiederaufbau

Nach dem Krieg gab es in Norwegen 22.000 zerstörte Häuser. Vor allem die aus dem Norden Evakuierten waren Flüchtlinge im eigenen Land. Obwohl ihnen die Rückkehr verboten wurde, kehrten viele zurück in ihre Heimat. In Etappen ging dann von 1945 bis 1960 der Wiederaufbau voran. Überall fehlte Baumaterial. Besondere Herausforderung war die Bürokratie. Die Regierung wollte alles zentral steuern, was aber wohl nicht einfach war und auch auf Widerstand traf.

Ofen und Einrichtung in einer der Baracken

Blick in eine der Baracken, die in Hammerfest bis 1970 bewohnt wurden

Im Museum ist eine der Baracken nachgebaut, die bis 1970 in Hammerfest bewohnt wurde. Nur langsam ging der provisorische in einen langfristigen Wiederaufbau über.

Eine wichtige Rolle spielten die Distriktarchitekten. Sie arbeiteten unter schwierigen Bedingungen, auf engstem Raum, wo sie oft auch schliefen. Auch ein solches „provisorisches Büro“ ist aufgebaut. Die meisten Architekten waren jung, frisch ausgebildet und kamen von weit her, um zu helfen. Sie planten Häuser für tausende Menschen.

Bett und Arbeitsplatz

Die Architekten arbeiteten und wohnten auf engstem Raum

Die sozialistische Regierung setzte auf Gleichheit und gab für Hygiene und Einrichtung Standards vor. Die in dieser Zeit entstandenen Wiederaufbauhäuser wurden „wie von der Stange“, nach fast gleichen Plänen gebaut. Nicht immer kam dies bei der aus verschiedenen Kulturen zusammengesetzten Bevölkerung an, die Traditionen der Vergangenheit auch in ihren Häusern bewahren wollten.

Ausstellung im Wiederaufbaumuseum in Hammerfest

Die Wiederaufbauhäuser wurden alle nach dem gleichen Muster gebaut und eingerichtet

Das Museum ist wirklich gut gemacht. Die vielen Informationen sind anschaulich zum Fühlen und Erleben verarbeitet. Etwas besonderes ist es, dass der Besucher in die Räume und Häuser hinein gehen kann.

Vermessung der Welt

Auf einen Aufstieg über die Treppen in der Nähe auf den Hausberg von Hammerfest und zum Aussichtspunkt Salen verzichten wir. Der Regen ist einfach zu heftig. Bei gutem Wetter gibt es von oben einen herrlichen Blick auf die Stadt, den Hafen und das Meer. Mit dem Auto kann der Aussichtspunkt über Umwege ebenfalls erreicht werden, aber leider hat sich alles zugezogen. Den Eisbärenclub in der Touristeninformation lassen wir ebenfalls aus.

Aber die Meridiansäule im Vorort wollen wir doch noch sehen, die an die Vermessung des Erdballs erinnert.

Meridiansäule in Hammerfest

Der Struve Meridianbogen wurde durch Winkelmessung mit einer Kette von Dreiecken ermittelt. Ein Ende ist im Vorort von Hammerfest.

1844 wurden von Hammerfest im Norden bis zum Schwarzen Meer im Süden 2821.853 Meter der Erdball vermessen. Daraus wurde dann der Weltumfang berechnet. Der Deutschbalte Friedrich Georg Wilhelm Struve war im Auftrag von Russland für das große Projekt zuständig und damit von 1816 bis 1855 beschäftigt. Norwegen beteiligte sich ab 1845. Durch Winkelmessung mit einer Kette von Dreiecken wurde der Weltumfang ermittelt. Wirklich außergewöhnlich, was hier geleistet wurde. In der Finnmark gibt es vier Messpunkte des Projektes. Der Struve Meridianbogen wurde als erstes technisch-wissenschaftliches Objekt in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Heute ist leider Mistwetter, deshalb setzen wir unsere Wohnmobiltour durch Norwegen weiter in Richtung Alta fort. Es geht dafür zuerst zurück nach Skaidi und dann an einem Fluss entlang und über eine faszinierende Hochebene. Auf den Bergen liegt Schnee.

Die Straße zieht sich wie ein Band durch das Land

Hochebene zwischen Skaidi und Alta


Was wir am Tag vorher in Honningsvåg und auf der Landschaftsroute Havøysund erlebt haben, erfahrt Ihr hier.


Herzlichen Dank an die Verantwortlichen des Wiederaufbaumuseums für die Erlaubnis zu fotografieren.


Hin-Fahr-Tipp Norwegen mit Wohnmobil

Übernachtung Hammerfest

  • Wohnmobilstellplatz Hammerfest, Hammerfest Havn, Jernbanetrasken, 9615 Hammerfest
  • Wohnmobilstellplatz Forsøl, Langbuktveien 88, 9600 Hammerfest (Forsøl)

Roadtrip Nordkap und Skandinavien mit dem Wohnmobil

Teil 1: Vorbereitungen

Teil 2: Über Dänemark nach Schweden – Mit Fähre und Brücke

Teil 3: Südschweden – Ystad, Archäologische Highlights und schöne Landschaft

Teil 4: Nordschweden – Weltnaturerbe Höga Kusten, Stromschnellen und Kirchstadt

Teil 5: Finnland – Rund um Rovaniemi und Inari

Teil 6: Norwegen – Finnmark an der russischen Grenze

Teil 7: Norwegen – Varanger

Teil 8: Norwegen – Tana und Trollholmen

Teil 9: Norwegen – Nordkap und Mitternachtssonne

Teil 10: Norwegen – Honningsvåg und Landschaftsroute Havøysund


Ein Tag in Hammerfest, der nördlichsten Stadt der Welt. Besuch im Wiederaufbaumuseum, bei der Meridiansäule, Check Wohnmobilstellplatz #Norwegen #Wohnmobiltour #MuseumViel Spaß in der Finnmark, es ist eine wunderbare Region. Über Kommentare, Anregungen und Tipps für die nächste Fahrt freue ich mich sehr.