Hin-Fahren

wo es schön ist

Menü Schließen

Norwegen mit Wohnmobil 2: Erlebnisreicher Regentag in Hammerfest

Aktualisiert am 5. Juni 2020

Hammerfest ist ein weiterer Höhepunkt bei unserer Tour durch Norwegen mit Wohnmobil – nicht richtig schön, aber ein Erlebnis. In der Stadt erfahren wir im Wiederaufbaumuseum mehr über die Region Finnmark im Zweiten Weltkrieg und warum die Häuser hier inNord-Norwegen fast alle gleich aussehen. Einen Tipp für einen Wohnmobil-Stellplatz gibt es auch.

Mit dem Wohnmobil in Norwegen – Juni 2018

Nach den Erlebnissen und der Mitternachtssonne am Nordkap, unserem eindrucksvollen Abstecher auf der Landschaftsroute nach Havøysund und einer ruhigen Nacht auf einem Rastplatz direkt am Wasser an der R94 fahren wir mit unserem Camper entlang der norwegischen Küste nach Hammerfest.

Kastenwagen von Hin-Fahren am Nordmeer vor Hammerfest

Stellplatz unterwegs an der R94 nach Hammerfest

Hammerfest – interessante Stadt ganz im Norden von Norwegen

  • Wie mehrere Städte in der Finnmark, bezeichnet sich auch Hammerfest als die nördlichste Stadt der Welt.
  • Die Reiseroute ist einfach. Es führt nur eine gut ausgebaute und ausgeschilderte Straße zum Ziel, die wir dann mit dem Wohnmobil auch wieder zurückfahren müssen.

Interessiert Dich?  Momente für die Ewigkeit - Begegnungen mit Steinböcken und auf dem Pilgerweg

Gas und Industrie

Nach Ruhe und Einsamkeit im norwegischen Norden, ist das Industriegebiet vor Hammerfest eine richtige Überraschung.

Das riesige Versorgungsschiff Skandi Gamma, ist gerade vor Ort im Hafen und zieht mit seiner Größe, Form und durch seine rote Farbe unsere Blicke auf sich. Es ist wirklich gewaltig und fast 100 Meter lang.

Blick aus dem Wohnmobil in Hammerfest: Rotes Versorgungsschiff Skandi Gamma

Das Versorgungsschiff Skandi Gamma ist gerade in Hammerfest

  • Das Gas-Terminal auf der vorgelagerten Insel Melkøya ist groß und nimmt die ganze Fläche der Insel ein.
  • Laut meiner Internetrecherche ist es die größte Anlage dieser Art in Europa.
  • Hier wird das Gas des fünftgrößten norwegischen Gasfeldes zu Flüssiggas verarbeitet.
  • Es kommt über eine Pipeline an und wird dann später mit Schiffen weiter transportiert.
  • Die vorgelagerte Insel ist durch einen Tunnel unter dem Meer zu erreichen, erklärt uns später eine Einheimische.

Hammerfest, Wohnmobil-Stellplatz und Besichtigung

Hammerfest: Blick über die Dächer aufs Meer und das Schiff der Hurtigruten

Blick aus dem Museumsfenster in Hammerfest auf das Schiff der Hurtigruten

Dann aber sind wir wirklich am Tagesziel angekommen.

Schon gewusst? Wegen der Dunkelheit der langen Winternächte entstand in Hammerfest 1891 eine der ersten Straßenbeleuchtungen.

Am Kreisel fahren wir links, immer am Wasser entlang ins Zentrum. Heute ist Sonntag und entsprechend nichts los. Auch regnet es heftig.

Interessiert Dich?  Kasten mit Inhalt: Miriam und Andy und ihr Kastenwagen-Wohnmobil Megaclassic 600 von MegaMobil

Wohnmobil-Stellplatz Hammerfest

Nach einer Runde über den erstaunlich gut besuchten Wohnmobil-Stellplatz, der direkt in der Nähe des Ortes liegt, suchen wir uns einen alternativen Parkplatz für unser Reisemobil (Vorsicht: Alle Parkplätze im Ort sind gebührenpflichtig).

  • Der offizielle Wohnmobil-Stellplatz von Hammerfest sieht sehr gut aus.
  • Die Wohnmobile stehen mit Blick aufs Wasser.
  • Es gibt Strom und eine großzügige Entsorgung.
  • Auch eine Dusche soll es in der Nähe geben.
Norwegentour: In Hammerfest liegt der Wohnmobil-Stellplatz in der Nähe des Hafens

Mit Blick aufs Meer und direkt neben der Stadt: Wohnmobilstellplatz in Hammerfest

Sehenswert: Kirche Hammerfest

Gemeinsam mit den Reisenden der Hurtigruten, deren Schiff in dieser Minute im Hafen angelegt hat, werfen wir einen Blick in die moderne Kirche mit dem hohen Glockenturm.

  • Sie liegt ein wenig oberhalb des Stadtzentrums und ist architektonisch den traditionellen Trockengestellen für Fische nachempfunden, die wir unterwegs auch schon einmal gesehen haben.
  • Gerade ist der Gottesdienst vorbei und die Vorbereitungen für eine Taufe laufen.
  • Besonders schön sind die bunten Glasfenster und die farbige Einrichtung.
Blick ins Innere der Kirche in Hammerfest

Die moderne Kirche von Hammerfest ist architektonisch den Trockengestellen für Fische nachempfunden

Mein Tipp: Besuch im Wiederaufbaumuseum Hammerfest

Um die Ecke ist das Wiederaufbaumuseum für die Provinzen Finnmark und Nord-Troms.

  • Es thematisiert die dramatischen Ereignisse des 2. Weltkrieges und Zwangsevakuierung, Zerstörung und Wiederaufbau hier im Norden von Norwegen eindrucksvoll und anschaulich.
  • Der Besuch lohnt nicht nur bei Regen.
  • Besonders die Ausstellung zu den Ereignissen im und nach dem 2. Weltkrieg ist sehr gut aufbereitet.

Das Schicksal der Bevölkerung steht im Mittelpunkt.

Finnmark während des Zweiten Weltkrieges

Ab 1941 wurde die Finnmark von den deutschen Besatzern als strategisch wichtiges Gebiet angesehen.

In keiner anderen Provinz waren so viele deutsche Soldaten stationiert wie hier.

Die Orte der Region wurden deshalb durch die Alliierten regelmäßig bombardiert.

Evakuierung und Zerstörung in Nordnorwegen

Aber es kam noch mehr: Am 28. Oktober 1944 befahl Adolf Hitler die Evakuierung der Zivilbevölkerung aus der Finnmark und die Anwendung der „Taktik der verbrannten Erde“!

  • Doch die Bevölkerung widersetzte sich. Eine der Höhlen, in der sich die Menschen zu Ende des Krieges versteckten, als die Deutschen die große Evakuierung einleiteten, ist im Museum nachgebaut.
  • Hier wird besonders deutlich, unter welchen Bedingungen die Menschen lebten.
  • Etwa 25.000 Frauen, Männer und Kinder flüchteten in die Berge.
  • Sie wollten ihr Land nicht verlassen, nahmen schwierigste Bedingungen auf sich und litten unter ständiger Angst, Kälte und Hunger.
  • Viele Menschen in Nord-Norwegen starben.
Norwegen im Zweiten Weltkrieg: Einfachste Bedingungen in einer der Höhlen

Die Menschen der Region versteckten sich in Höhlen, um der Evakuierung zu entgehen

Der Winter 1944/1945 bedeutete für die Region Finnmark die totale Vernichtung.

Originale Gegenstände und Möbel, sind im Museum in Hammerfest zu sehen. Sie wurden vergraben, um sie zu retten. Diese Gegenstände sprechen eine deutliche Sprache. Nur wenige Einwohner fanden nach dem Krieg ihr Eigentum wieder.


  • Im ganzen Norden von Norwegen hinterließ die deutsche Armee beim Rückzug vor den sowjetischen Soldaten nur Zerstörung.
  • Häuser, Straßen, Brücken, Fähren, alles wurde dem Erdboden gleich gemacht.
  • Auch Hammerfest wurde zwangsevakuiert und völlig zerstört, um den anrückenden Sowjetsoldaten keine Infrastruktur zu hinterlassen.

Finnmark: Schwieriger Wiederaufbau nach dem Krieg prägt das Land
  • Doch auch nach Kriegsende blieb die Situation schwierig.
  • Nach dem Krieg gab es in Norwegen 22.000 zerstörte Häuser.
  • Vor allem die aus dem Norden Evakuierten waren Flüchtlinge im eigenen Land.
  • Obwohl ihnen die Rückkehr verboten wurde, kehrten viele zurück in ihre Heimat.
  • In Etappen ging dann langsam von 1945 bis 1960 der Wiederaufbau voran.
  • Überall fehlte Baumaterial.
  • Besondere Herausforderung für den Wiederaufbau in Nord-Norwegen war die Bürokratie.
  • Die Regierung von Norwegen wollte den kompletten Aufbau zentral steuern, was aber wohl nicht einfach war und auch auf heftigen Widerstand der gemischten Bevölkerung der Finnmark traf.
Museum Hammerfest: Ofen und Einrichtung in einer der Baracken

Blick in eine der Baracken, die in Hammerfest bis 1970 bewohnt wurden

Im Wiederaufbaumuseum ist eine der Baracken nachgebaut, die bis 1970 bewohnt wurde. So bekommen wir ein Bild vom Leben der Bevölkerung. Immer wieder fallen uns später in Hammerfest und den anderen Orten in Nordnorwegen Gebäude auf, die nach ihrer Form früher solche Baracken gewesen sein könnten.

Interessiert Dich?  Ausgewählte Ziele für Deinen Urlaub mit Wohnmobil in den Sommerferien

Eine wichtige Rolle in dieser Zeit spielten die Distriktarchitekten. Sie arbeiteten unter schwierigen Bedingungen und auf engstem Raum. Dort schliefen sie ebenfalls. Auch ein solches „provisorisches Büro“ ist im Museum in Hammerfest aufgebaut. Die meisten Architekten waren jung, frisch ausgebildet und kamen von weit her, um in der Finnmark zu helfen.

Sie planten Häuser für tausende Menschen.

Museum Hammerfest: Bett und Arbeitsplatz der Architekten der Wiederaufbauhäuser

Ausstellung im Museum Hammerfest: Die Architekten arbeiteten und wohnten auf engstem Raum

  • Die sozialistische Regierung setzte auf Gleichheit und gab für Hygiene und Einrichtung Standards vor.
  • Die in dieser Zeit entstandenen „Wiederaufbauhäuser“ wurden „wie von der Stange“ und nach fast gleichen Plänen gebaut.
  • Nicht immer kam dies bei der aus verschiedenen Kulturen zusammengesetzten Bevölkerung der Finnmark an. Menschen mit norwegischen, finnischen und lappischen Wurzeln, hatten verschiedene Bedürfnisse. Traditionen der Vergangenheit sollten auch in ihren Häusern bewahrt werden.
Ausstellung im Wiederaufbaumuseum in Hammerfest

Geschichte zum Anfassen: Die Wiederaufbauhäuser wurden alle nach dem gleichen Muster gebaut und eingerichtet

Das Wiederaufbaumuseum ist wirklich gut gemacht. Die vielen Informationen sind anschaulich zum Fühlen und Erleben verarbeitet. Etwas besonderes ist es, dass Besucher in die Räume und Häuser hinein gehen können.

Vermessung der Welt am Struve Meridianbogen

Auf einen Aufstieg über die Treppen in der Nähe auf den Hausberg von Hammerfest und zum Aussichtspunkt Salen verzichten wir. Der Regen ist einfach zu heftig. Bei gutem Wetter gibt es von oben einen herrlichen Blick auf die Stadt, den Hafen und das Meer. Mit dem Auto kann der Aussichtspunkt über Umwege ebenfalls erreicht werden, aber leider hat sich alles zugezogen. Den Eisbärenclub in der Touristeninformation lassen wir ebenfalls aus.

Aber die Meridiansäule im Vorort Forsøl wollen wir doch noch sehen, die an die Vermessung des Erdballs erinnert.

Erinnerung an Leistung Norwegens bei der Vermessung der Welt: Meridiansäule in Hammerfest

Der Struve Meridianbogen wurde durch Winkelmessung mit einer Kette von Dreiecken ermittelt. Ein Ende ist im Vorort von Hammerfest.

  • 1844 wurde von Hammerfest im Norden bis zum Schwarzen Meer im Süden (2821.853 Meter) der Erdball vermessen.
  • Daraus wurde dann der Weltumfang berechnet.
  • Der Deutschbalte Friedrich Georg Wilhelm Struve war im Auftrag von Russland für das große Projekt zuständig und damit von 1816 bis 1855 beschäftigt.
  • Norwegen beteiligte sich ab 1845.
  • Durch Winkelmessung mit einer Kette von Dreiecken, wurde der Weltumfang ermittelt, steht auf der Informationstafel vor Ort. Wirklich außergewöhnlich, was hier geleistet wurde.
  • In der Finnmark gibt es vier Messpunkte des Projektes, erfahren wir. Am bekanntesten ist die Säule in Hammerfest.
  • Der Struve Meridianbogen wurde als erstes technisch-wissenschaftliches Objekt in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Heute ist leider wirkliches „Mistwetter“, deshalb setzen wir unsere Wohnmobiltour durch Norwegen weiter in Richtung Alta fort. Es geht dafür zuerst zurück nach Skaidi, dann an einem Fluss entlang und weiter über eine faszinierende Hochebene. Auf den Bergen liegt auch jetzt im Juni Schnee.

Die Straße durch Norwegen zieht sich wie ein Band durch das Land

Fahrt durch Norwegen mit Wohnmobil auf der Hochebene zwischen Skaidi und Alta


Was wir am Tag vorher in Honningsvåg und auf der Landschaftsroute Havøysund erlebt haben, erfährst Du hier. Weiter geht unsere Fahrt nach Alta, wo wir die Felsritzungen besichtigen, die zum Weltkulturerbe gehören. Auch einen Tipp für einen Übernachtungsplatz mit dem Wohnmobil gibt es dazu.


Herzlichen Dank an die Verantwortlichen des Wiederaufbaumuseums für den freundlichen Empfang und die Erlaubnis zu fotografieren.


Hin-Fahr-Tipp Norwegen mit Wohnmobil

Besichtigung Hammerfest

  • Kirche: Kirkegata 21, 9600 Hammerefest. Informationen auf der Seite des Fremdenverkehrsamtes.
  • Wiederaufbaumuseum: Kirkegata, 9600 Hammerefest. Wiederaufbaumuseum auf nordnorge.com
  • Ausführliche Tipps zu Aktivitäten, Sehenswürdigkeiten und Essen & Trinken und tolle Fotos gibt es auf der Homepage des Fremdenverkehrsbüros Hammerfest

Übernachtung Hammerfest mit Wohnmobil

  • Wohnmobil-Stellplatz Hammerfest, Hammerfest Havn, Jernbanetrasken, 9615 Hammerfest
  • Wohnmobil-Stellplatz Forsøl, Langbuktveien 88, 9600 Hammerfest (Forsøl)

RUNDREISE NORDKAP & NORWEGEN MIT WOHNMOBIL


Rundfahrt durch Norwegen mit Wohnmobil: Ein Tag in Hammerfest, der nördlichsten Stadt der Welt. Besuch im Wiederaufbaumuseum, bei der Meridiansäule, Check Wohnmobilstellplatz #Norwegen #hinfahren #Wohnmobiltour #MuseumViel Spaß in der Finnmark, es ist eine wunderbare Region. Inzwischen wird im Hafen von Hammerfest auch immer wieder ein Beluga gesehen. Unsere nächste Fahrt nach Norwegen führt sicher wieder in die Finnmark. Ich hoffe, dann den Wal vom Wohnmobil-Stellplatz aus zu sehen.

Gefällt Dir dieser Beitrag?

5/5 (9 Bewertungen)

Du bist der Erste, der eine Bewertung abgibt

Katja
Folge mir