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Skandinavien-Tour: Tiefer Blick in die Vergangenheit – Weltkulturerbe Felsritzungen Alta

Wir besuchen das Alta Museum in Nordnorwegen und die einmaligen Felsritzungen Alta, die zum Weltkulturerbe gehören. Es ist ein weiterer Höhepunkt unserer Reise durch Norwegen. Die Kunst der Bewohner der Jungsteinzeit und Bronzezeit rund um den Altafjord bietet einen tiefen Blick in das Leben der Vergangenheit. Dies ist Teil 12 unserer Skandinavien-Tour. Dazu gibt es  Tipps für einen Übernachtungsplatz mit dem Reisemobil.

MIT DEM WOHNMOBIL IN NORWEGEN ENTLANG DER KÜSTE NACH SÜDEN – JUNI 2018

Nach den Erlebnissen und der Mitternachtssonne am Nordkap, der arktischen Landschaftsroute Havøysund, dem spannenden Besuch des Wiederaufbaumuseums in Hammerfest und einer sehr abwechslungsreichen Fahrt durch Nordnorwegen erreichen wir Alta.

Unser Reiseziel – Weltkulturerbe Alta

Alta stand seit Beginn der Reiseplanungen auf meiner Liste der Orte, die ich in Norwegen unbedingt besuchen wollte. Denn die hier gefundenen jungsteinzeitlichen und bronzezeitlichen Felsritzungen sind etwas ganz besonderes. In der Region um Alta wurde mehr Felskunst von Jägern und Sammlern hergestellt, als sonst in Nord-Europa.

Wohnmobil Norwegen: Bei diesen Felsritzungen Alta sind Elche, Rentiere und Jäger gut zu erkennen

Hier ist ganz schön was los: Ein Fels mit Elchen, Elchjagd, Schiffen mit Jägern und Fischern

Etwa 6.000 Figuren haben Einheimische und Forscher bisher entdeckt. Sie sind von hervorragender Qualität. Deshalb gehören die Felsritzungen und Felsmalereien in Alta auch seit 1985 zum Weltkulturerbe. Hier gibt es vier Plätze mit in den Stein geschlagenen Felsritzungen (Hjemmeluft, Kåfjord, Amtmannsnes and Storsteinen) und einen Platz mit Felsmalereien (Transfarelv). Alle liegen unter freiem Himmel am Ende des Fjordes. Ein Teil kann besichtigt werden. Ausgangspunkt ist das Alta Museum. Es liegt an der größten Konzentration von Felsritzungen (Hjemmeluft). Hier gibt es über 3.000 Figuren. Im Winter sind die Felsen mit den Bildern allerdings mit einer dicken Schneeschicht bedeckt und nur das Museum ist geöffnet.

Wohnmobil Norwegen: Altes Fischerboot am Altafjord

Direkt am Ufer des Altafjord wurden die Felsritzungen entdeckt

Alta ist aber auch die größte Kommune in der Finnmark und wichtig für die Versorgung der Region. Tankstellen, Einkaufsmöglichkeiten und auch eine Gastankstelle sind in der 1704 von Finnen gegründeten Stadt vorhanden. Dazu gibt es in der Region noch mehrere Campingplätze. Vom Nordkap liegt Alta 230 Kilometer entfernt. Außer man fährt so viele Umwege wie wir.

Moderne Nordlichtkathedrale

Es regnet heftig. Unser Navi führt uns direkt ins Zentrum. Sehr große Parkplätze gibt es hier. Sie sind auch für größere Wohnmobile geeignet. Da Alta im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört wurde, prägen sehr moderne Bauten das Stadtbild. Für uns ist allerdings überhaupt nicht erkennbar, wo sich der Stadtkern genau befindet. Deshalb beginnen wir etwas ratlos unsere Besichtigung.

Bei unserer Wohnmobiltour Norwegen besuchen wir die Nordlichtkathedrale Alta

Die Nordlichtkathedrale Alta

Eines der modernen Gebäude ist die 2011 bis 2013 erbaute Nordlichtkathedrale. Sie besteht komplett aus Beton und ist mit Titanplatten verkleidet. Das gibt dem Gebäude einen besonderen Schimmer. Durch den Regen und den trüben Tag verschmilzt die Kirche fast mit dem grauen Himmel. Die Innenausstattung wurde von einem dänischen Künstler geschaffen. Leuchtdioden beleuchten zahlreiche vertikale Leisten, was der Kirche eine besondere Stimmung verleiht. Leider können wir dies nur auf den Fotos im Reiseführer bewundern. Denn die Nordlichtkathedrale hat zu. Das ist sehr schade. Der Bau sieht super spannend aus.

Museum und Felsritzungen Alta

Nach einem kurzen Spaziergang um die Häuser, beschließen wir enttäuscht zum Museum zu fahren. Da kann man auch übernachten, sagt unsere App. Noch besser, das Alta Museum hat sogar noch auf. Ab heute ist bis 20 Uhr geöffnet, erfahren wir am Empfang. Damit haben wir gar nicht gerechnet. Da haben wir ja echt Glück gehabt. Es regnet leicht. Der Wetterbericht gibt an, dass es am nächsten Tag noch mehr regnen wird. Deshalb wollen wir uns zuerst die Felsbilder im Freien anschauen und später oder am nächsten Tag das Museum besichtigen.

Wohnmobiltour Norwegen: Steg, Picknickplatz und Blick auf den Altafjord

Ein Bohlenweg führt zu den verschiedenen Feldern mit Felsritzungen

Grandioser SPAZIERGANG DURCH DIE VERGANGENHEIT

Mit einem kleinen Heft ausgestattet, machen wir uns auf Entdeckungsreise zu den Steinzeitbildern. Es gibt auch einen Audio-Guide. Andere Besucher mit denen wir ins Gespräch kommen, finden ihn sehr gut. Wir wollen die Bilder aber lieber alleine suchen. Die ausgeschilderten Rundtouren dauern 45 Minuten (1,2 Kilometer) oder 90 Minuten (3 Kilometer). Der Weg führt auf Holzbohlen durch die Küstenlandschaft und ein kleines Wäldchen. Nach einem kurzen Fußmarsch über gute Wege und Stege im Außengelände des Museums haben wir den ersten Felsen erreicht.

Wohnmobil Norwegen: In den Felsen geritztes Rentier

Auch ohne Farbe treten die Felsritzungen im leicht dämmrigen Licht aus dem Felsen hervor

Es dauert ein wenig, bis wir das Rentier entdecken, das hier in den Stein gepickelt wurde. Das Licht – der Himmel ist bewölkt – und der Regen machen es nicht leichter. Dann aber haben wir uns “eingeschaut” und entdecken immer mehr Rentiere, Elche, Bären, Menschen, Boote, mystische Symbole und andere Szenen.

Wohnmobil Norwegen: Die Bilder beschreiben verschiedene Jagdmethoden

Die wilden Rentiere wurden mit verschiedenen Methoden bejagt. Links ist die Rentierjagd mit Hilfe eines Zauns zu sehen

Kunst aus der Steinzeit

Die Felsritzungen wurden auf blanke und glatt gescheuerte Felsen direkt in Strandnähe eingemeißelt und eingeschlagen. Natürliche Farben und Strukturen der großen Steine sind dabei mit einbezogen, so wie wir dies auch von Höhlenmalereien kennen. Wegen der Landhebungen nach der Eiszeit entstanden die Bilder an verschiedenen Stellen. Die Ältesten liegen am höchsten. Gerade sie sind von sehr guter Qualität und detailliert ausgeführt. Von 5.000 vor Christus bis in die Zeit um Christi Geburt waren die Menschen der Region hier künstlerisch aktiv.

Wohnmobiltour Norwegen: Zeittafel zu den Felsritzungen Alta im Museum

Infotafel im Museum: Die Felsritzungen sind zu verschiedenen Zeiten entstanden

Bei einem Spaziergang über in die Landschaft gebaute Stege gelangen Besucher bequem von Stein zu Stein. Nach dem Fund wurden die Linien der Figuren auf den Steinen rot eingefärbt. Dadurch sind sie auch für das ungeschulte Auge gut zu sehen. Inzwischen wurde die Farbe bei vielen Bildern wieder entfernt, um ihre ursprüngliche Wirkung zu reproduzieren. So sind, je nach Lichteinfall und Schatten, einige der Bilder mal mehr und mal weniger gut zu sehen. Wir müssen öfter an die Seite treten oder die Felsen aus einem anderen Winkel betrachten. Manche Szenen sind für uns unsichtbar, andere fallen sehr gut ins Auge. Aber keine Sorge, auf einigen Felsen sind die Bilder noch rot hervorgehoben. Und auch die ohne Farbe sind gut beschrieben.

Rentierjagden, Alltag und Kult

Immer mehr Szenen entdecken wir auf den Felsen. Sie stammen aus verschiedenen Zeiten und haben eine unterschiedliche Qualität. Die Jagd auf Rentiere, Elche und Bären wird vor unseren Augen lebendig. Auf einem anderen Felsen sehen wir beim Walfang zu, beobachten beim Fischen und zählen Boote. Manchmal sind es regelrechte Bildergeschichten, die auf dem Stein stehen. Ein anderes mal sind es einfach Figuren nebeneinander gestellt. Die ältesten Felsbilder erfreuen durch ihre vielen Details. Hier ist ein Netz zu erkennen, da eine Fußspur. Bei den jüngeren Ritzungen fällt die Deutung nicht mehr so leicht. Es sind weniger Alltagsszenen, dafür vielleicht Geschichten oder Rituale.

Wohnmobil Norwegen: Ein Jäger auf der Rentierjagd

Rentierjagd mit Pfeil und Bogen

Früher lagen die Felszeichnungen in Alta direkt am Wasserrand, wahrscheinlich waren sie sogar manchmal von den Wellen umspült. Heute liegen sie acht bis 25 Meter über dem Meeresspiegel. Dadurch ist der Spaziergang sehr abwechslungsreich. Auch die Lage am Fjord mit schönen Ausblicken macht die Besichtigung zu etwas besonderem. Durch den Regen und die Wolken herrscht eine eigene Stimmung.

Mit dem Wohnmobil nach Norwegen: Altafjord

Blick auf den Altafjord und glatte Felsen am Ufer, die gerne für Felsritzungen verwendet wurden

Ausstellung und Café im Museum

Die Ausstellung zu den Felsbildern in dem kleinen Museum wurde völlig neu aufbereitet und präsentiert. Gerade in der letzten Woche eröffnet, ist sie sehr informativ und abwechslungsreich. Neben multimedialen Erklärungen und Erläuterungen zu den Felsritzungen, gibt es Informationen über die Kultur der Samen. Dies sind Vitrinen zu in der Region gefundenen Schätzen, Schamanen, heiligen Trommeln, Markttreiben und Opferstätten der Sami.

Wohnmobiltour Norwegen: Figuren von Fischer und Jäger von den Felsritzungen

Kopie eines Bootes von den Felsritzungen

Zum Museum gehört auch ein Café. Dieses ist sehr schön eingerichtet. Noch lange sitzen wir hier bei leckerem Kuchen und einem phantastischen Blick auf die Bucht und die Felsen mit der Kunst der großen Jäger. Eine junge Deutsche arbeitet im Sommer hier im Museum. Im langen Gespräch mit ihr, bekommen wir noch einmal andere Eindrücke vom Leben im Norden von Norwegen.

Wohnmobiltour Norwegen: Blick auf den Altafjord aus dem Museumscafé

Der schönste Blick in Alta: Café im Museum

Wohnmobilstellplatz Museum Alta

Toll, dass hier am Museum das Übernachten mit dem Wohnmobil erlaubt ist. Allerdings sind Keile notwendig, denn das Gelände ist ziemlich schief. Auch Sport treibende aus der Region starten hier am Abend ihre Aktivitäten. Voller Eindrücke parken wir unseren Kastenwagen noch einmal um und stehen „relativ gerade“. Ausser unserem Fahrzeug gibt es noch andere Wohnmobile. Neben uns steht ein Franzose, der schon viele Jahre in die Region zum Angeln kommt. Andere Camper haben den Platz ebenfalls gezielt angefahren, um die Kunst der Vergangenheit zu sehen.


Danke an die Verantwortlichen des Museums für die Erlaubnis im Innen- und im Außenbereich zu fotografieren.


Wohnmobiltour Norwegen: Felsritzungen Alta - Weltkulturerbe #Wohnmobil #Archäologie #Steinzeit #Bronzezeit

HIN-FAHR-TIPPs NORWEGEN MIT WOHNMOBIL

Nordlichtkathedrale Alta

Mehr Informationen zu Alta

Museum und Felsritzungen Alta

Übernachtung mit Wohnmobil Alta

ROADTRIP NORDKAP UND SKANDINAVIEN MIT DEM WOHNMOBIL

  1. Vorbereitungen
  2. Über Dänemark nach Schweden – Mit Fähre und Brücke
  3. Südschweden – Ystad, Archäologische Highlights und schöne Landschaft
  4. Nordschweden – Weltnaturerbe Höga Kusten, Stromschnellen und Kirchstadt
  5. Durch Finnland – Rund um Rovaniemi und Inari und Museum Arktikum in Rovaniemi
  6. Endlich in Norwegen – Finnmark an der russischen Grenze
  7. Highlight Norwegen – Varanger
  8. Unterwegs in Nordnorwegen – Tana und Trollholmen
  9. Am Ziel – Nordkap und Mitternachtssonne
  10. Arktisches Norwegen – Honningsvåg und Landschaftsroute Havøysund
  11. Norwegens nördlichste Stadt – Hammerfest

Felsritzungen gibt es übrigens auch an anderen Stellen in Norwegen, wie in Hell oder in der Nähe von Lillehammer. In Südschweden sind unbedingt die Felsritzungen aus der Bronzezeit bei Tanum eine Besichtigung wert. Sie sind etwa 3.000 Jahre alt und liegen nicht weit weg von der Autobahn. Etwas ganz Außergewöhnliches sind dagegen die prähistorische Felsritzungen im Vale do Côa in Portugal. Einige von ihnen sind bereits 25.000 Jahre alt, also weit älter als die Felskunst von Alta. Viele der Bilder dort sind wohl in der gleichen Zeit entstanden wie die Höhlenmalereien von Lascaux im Perigord oder Altamira in Nordspanien und sind auch älter als die Malereien im südfranzösischen Niaux.


Ich freue mich über Eure Eindrücke zu den Felsritzungen und zur Nordlichtkathedrale. Vielleicht habt Ihr ja noch einen Tipp, was man sonst noch in der Region unternehmen kann. Schreibt mir doch einen Kommentar dazu.