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Südfrankreichtour: Besuch der Höhlenmalereien in Niaux

Wir machen einen Abstecher in die Pyrenäen nach Niaux. Knapp eine Autostunde von Toulouse entfernt, gibt es die Möglichkeit in der Grotte von Niaux originale Höhlenmalereien aus dem Paläolithikum zu sehen. Etwa 14.000 Jahre alt sind die ältesten hier entdeckten Malereien unserer Vorfahren. Bisons, Pferde, Hirsche und Steinböcke sind für die Ewigkeit festgehalten.

Abenteuer Höhlenbesuch

Schild an der Grotte de Niaux

Beschilderung am Besucherzentrum

Unbedingt Karten vorbestellen

Schon das Bestellen der Tickets ist ein Abenteuer, denn bei der auf der Homepage angegebenen Telefonnummer läuft ein Band, auf Französisch und Englisch, und weist auf den Bestellvorgang per Internetportal hin. Ob wir das wohl von unterwegs hinbekommen? Ja es geht. Sogar mit dem Handy gelingt es uns die richtige Seite anzuwählen, eine passende Führung am nächsten Tag herauszusuchen (gleich die erste am Tag) und die Bestellung, bei der gleich mit Kreditkarte bezahlt wird, im Portal abzuschließen.

Portal für die Bestellung der Eintrittskarten

Die Bestellung der Tickets erfolgt online unter https://sites-touristiques-ariege.oxygeno.fr/?lang=EN

Jetzt in der Vorsaison sind nur wenige englischsprachige Führungen im Angebot, deshalb nehmen wir Französisch. Natürlich können wir die dann per Mail zugeschickten Tickets nicht ausdrucken. Zur Sicherheit laden wir sie aufs Handy. Dies wäre nicht notwendig gewesen, unsere Namen stehen auf der Besucherliste.

Natürlich können Sie auch auf gut Glück zur Höhle hinauf fahren. Allerdings ist der Empfang nur zwischen den Führungen besetzt, die etwa 90 Minuten dauern. Und zum Schutz der Bilder ist die Anzahl der Besucher reglementiert, um das Mikroklima der Höhle nicht zu sehr ins Ungleichgewicht zu bringen. Anders als in Lascaux oder Altamira können in Niaux die Bilder ja direkt in der Höhle besichtigt werden und nicht in einer Kopie.

Anfahrt zur Höhle von Niaux

 

In schneller Fahrt nähern wir uns über die Autobahn und gut ausgebaute Landstraßen unserem Ziel und fahren immer weiter in die Berge hinein. Hinter Foix wird die Höhle bereits mit den charakteristischen braunen Schildern angekündigt. Die letzten Kilometer ziehen sich dann doch und wir sind froh, dass wir uns entschieden haben zur Sicherheit bereits am Abend die Anfahrt anzugehen und in der Nähe zu übernachten. Direkt unterhalb der Höhle finden wir einen schönen Campingplatz. Von hieraus können wir den Höhleneingang sogar sehen.

Das große Abri am neuen Höhleneingang der Grotte de Niaux ist gut zu erkennen.

Blick auf die Höhle von Niaux

In Niaux ist die Zufahrt zur Grotte de Niaux gut ausgeschildert. Eine enge Straße führt den Berg hinauf. Auf dem ersten Stück müssen wir sogar mit unserem kleinen Kastenwagen ein ganzes Stück wieder zurücksetzen, als uns andere Fahrzeuge entgegenkommen, denn hier ist ein Ausweichen nicht möglich. Nach den ersten 500 Metern ist es dann wieder besser, aber besonders mit größeren Fahrzeugen ist vorausschauende Fahren und rechtzeitiges Anhalten angesagt. Planen Sie deshalb sicherheitshalber ein wenig mehr Zeit ein.

Die Zufahrt zur Höhle von Niaux geht steil den Berg hinauf und an mächtigen Felsen vorbei.

Die Zufahrt führt an steilen Felsen vorbei

Nach Passieren des Tors wird die Straße noch gewundener, scharfkantige kleine Steinbrocken liegen an einigen Stellen und nur ein kleines Mäuerchen trennt uns vom Abgrund. Schön hier, aber leider ist Anhalten verboten. Mit Schwung nehmen wir die letzte Kurve und haben unser Ziel erreicht.

Geparkt wird vor dem Höhleneingang in einem eindrucksvollen Abri. Die Ausmaße sind gigantisch, 55 Meter hoch und 50 Meter lang ist dieses Dach aus Felsen. Rund um unser Fahrzeug und vor allem darüber ist Gestein.

Blick vom Höhleneingang ins Freie und auf die geparkten Autos

Die Autos der Besucher parken in einem großen Abri.

Also mustern wir vorsichtig den Boden und halten nach abgesplitterten Felsen Ausschau, um später keine Überraschung mit Dachfenstern und Solarfeld zu erleben. Keine Sorge, hier parken jeden Tag sehr viele Autos und wir haben nichts bemerkt. Ein ganz besonderes Gefühl ist es aber doch.

Besuch der Höhle

Ganz gespannt findet sich kurz vor Beginn der Führung eine bunte Truppe aus verschiedenen Nationen zusammen. Auch zwei Familien mit kleineren Kindern sind dabei. Nur fünf Minuten wird auf ein Paar gewartet, das noch angemeldet ist, dann geht es ohne diese los.

Rote Lampen für die Besucher

Die Höhle ist nicht elektrifiziert. Jeder Besucher bekommt eine Lampe

Jeder erhält eine Grubenlampe, denn die Höhle ist nicht extra beleuchtet. Auch dies ist eine Schutzmaßnahme, denn durch die Lampen würde Wärme erzeugt und Pilze und Pflanzen könnten sich am Licht ansammeln und vermehren.

An einer Tafel mit dem Höhlengrundriss erklärt Führerin Miriam, was uns bevorsteht und die wichtigsten Regeln für den Besuch. Fotografieren ist verboten (wie gut, dass ich über die Presseabteilung der Region einige schöne Fotos für die Bebilderung bekommen habe) und die Höhlenwände dürfen nicht berührt werden.

Plan der Grotte de Niaux mit Angabe der Standorte der Malereien

Der Plan der Grotte hängt vor dem Eingang

Etwa 30 Minuten werden wir durch die große Galerie zu den ersten Bildern unterwegs sein, die rund 600 Meter vom Eingang entfernt sind. Von dort sind es dann noch 200 Meter bis zum Ziel der Tour. Das weitere Vordringen in das weitverzweigte Höhlensystem ist für Besucher nicht möglich.

Hinein in die Dunkelheit

Eingang zur Grotte de Niaux

Der neue Höhleneingang wurde künstlich geschaffen.

Nach zwei Stahltüren und einem künstlich angelegten Gang stehen wir nach kurzem Weg in der Nähe des ursprünglichen Eingangs der Höhle. Von hieraus gehen wir genau den Weg, den auch die Künstler der Vorzeit im Dunkeln zurückgelegt haben. Dabei sehen wir ein wenig mehr, aber die Dimensionen und Wunder der Höhle erschließen sich nur langsam und zufällig im Licht der kleinen Handlampen, und meine ist nicht so richtig stark.

Aufmerksamkeit ist nötig, der Boden ist extrem uneben und Gefahrenstellen wegen der geringen Beleuchtung schwer zu erkennen. Nur an wenigen Stellen ist der Boden gesichert und es gibt Geländer. Außerdem zieht es den Blick immer wieder weg vom Boden und wir alle schauen mit staunenden Augen um uns auf die Wunderwelt um uns herum. Wir sind in einem alten Flusslauf unterwegs, immer wieder geht es durch Pfützen und um Tümpel herum. Plötzlich tut es einen Schlag. Einer aus unserer Gruppe ist gestürzt und dabei ist auch die Lampe auf den Boden gefallen. Doch es bleibt bei einem Schreck. Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert. Bitte vorsichtig und aufmerksam bleiben, warnt unsere Begleiterin.

Erster Stopp ist ein „Loch“ im Boden, das die ersten Erforscher zur Kontrolle angelegt haben. In diesem Teil der Höhle sind Wände und Boden dick mit Kalk überzogen. Wie dick diese Schicht ist, wollten die Experten wissen. Sehr dick, falls es hier Wandmalereien gegeben hätte, liegen diese unerkannt darunter. Immer wieder bezieht Miriam die Gruppe mit ein und findet für die Kinder Parallelen zur heutigen Zeit. Auch die Fragen aus der Gruppe beantwortet sie geduldig, spannend und ausführlich.

Echte Höhlenmalereien

Nicht nur die Steinzeitmenschen haben sich an den Felswänden verewigt, stellen wir beim weiteren Eindringen in die Tiefen der Grotte fest. In der großen Galerie finden sich Graffiti von Besuchern aus den letzten Jahrhunderten. Das Älteste stammt von 1602. Ab dem 17. Jahrhundert wurde die Höhle regelmäßig besucht. Mit dem Bädertourismus in einem Kurort in der Nähe, stieg auch die Anzahl der Besucher in Niaux.

Aber die Bedeutung der Malereien aus der Urzeit wurde nicht entdeckt. Das geschah wohl erst 1906, als Captain Molar gemeinsam mit seinen Söhnen eine Vermessung durchführte. Er verständigte die Spezialisten dieser Zeit Abbé Henri Breuil und Émile Cartailhac (Professor an der Universität von Toulouse), die den Fund genau untersuchten und kurz darauf publizierten. 1925 wurden in einer kleinen Galerie weitere Malereien entdeckt. Erst sehr viel später und viel tiefer im Erdinneren fand man gut erhaltene menschliche Fußspuren.

Höhlenmalereien von Zeichen in der Grotte de Niaux

Geometrische Zeichen aus der Steinzeit. Links oben ist Graffiti aus jüngerer Zeit gut zu erkennen (Bildrechte Sites touristiques Ariege)

Nach einer Engstelle und ein paar Stufen erreichen wir die Tafel der Zeichen – gruppierte geometrische Figuren, Linien und Punkte. Erst langsam bekommen wir einen Blick dafür. Ihre Bedeutung ist nach wie vor unklar. Diese Relikte finden sich an verschiedensten Stellen der Höhle. Ihr Zweck ist nach wie vor unklar. Aber eine religiöse Deutung ist angedacht.

Schwarzer Salon voller Wunder

Nur ein kurzes Stück weiter haben wir unser Ziel erreicht. Den schwarzen Salon oder „Salon Noir“. In diesem sehr hohen „Raum“ finden sich 85 Prozent der Höhlenmalereien von Niaux, mehr als 70 Bisons, Pferde, Steinböcke und Hirsche. Vor dem Betreten müssen wir unsere Lampen ablegen. So soll die in den Bereich eingebrachte Wärme weiter reduziert werden. Der Salon ist riesig, etwa 45 Meter hoch. Hier herrscht auch eine gute Akustik, was wir mit singen und rufen testen. Alle sind damit einverstanden, dass das Licht für einen Moment ganz ausgemacht wird. Erst ist es ein mulmiges Gefühl, denn es ist wirklich dunkel, wir sehen nichts. So müssen sich die Steinzeitmenschen gefühlt haben, verstehen wir.

Besuchergruppe vor den Malereien

Führer erklärt den Besuchern die Höhlenmalereien (Bildrechte sites touristiques ariege)

Die Lampe brennt wieder und das erste Tier ist auf dem Felsen vor uns erkennbar. Miriam leuchtet uns und auch ein Geländer bietet Orientierung. Zwei Pferde werden plastisch, sehr detailliert sind Mähnen und Köpfe gearbeitet. Daneben sind Kopf und Hörner eines mächtigen Bisons zu sehen. Geduldig leuchtet Miriam die Konturen ab, wechselt die Lampe und den Winkel und immer mehr Tiere erscheinen. Bei den Bildern haben die damaligen Künstler auch den Felsen mit einbezogen, der Steinbock, den wir nun entdecken, scheint auf einem Felsen zu stehen. Eine Wölbung im Felsen wurde für die breite Brust eines weiteren Bisons verwendet. Schwarze und rote Pfeile stecken in ihm.

Malerei eines Bison in der Grotte de Niaux

Einer der Bisons ist von mehreren Pfeilen durchbohrt (Bildrechte Sites touristiques Ariege)

Auf den Spuren der Künstler

Dann wechselt unsere Begleiterin die Lampe und ahmt das flackernde Licht der Fackeln nach. Die Höhlenmaler hatten noch weniger Licht als wir in diesem Moment und mussten beim Betreten der Dunkelheit genau planen, wie sie mit ihrem Licht haushalten. Sie konnten ja keine Lampe an und ausschalten, so wie wir. Was hat wohl die Menschen des Magdalenien, dazu bewogen, in das Erdinnere vorzudringen und die Wände zu bemalen? Wir können es nur erahnen. Eins ist sicher, sie haben mutig einen engen Zugang ins Ungewisse gewählt und sich in die tiefe Dunkelheit der Höhle von Niaux gewagt und haben dabei wunderbare Kunstwerke geschaffen.

Malerei von Pferden in der Grotte Niaux

Auch die Pferde sind sehr detailreich gemalt (Bildrechte Sites touristiques Ariege)

Wir stehen an der gleichen Stelle wie die Künstler der Vorzeit und sind verzaubert. OK, wir stehen ein wenig höher, weil sich über die vielen Jahren einiges an Sediment am Höhlenboden angesammelt hat. Das Besondere der Bilder, sie sind sehr fein und detailreich gemalt. Dabei haben die Steinzeitmenschen auch die Konturen des Felsen mit ausgenutzt. Das Fell, Hörner und Beine sind sehr gut zu erkennen. In der verwendeten Farbe enthaltene Holzkohle wurde auf ein Alter von 14.000 bis 13.000 Jahre datiert. Über einen Zeitraum von 1000 Jahren sind die Künstler immer wieder an diesen Ort zurückgekehrt und haben diese Tiere hinterlassen, haben Wissenschaftler festgestellt.

Höhle von Niaux: Malerei eines Steinbock

Der Steinbock ist sehr gut zu erkennen. Besonders seine Färbung und die Hörner sind sehr fein gearbeitet. (Bildrechte Sites touristiques Ariege)

Für die Beschreibung der Bilder fehlen die Worte. Wir dürfen noch ein wenig verweilen, entdecken und genießen. Nach etwa 30 Minuten nehmen wir unsere Lampen wieder auf und machen uns voller Eindrücke auf den Rückweg zum Höhleneingang.

Fazit

Ein wundervolles Erlebnis, der Abstecher hat sich unbedingt gelohnt. Nach den intensiven Stunden im Erdinneren wollen wir aber in die Sonne.

Viel Spaß bei der Besichtigung!!

Hin-Fahr-Reisetipps

Besuch Grotte de Niaux

  • Reservierung: Unbedingt reservieren unter https://sites-touristiques-ariege.oxygeno.fr/?lang=EN
  • Festes Schuhwerk, am besten Wanderschuhe, denn in der Dunkelheit ritt man auch leicht mal in eine der Pfützen am Boden
  • Warme Kleidung (das ganze Jahr über herrscht eine Temperatur von 12 Grad)
  • Zurückgelegt wird eine Strecke von 1,6 Kilometern
  • Kosten Erwachsene: 12 Euro
  • Nicht für Kinder unter 5 Jahren
  • 15 Minuten vor Tourbeginn da sein
  • Freie Parkmöglichkeit direkt am Eingang, auch für große Wohnmobile
  • Teilweise enge Zufahrt
  • Das ganze Jahr geöffnet
  • Keine Tiere
  • Kein Zugang für Menschen mit reduzierter Beweglichkeit (bitte sehr ernst nehmen)
Kastenwagen auf dem Campingplatz

Unser Platz auf dem Camping le Grotte bei Niaux

Getesteter Campingplatz

Camping des Grottes, Domaine de la Hille, 09400 Alliat
www.campingdesgrottes.com

Weitere Informationen

www.sites-touristiques-ariege.co.uk/sites-touristiques-ariege/grotte-de-niaux

Ziele in der Nähe

Wenn Ihr schon in der Region seid, solltet Ihr unbedingt auch Toulouse besuchen. Was Ihr dort erleben könnt erfahrt Ihr hier. Natürlich auch mit Tipp für einen Campingplatz.


Reisetipp: Besuch der Grotte de Niaux in den Pyrenäen, mit Malereien aus der Steinzeit und Campingplatztipp #Höhlenmalerei #Frankreich #NiauxIch freue mich über Rückmeldungen und Ergänzungsvorschläge.

Und natürlich wäre es toll, wenn Ihr meinen Beitrag auch auf Euer Board pinnt.