Vier Wochen unterwegs auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostella, Strandurlaub auf dem Lieblingscampingplatz am Meer, eine Städtereise oder auch ein Kurztrip in die Berge – der Wohnmobilurlaub mit einem oder mehreren Kindern macht Spaß und bringt wunderbare gemeinsame Erlebnisse und Erinnerungen. Der gelungene Wohnmobilurlaub für die Familie beginnt aber schon mit der richtigen Fahrzeugwahl.

Mobiler Familienurlaub

Für viele Jahre haben wir mit unserem Sohn und manchmal Zusatzkind im alten T3 VW-Bus, später im Kastenwagen Avanty Family von La Strada und danach Pössl Vario 545 in ganz Europa genau dies erlebt. Unsere vielfältigen Erfahrungen und Erlebnisse vom mobilen Reisen mit dem Baby, Kleinkind, Schulkind und Teenager habe ich für eine Wohnmobilzeitschrift niedergeschrieben. Für Hin-Fahren habe ich den Text noch einmal überarbeitet, aktualisiert und ergänzt.

Denn beim mobilen Reisen mit Kindern gilt es einige Dinge zu beachten, damit große und kleine Weltenbummler die schönste Zeit im Jahr richtig genießen können.

Mehr Tipps zum Familienurlaub mit dem Wohnmobil findet Ihr im nächsten Beitrag. Da geht es ums Fahren und Reisen mit Kindern, die gelungene Mischung zwischen Besichtigung und Relaxen und beschreibt Vorteile des Übernachtens auf dem Campingplatz, Stellplatz oder sogar frei stehen.

Das richtige Familienwohnmobil finden

Für den gelungenen Wohnmobilurlaub mit Kindern ist das richtige Fahrzeug eine wichtige Voraussetzung. Denn jeder Mitreisende braucht Platz. Natürlich sind bei einem Kurztrip Kompromisse möglich. Beim längeren Familienurlaub sollten aber alle Familienmitglieder – neben einem Schlaf- und Sitzplatz – auch Raum zum Wohnen haben. Sonst ist Stress vorprogrammiert. Lassen Sie sich dabei also Zeit. Als Paar hat man andere Bedürfnisse, als beim Reisen mit Kleinkindern und wenn diese dann größer werden, gibt es wieder andere Ansprüche. Besonders im Kastenwagenbereich hat sich in den letzten Jahren viel getan. Doch nicht immer ist das, was für den einen stimmig und passend ist, auch für den anderen gut.

#CMT2018

Viele neue Fahrzeuge und Eindrücke bietet die Messe CMT in Stuttgart

Stöbern Sie im Internet, in Foren, in sozialen Netzwerken und fragen Sie Wohnmobilisten mit Kindern persönlich nach ihren Erfahrungen. Lassen Sie sich zu den ausgesuchten Lieblingsmodellen Prospekte schicken, besuchen Sie Messen und steigen Sie in jedes in Frage kommende Fahrzeug.

Nehmen Sie sich Zeit bei der Wahl des neuen Reisegefährten auf Rädern. Denn das richtige Fahrzeug ist für jeden etwas anderes. Auch eine Probefahrt oder ein Probewochenende hilft bei der Entscheidungsfindung.

Platz für alle und alles

Ideal ist es, wenn Kinder im Reisemobil einen Rückzugsbereich jenseits der Erwachsenenwelt ihr Eigen nennen. Das kann ebenso ein Stockbett, ein Alkoven oder eine kleine Liegewiese unter dem Aufstelldach sein. Denn auch eine langersehnte Fahrt ins warme Andalusien und angrenzende Portugal kann in vier Wochen Dauerregen enden. Dann spätestens zeigt sich, ob das Fahrzeug für die Bedürfnisse der Familie geeignet ist. Interessante Lösungen gibt es sowohl in der VWBus-Klasse, im Kastenwagen, Alkovenmobil oder Fahrzeug mit Hubbett oder Aufstelldach.

#Wohnmobilurlaub mit #Kindern

Die Doppelbettlösung im Heck ist ein möglicher Familiengrundriss

Immer beliebter sind auch Fahrzeuge mit zwei großen Betten im Heck übereinander. Hier ist aber die Kopffreiheit schon etwas beschränkt. Und Kinder und Eltern kommen sich beim Rückzug ganz nahe. Mehr Flexibilität geben Modelle mit einer größeren Fahrzeughöhe.

Testen Sie den Platz in der Sitzgruppe, die bei schlechtem Wetter beim Essen und Spielen den Mittelpunkt des mobilen Lebens bildet. Überlegen Sie, wo wichtige Utensilien wie Kinderwagen, Klapphochstuhl, Kochutensilien, Campingtisch und -stühle Platz finden, auch wenn zum Schlafen umgebaut ist und nichts draußen bleiben soll. Die erstaunten Blicke der anderen Camper über die Vielzahl der Dinge, die in unserem geliebten VW Joker Platz fanden schlugen nämlich gerne in Häme um, wenn bei Regen der Kinderwagen aus Platzmangel vor der Tür stehen bleiben musste (oder mein Mann ihn mal wieder vergessen hatte, denn er hatte durchaus seinen Platz).

Natürlich können Sie auch je nach geänderten Ansprüchen und wenn es der Geldbeutel zulässt das Fahrzeug wechseln. Da wir nach vielen Jahren kein Bett mehr umbauen wollten, sind wir kurz bevor unser Filius aus dem Wohnmobil auszog noch beim Pössl Vario 545 gelandet (unser erster Neuwagen) und haben mit diesem noch viele tolle gemeinsame Reisen unternommen.

Keine Kompromisse: Sicher sitzen

Prüfen Sie, ob sich die Sitzbank für die Montage von Kindersitzen eignet und später auch für lange Fahrten von Jugendlichen halbwegs gut geformt und bequem ist. Bei längeren Touren – bei einer Schottlandreise oder Spanienreise kommen gerne einmal 6.000 Kilometer zusammen – zeigen die Proteste von der Rückbank, dass gerade auf diesen Umstand beim Kauf nicht geachtet wurde. Die im Automobilbereich inzwischen serienmäßig vorhandenen Isofix-Befestigungssysteme sind in Wohnmobilen noch immer nicht die Regel. Einige Hersteller bieten Isofix immerhin als Option an. Also bleibt nur die Fixierung per Anschnallgurt.

Eher Alltagstauglich oder mehr Komfort gewünscht

Daneben stellt sich die Frage: Braucht es ein Bad oder keins und wie großzügig muss dieses geschnitten sein? Zum Säubern der ganz Kleinen, jenseits von den Annehmlichkeiten eines Campingplatzes, eignet sich auch eine große Faltschüssel und nach dem Strandbesuch ist es eher praktisch, wenn die Dusche mit einem langen Schlauch nach Außen verlegt werden kann und so Sand und Dreck vor der Fahrzeugtür bleiben. Natürlich ist für Freisteher und Wohnmobilisten, die gerne Stellplätze anfahren, eine eigene Toilette an Bord ein Muss. Und ich gebe zu, ich möchte auf diese Annehmlichkeit nicht mehr verzichten.

Busse und Kastenwagen sind auch im Alltagsbetrieb problemlos nutzbar und bleiben sehr wertstabil. Das heißt sie sind nach einigen Jahren, wenn die Kinder größer geworden sind, wieder zu einem guten Preis zu verkaufen. Alkovenmobile sind sehr beliebt, denn sie bieten mehr Komfort und Wohnraum während der Reise. Sie sind aber auch unhandlicher für den täglichen Gebrauch oder in engen Dörfern und auf schmalen Straßen. Schon mit einem Sechsmeterfahrzeug wird die Parkplatzsuche zur Herausforderung. Und auch der längere Radstand ist nicht zu verachten.

Busvorzelt

Ein gutes Vorzelt bringt viele Vorteile

Für kleinere Fahrzeuge bietet sich ein zusätzliches Vorzelt für den Aufenthalt auf dem Campingplatz an. Hier finden die vielen mitgeschleppten Utensilien einen geschützten Platz und die Schlafkabine lässt sich, mit Hilfe einer großen Luftmatratze, Decken und Fellen, zu einer super Spielwiese und gemütlichen Kuschelecke umgestalten.

Auf die Zuladung achten!!!!

Bei jedem Fahrzeug ist aber auf jeden Fall der Blick auf die mögliche Zuladung notwendig. Leider finden sich doch immer wieder Womos auf dem Markt, bei denen alleine mit den mitreisenden Personen die Höchstbeladungsgrenze fast oder sogar mehr als erreicht wird. Oder wenn einiges an Zubehör mitbestellt wurde, noch nicht einmal diese. Gerade hatten wir in der Nachbarschaft von Bekannten einen solchen Fall. Der Mann und der Sohn können mitfahren. Wenn Frau und Ausrüstung ins Fahrzeug geladen werden, ist dieses aber bereits weit über dem zulässigen Gesamtgewicht. Der Händler hatte die Familie nicht darauf hingewiesen. Und leider nahmen sie auch im Vorfeld keine Beratung durch einen erfahrenen Camper in Anspruch.

Der nötige „Kleinkram“

Jede Altersgruppe stellt die mobilen Eltern vor neue Herausforderungen bei Reiseplanung und Packen. Für Baby und Kleinkind wollen Kinderwagen, Reisebett, Klapphochstuhl und vielleicht die Babybadewanne verstaut werden. Um Protesten vorzubeugen, sollte auch das jeweilige Lieblingsessen nicht vergessen werden.

Grundlegendes

Für die sichere Fahrt ist ein Kindersitz günstig, der sich in Schlafposition umstellen lässt. Dazu ist es praktischer und oft preisgünstiger, die bewährte Windelmarke gleich komplett zu Hause einzukaufen und mitzunehmen. Auch Babynahrung oder Gläschen sollte man besser in der Heimat erwerben, da Zutaten und Qualität im Ausland nicht immer den eigenen Ansprüchen entsprechen. Sonst stehen Sie mit Wörterbuch und fragendem Gesicht vor den Regalen im französischen Supermarkt und versuchen Apfelbrei ohne Zucker und Gemüse ohne unverständliche Zusatzstoffe zu bekommen. Ich spreche aus eigener Erfahrung. Als unser selbst gekochtes Babyessen durch die Fahrt auf holprigen Straßen das Vakuum verlor, standen wir genau vor diesem Problem.

Auch Kinder wollen mobil sein

Woran oft nicht gedacht wird: Durch das Mitführen eines eigenen Fahrzeugs, wie Roller oder Kinderfahrrad, fällt den Kleinen die Entdeckung der Umgebung auf dem Campingplatz und der Kontakt zu anderen Kindern, auch über Sprachgrenzen hinweg, leichter. Unser Sohn war auf jeden Fall der Hit als er mit drei Jahren auf seinem feuerroten Bobby-Car über die griechischen Campingplätze sauste und die anderen Kinder laut johlend hinterher. Da ließen sich auch die Beschwerden der nebenan stehenden Surfer verschmerzen, die sich durch das morgendliche Kindertoben in ihrem Schönheitsschlaf gestört fühlten.

Tische und Stühle für Draußen nicht vergessen

Für jedes Familienmitglied sollte eine eigene Sitzgelegenheit dabei sein. Für die ganz Kleinen ist ein Klapphochstuhl praktisch (mit etwas Suchen finden sich beim Babyausstatter interessante Modelle), damit das Kind nicht ständig auf dem Schoß jongliert werden oder noch mehr Zeit als nötig im Kindersitz verbringen muss. Das Schöne am Campen ist schließlich der Aufenthalt vor dem Fahrzeug. Die praktischen Sitze, die an den Tisch geklemmt werden, sollten bei einem durch die Bauart bedingt eher instabilen Campingtisch besser nicht zum Einsatz kommen.

Spiele und Spielsachen

In jedes Wohnmobil gehören beim Wohnmobilurlaub mit Kindern auch Karten und Gesellschaftsspiele, die es für verschiedene Altersgruppen platzsparend in der Reiseversion gibt. Mit dem beliebten und handlichen Kartenspiel „UNO“ lässt sich beispielsweise so manche kleine Pause oder Wartezeit im Restaurant überbrücken oder auch ein kompletter gemeinsamer Familienabend bestreiten. Vom ebenso eifrigen Kniffelspielen zeugen noch die Kratzer im Tisch der Sitzgruppe unseres Kastenwagens.

Größere Kinder und Jugendliche packen ihre wichtigsten Spielsachen, Bücher und Comics gerne selbst ein, freuen sich aber über ein wenig Unterstützung, damit auch später, fern der Heimat, nicht auf das Lieblingskuscheltier oder spannende Hörbuch verzichtet werden muss.

Ebenso wichtig sind – je nach Altersgruppe der Kinder – Sandspielsachen und ordentliche Schaufeln. Bitte vergessen Sie die für das mitbuddelnde Elterteil nicht. Auch Gummistiefel und Regenkombi mit „Buddelhose“ gehören ins Familienmobil.


Tipps für den Wohnmobilurlaub mit Kindern

Spiele

Die Familienkartenspiele UNO, Skip-Bo und Wizard (für die etwas größeren Strategen), beliebte Würfelspiele wie Kniffel oder „Mensch ärgere Dich nicht“ und andere kompakte Reisespiele sorgen für unbeschwerte gemeinsame Stunden und schonen zusätzlich den Stauraum.

Bewährte Reiseziele für Familien

Stellplatz Absberg Badehalbinsel im Fränkischen Seenland

Eimn Stellplatz, der keine Wünsche offen lässt und dementsprechend beliebt: Lage direkt am Ufer des Brombachsees, Ausstattung mit Sanitärhaus inklusive Toiletten, Duschen und Spülbecken, Badestrand, Minigolf, Restaurants und Kiosk in Platznähe. Absberg ist über eine Treppe zu erreichen. Hier gibt es schöne Cafés und Restaurants. In der Umgebung lässt sich viel unternehmen.

www.zv-brombachsee.de

Camping Mohrenhof, Geslau, in Franken

Große Wiese neben Badeweiher und Bauernhof. Kinder dürfen im Stall mithelfen.

www.mohrencamp.de/camping

Bärenpark Worbis, Leinefelde-Worbis, Thüringen

Hier können Bären  wie in der freien Natur baden, graben und klettern und die Besucher sind hautnah dabei. Es gibt ein Wolfsrudel, Füchse, Waschbären und Streichelzoo. Auf dem Parkplatz davor ist das Übernachten möglich.

www.baer.de

PLAYMOBIL®-FunPark, Zirndorf

Der FunPark des beliebten Spielzeugherstellers ist ein großer Spielplatz für die ganze Familie. Es gibt Wasserspielplätze, ausgedehnte Indoor-Spielflächen mit verschiedenen Bereichen und reichlich Playmobil aus allen Themengebieten, liebevoll gepflegt und immer wieder neu zusammengesetzt. Eintritt, Essen und Getränke gibt es zu erträglichen Preisen. Der Park macht bei jedem Wetter Spass.
Wichtig: Buddelhosen, Badesachen, Handtücher und Wechselklamotten bereit halten. Leider werden ab der Saison 2018 aus Kapazitätsgründen keine Wohnmobil-Stellplätze mehr auf dem Großparkplatz angeboten. Der nächstmögliche Stellplatz ist der Campingplatz zur Mühle – Seewaldstr. 75 – 90513 Zirndorf (Laufzeit zum FunPark etwa 20 Minuten).

www.playmobil-funpark.de