Den typischen Camper gibt es nicht, das finde ich super spannend. Im Gegenteil, es sind viele unterschiedliche Lebensentwürfe, Wohnmobile und Reiseziele. In Teil 11 meiner Porträtserie stelle ich Euch Susanne vor, die als Alleinreisende mit “Franz”, einem ganz kurzen Kastenwagen von Burow, zwischen Balkan und Baltikum unterwegs ist. Sie berichtet über ihr Campingfahrzeug, warum sie sich dafür entschieden hat und über ihre Sicht auf das Reisen.


Susanne berichtet über ihre Fahrten und ihren Burow Kastenwagen

Susannes Reiseführer “Cool Camping Wohnmobil”* kenne ich schon länger. Darin macht sie Vorschläge für fünf Touren in verschiedene Himmelsrichtungen, absolut inspirierend. Von der Reihe habe ich selbst einige andere Ausgaben im Bücherregal. Dann habe ich gesehen, dass die Frau dahinter mit einem Kastenwagen unterwegs ist. Also hab ich ihr eine Anfrage geschickt und hatte kurz danach eine positive Rückmeldung. So schnell wie sie hat auch noch niemand die Fragen beantwortet. Einfach super! Doch lest selbst.


Wer steckt im Kasten

Susanne und ihr Burow Kastenwagen

Susanne ist mit ihrem Burow Kastenwagen “Franz”, zwischen Balkan und Baltikum unterwegs

Susanne, 49

  • Genießende Alleinreisende!
  • Aus München
  • 2 super entspannte, pflegeleichte, fast große Kinder
  • Selbstständige Grafik-Designerin, Buchautorin und Bloggerin

Lebensphilosophie: Life is Fun.

Fahrzeug

  • Peugeot Boxer, Baujahr 2001
  • Marke: Burow
  • Kleinste Kastenwagenversion mit praktischer 4,60 Meter Länge
  • Name: Franz

Wie bist Du zum Campen gekommen?

Kastenwagen am See beim Sonnenuntergang

Einfach schön – Stellplatz am Wasser

Ab dem Moment, als ich meine Reisen selber zahlen musste, gab es nur noch Zelt-Reisen – und ich war glücklich mit Motorrad und Auto überall unterwegs. Zu meinem allerersten Zelt-Urlaub bin ich am Tag nach meiner Motorrad-Führerschein-Prüfung gestartet! Über die höchsten Pässe nach Korsika auf einer großen 200er Vespa (die ich heute noch fahre!) ging es – ich bewundere meine Eltern zutiefst, dass sie mich damals so (vermeintlich) cool haben fahren lassen.

Mit kleinen Kindern haben wir uns dann erstmalig ein „Prinzessinnen-Mobil“ (Alkoven Wohnmobil) gemietet und seitdem gibt es für mich keine andere Reiseform mehr. Unsere erste Fahrt mit den Kindern, damals vier und fünf Jahre alt, führte uns mit dem gemieteten Wohnmobil vier Wochen durch den Balkan bis Griechenland: ein Traum!


Ist die Begeisterung fürs mobile Reisen geblieben?

Ich bin so oft es geht und das ganze Jahr über immer wieder unterwegs. Und ich nutze wirklich jede Gelegenheit, meinen „Franz“ zu bewegen, auf möglichst kleinen Straßen dahin zu cruisen, zum Wildwasserpaddeln zu kommen und mein Zuhause nach draussen zu verlegen. Zusammengerechnet sind es sicher zehn Wochen im Jahr: eine große Reise (4-6 Wochen), ein paar kleinere Fahrten, plus ein paar Wochenenden „on tour“. Es könnte aber trotzdem noch mehr sein.


Was ist für Dich das besondere an dieser Reiseart?

Kastenwagen, Hängematte und Wäscheleine

Gemütlich unterwegs

Mit meinem kleinen Bus unterwegs zu sein, ist einfach exakt das Leben, das ich führen will: frei, mobil, ungebunden und überall zuhause. Gesteigert wird diese Reiseform durch mein allein Unterwegs sein – in völliger Unabhängigkeit und Freude. Über das Alleinreisen habe ich schon viele Interviews gegeben und Artikel geschrieben – einen großen Text über die Leidenschaft, ein gute Zeit mit sich alleine verbringen zu dürfen ist auf meinem Blog zu lesen.


Gab es besondere Momente auf Deinen Reisen?

Lagerfeuer am See

Zum Glück gehört für Susanne ein Feuer und Grillen am Wasser

Ich wähle je nach meiner Tagesform (und Gegend, denn die meisten Ziele sind doch so abgelegen, dass ich tatsächlich niemanden treffe) entweder klar definiertes Alleinsein oder Kontaktaufnahme. Und wenn ich dann mit anderen Reisenden oder Einheimischen ins Gespräch komme, dann sind es meistens wirkliche Reise-„Highlights“, die mir ewig in Erinnerung bleiben. Ich treffe so viele tolle, interessante Menschen, dass dies auch eine meiner absoluten Reise-Motivationen ist!

Natürlich gibt es auch Pannen, denn mit alten Autos passiert immer mal was. Ich kenne in Griechenland (durch meine allererste Tour) so viele Werkstätten und hatte immer nur gute Erfahrungen und lustige Begegnungen mit den tollen Mechanikern! Aber ich habe auch schon grenzwertig-unheimliche Situationen erlebt, die im Moment unlustig waren – mich dafür aber im Nachhinein unheimlich stolz auf mich gemacht haben, weil ich einfach alles echt cool und gelassen meistere.


Was sind Deine Lieblings-Hin-Fahr-Reiseziele?

Susanne unterwegs durch Zentralasien auf dem Pamir-Highway

Bei der Tajik Rally ging es von München nach Duschanbe: 8.500 Kilometer durch 9 Länder in 4 Wochen

Ich fahre am liebsten dahin, wo es leer, weit, wild und ruhig ist. Ich liebe das Baltikum (vor allem Estland), Finnland, Russland, den Balkan (vor allem Albanien und Montenegro), Griechenland, Schottland, … aber auch mein Bayern und die deutschen Küsten.

Aber auch meine „bucket-list“ ist echt noch lang! Ich will alles sehen!!! Ich brauche zu meinem Glück nur viel Raum um mich, ein Gewässer im Blick und ein Feuerchen vor mir – egal wo auf der Welt!

Dachzelt und Caddy übernachten im Gebirge

Unterwegs in Asien: Camp in Tadschikistan

Die nächste große Tour wird wohl wieder ähnlich der letztjährigen Wahnsinns-Reise: Ich habe mir meinen Lebenstraum erfüllt und bin die „Tajik-Rallye“ gefahren. Mit einem VW Caddy ging es von München 10.000 Kilometer Richtung Osten durch Russland, Kasachstan, Usbekistan, Kirgistan bis nach Tadschikistan. So ähnlich krass wird die nächste Tour, vielleicht diesmal sogar wieder „back to the roots“ mit Motorrad und Zelt. Ich freue mich schon drauf!!


Warum hast Du Dich für Dein besonderes Reisemobil entschieden?

Der Burow Kastenwagen steht direkt am Meer

Blaue Stunde: Mit dem Camper in der ersten Reihe

Meinen Camper habe ich seit vier Jahren. Davor hatte ich einen noch älteren (noch maroderen!) Renault Trafic. Gefunden, verliebt!, so bin ich zu ihm gekommen. Ich bin kein Autokenner, mir sind Marken total egal und ich habe nur ein begrenztes Budget (so dass ich mir keinen Neuwagen aussuchen kann). Deswegen nehme ich, was ich finde – allerdings entscheide ich nach Bauchgefühl und Sympathie und das passt zu 100 Prozent bei meinem „Franz“!

Zusätzlich habe ich mir die perfekte Stromversorgung eingebaut und bin überglücklich damit! Eine efoy-Brennstoffzelle sorgt völlig wetterunabhängig für komplette “Autarkheit”. Die Erfüllung eines Traums!

Mein Kastenwagen ist perfekt! Nur der Unterboden ist inzwischen mit 32 Blechen geschweisst und mein Sorgenkind. Er wird bei mir bleiben, bis ich ihn nicht mehr fahren darf. Und dann träume ich von einem ähnlichen Modell mit 4×4 Antrieb und am allerliebsten selbst ausgebaut – Traum!


Wo kann man mehr über Dich erfahren?

Fotos von Susanne und ihrem Kastenwagen

Szenen unterwegs: @coolcampingunterwegs auf Instagram

Ich führe, seit ich mein Buch “Cool Camping Wohnmobil“ veröffentlich habe, den dazu passenden Blog www.cool-camping-wohnmobil.de mit meinen Lieblings-Zielen, Lieblings-Dingen und einer Menge Tipps für Wohnmobilisten.

Und dann schreibe ich noch meinen Reise-Blog www.der-franz-und-ich.de über all meine Touren mit meinem Kasten „Franz“. Über die Tajik-Rallye haben wir auch gebloggt unter www.tachicks.deFacebook vernachlässige ich gerade etwas, dafür bin ich unter diesem Namen vermehrt auf Instagram unterwegs und baue gerade Pinterest auf. Ich mag mehr die Foto-Infos ohne großen Text.


Schaut doch mal bei Susanne rein

Susanne von Cool Camping Wohnmobil fährt einen alten Burow Kastenwagen. Sie berichtet über ihre Reisen und ihren Camper. #Fahrzeugwahl #Camping Fotos

Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von @cool-camping-wohnmobil.de und @tachicks.de.


Danke liebe Susanne für das Interview und tollen Fotos.


 

Susanne hat den Reiseführer Cool Camping Wohnmobil* über das Reisen mit dem Camper herausgegeben. Dieser ist besonders interessant für Interessenten und Einsteiger. Es gibt unter anderem Tipps, welches Wohnmobil zu wem passt, und fünf ausgetüftelte Routen zwischen zwei und acht Wochen.


Bei diesen Campern lohnt das Weiterlesen

  • Kastenwagen für Familien und Festivalfahrzeug: Teil 1 – Anke fährt im Globe
  • Im kurzen Kastenwagen reisen: Teil 2 – Katja von Hin-Fahren im Pössl Roadcamp R
  • Unterwegs, wo andere nicht sind: Teil 3 – Steffi und Manu mit Maya im Pössl 2Win
  • Als Familie oder als Paar: Teil 4 – Karin und Sascha im Weinsberg Carabus
  • Geliebter VW-Camper: Teil 5 – Henrik und sein T3 von 1984
  • Russland und noch viel weiter: Teil 6 – Baikalsprinter Jessi und Jens im CS Independent
  • Kastenwagen für verschiedene Ansprüche: Teil 7 – Womoguide Gerfried mit Olya im Knaus Boxlife
  • Einfach wunderschön: Teil 8 – Britta von #mydailymeer unterwegs im VW Bulli T2 von 1972
  • Quer durch Asien: Teil 9 – Asienreisende Ursel & Janus im selbst ausgebauten Feuerwehrbus
  • Mit Kind und Allrad: Teil 10 – Isabel und Sebastian fahren einen Pick-up mit Wohnkabine