Die Normandie ist ein attraktives Reiseziel für eine vielseitige Wohnmobiltour. An der 120 Kilometer langen Alabasterküste wechseln malerische Hafenorte mit kleinen Seebädern, Steilküste und hellen Kiesstränden ab. Davor schimmert das Meer in ständig wechselnden Grün- und Blautönen.

Die Küste hat ihren Namen von den alabasterfarbenen Klippen, die diesen Landstrich Nordfrankreichs dominieren. In Teil 2 unseres Reiseberichtes finden Sie Informationen über die Highlights zwischen Le Tréport und der Seinemündung bei Le Havre. Kein Wunder, dass hier große Werke der wichtigsten impressionistischen Maler entstanden sind. Die Farben und das Licht sind außergewöhnlich. In dieser Region gibt es außerdem schöne Stell- und Campingplätze. Auch Familien finden echte Traumziele, wir haben sie ausprobiert.

Die Anfahrt und das Seinetal habe ich ausführlich in Teil 1 unserer Wohnmobiltour durch die Normandie beschrieben.

Roadtrip Normandie mit dem Wohnmobil

Einstieg in die Küstentour in Le Tréport

Wenn Sie Ihre Reise an der Grenze zur Picardie am äußersten Beginn der Alabasterküste mit ihren weißen Kreidefelsen starten, belohnt bei der Ankunft der Blick von den Steilklippen auf das schmucke Seebad Le Tréport.

Wohnmobiltour Normandie: Stellplatz an der Alabasterküste

Der Stellplatz für Wohnmobile liegt direkt an der Steilküste

Oberhalb der Stadt hat die Gemeinde einen sehr gepflegten Stellplatz eingerichtet. Bei der Anfahrt den Schildern „Funiculaire“ folgen. Keine Sorge, auch die großen Busse des Stadtverkehrs fahren auf dieser Straße um den Ort herum und da passt ein Wohnmobil dann auf jeden Fall auch.

Von hieraus liegt dem Reisenden der ganze Ort mit Hafen und Kiesstrand und der ganze Ärmelkanal zu Füßen. Eltern müssen ihre Kinder gut im Blick haben, denn die Steilküste ist nicht abgezäunt oder befestigt. Die Polizei kam übrigens mehrfach vorbei, um die „Zahlungsmoral“ der Wohnmobilisten zu unterstützen.

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Das Zentrum des Seebades mit Geschäften und unzähligen Restaurants erreichen wir Besucher mit der kostenfreien historischen Zahnradbahn (eröffnet 1908). Aber auch der Weg über die Treppe in den Ort ist schön und abwechslungsreich. Es gibt viel zu entdecken. Große Wandmalereien erzählen von der Blütezeit des Ortes im letzten Jahrhundert.

Sehr gut, reichlich und bestens umsorgt, haben wir  in einem der netten Restaurants am Quai François gegessen. Frischer Fisch und andere Köstlichkeiten sind in der kommunalen Poissonerie in der Nähe zu kaufen.

Schiffe gucken in Dieppe

Weiter geht es an der Küste entlang nach Dieppe.

Wohnmobilstellplatz Dieppe in der Normandie

Der Stellplatz in Dieppe liegt zwischen Klippen und Hafen

Wer hier bummeln gehen oder den Strand besuchen will, möchte vielleicht auf dem Stellplatz unterhalb der Kreidefelsen übernachten. Dieser liegt nicht wirklich schön in der Nähe des Fähranlegers, ist aber windgeschützt.

Von hier aus ist der Ort mit Geschäften und Restaurants, gut zu Fuß zu erreichen. Auf jeden Fall aber gibt es beim Bummel entlang des ausgedehnten Hafenbeckens mit den verschiedenen Segelschiffen und Fischkuttern viel zu sehen.

Über eine Stunde beobachteten wir beim letzten Besuch interessiert, wie ein Ehepaar versuchte bei starkem Seitenwind ihr schnittiges und sicher sehr teures Segelboot an den dafür vorgesehenen Platz zu bugsieren und sicher zu vertäuen.

Segelschiffe und Fischerboote im malerischen Hafen von Dieppe

Im Hafen von Dieppe ist immer was los

Keine einfache Sache, die nur durch die gesammelte Hilfe anderer Segler und Fischer mit einem kleinen Kutter gelang. Ein Schelm, der da Parallelen zu manchem Schiff auf Rädern und seinen Bewohnern zieht. Überall im Ort und an der Promenade stehen Tafeln, die auf Stellen hinweisen, an denen impressionistische Gemälde entstanden sind. Ein schöner Blick über Stadt und Strand ergibt sich auch von der Burg auf der anderen Seite des Ortes, deren Parkplatz auch mit dem Wohnmobil erreichbar ist (von der D75 am Ortsausgang beschildert).

Weitere Highlights an der AlabasterKüste

Saint Valery

Nicht weit entfernt bietet der kleine Badeort Varengeville-sur-Mer gleich zwei lohnenswerte Ziele: Auf dem kleinen Friedhof hoch über dem Meer neben der Kirche Saint-Valery hat der französische Maler, Grafiker und Bildhauer Georges Braque in herrlicher Lage über dem Meer seine letzte Ruhestätte gefunden. Im Chor der Kirche ist eines seiner tiefblauen Glasfenster zu bewundern. Das Areal und die Wiesen neben dem Parkplatz sind ideal für ein Picknick und eine kleine Pause, ein wunderbares Panorama inbegriffen.

Gut gefällt uns auch der Besuch des Gartens des Anwesens „Bois des Moutiers“. Der private Park besteht aus sieben Teilgärten mit einem vielfältigen Bestand an Rhododendron, Azaleen und Magnolien, die um 1900 von der berühmten Gertrude Jekyll angelegt wurden. Auf den engen Wegen durch das dichte Buschwerk und rund um die in allen Farben blühenden imposanten Rhododendren ist das Spazieren und Entdecken eine wahre Freude und es lässt sich auch herrlich Verstecken spielen.

Weiter die Küste entlang beobachten wir in Saint-Aubin-sur-Mer, das wir von Flainville erreichen, gespannt die Fischer, die ihre Boote mit Treckern ins und aus dem Wasser ziehen. Auch eine schöne Sandburg entsteht, bevor der plötzlich über das Meer herbeiziehende Nebel alles verschluckt. Zwischen den vielen Kiesstränden, blitzt hier nämlich ein Sandstreifen hervor, der an manchen Stellen in Schlick übergeht.

Es gefällt uns so gut, dass wir auf dem einfachen terrassierten Campingplatz einen Platz mit tollem Blick aufs Meer und die Küste beziehen und noch einen Tag bleiben.

Spaziergang in Veules-les-Roses

Fachwerkhaus in Veules-les-Roses

Nächster Stopp unserer Wohnmobiltour ist das malerische Dorf Veules-les-Roses mit dem kürzesten Fluss Frankreichs. Sehr schön ist der Spaziergang entlang den 1.194 Metern von der Quelle bis zur Mündung in den Atlantik. Mit Reet gedeckte bunte Fachwerkhäuser und zahlreiche Mühlen säumen den Weg und laden zum Verweilen ein, bevor der verträumte Kiesstrand erreicht wird. Auch unser Sohn entdeckt an jeder Ecke etwas Neues. Neben dem Ort befindet sich ein Stellplatz für Wohnmobile, die Beschilderung haben wir aber erst bei der Weiterfahrt entdeckt, also gut bei der Anfahrt aufpassen.

Schöne Stellplätze am Meer laden zum Verweilen ein

Es wird immer besser. In diesem Teil Frankreichs ist wirklich ein Paradies für Wohnmobilisten. In Saint-Valery-en-Caux stehen die Wohnmobile dicht an dicht auf dem schön angelegten Stellplatz unterhalb der Steilküste am Leuchtturm. Sogar eine kleine Wiese und Blumenbeete wurden angelegt. Wer also einen Platz haben möchte, sollte diesen am besten früh anfahren. Auch bei der am Schluß einspurigen Anfahrt muss mit Gegenverkehr durch andere Camper gerechnet werden.

Wer das nicht mag, sollte direkt nach Veulettes-sur-Mer weiter fahren. Direkt hinter dem Damm gibt es in der Nähe des Dorfes einen großzügigen Stellplatz auf Wiese und mit öffentlicher Toilette. Vom Womo aus geht der Blick dabei nicht aufs Meer und den 1.200 Meter langen Kiesstrand, sondern in ein grünes weites Tal, in dem friedlich die Kühe grasen. Im Ort gibt es auch einen einfachen städtischen Campingplatz. Auch sonst hat das Dörfchen uns viel zu bieten: Auf der Promenade des kleinen Seebades gibt es frischen Fisch, direkt verkauft von Fischersfrauen in kleinen Buden, im Ort einen kleinen Lebensmittelladen, eine Bäckerei und mehrere Restaurants. In einer der Creperien wurden wir im letzten Jahr mit frischem Salat, Austern und superleckerem Nachtisch verwöhnt.

Die Klippen der Steilküste sind hier über 70 Meter hoch und sehr eindrucksvoll. Doch auch hier sind die Spuren der Vergangenheit allgegenwärtig. Neben der romanisch-gotischen Dorfkirche befindet sich ein kleiner Soldatenfriedhof und bei einer Wanderung um den Ort können Befestigungen des zweiten Weltkrieges entdeckt werden. Tafeln in mehreren Sprachen beschreiben die Funktion der Bunker in den Klippen, die das Tal schützen sollten und das Schicksal der Bevölkerung.

Unbedingt den berühmten Likör probieren

Wir folgen der Küstenstraße weiter. Schon bei der Anfahrt nach Fécamp bietet sich ein toller Blick auf den Ort, von dem bis in die 70er Jahre die Neufundlandfischer starteten. Wir aber wollen diesmal den Palais Bénédictine besichtigen, in dem bis heute der berühmte Likör Benediktiner gebrannt wird. Gut gefällt uns neben den ausgestellten Sammlungen vor allem das verwinkelte neogotische Gebäude mit den bunten Glasfenstern. Es gibt, skurrile und spannende Gegenstände und viele Ecken und Winkel zu entdecken. Unser Sohn hatte viel Spaß dabei. Und die Erwachsenen dürfen nach dem interessanten geführten Gang durch die Produktion und die Keller, in denen das hochprozentige Getränk reift, den Likör auch noch probieren. Das Rezept haben wir aber nicht erfahren.

Sonne und Gedränge in Étretat

Auch wir möchten bei unserer Reise in die Normandie auf einen Besuch von Étretat mit seiner oft fotografierten Steilküste und dem Felsentor Porte d’Aval nicht verzichten. Für Wohnmobillisten sind hier gute Nerven notwendig, da alle Urlauber diesen Ort ansteuern und so ist es auch in der Nebensaison und vor allem an Wochenenden, Feiertagen und in den Ferien sehr voll in den engen Straßen. Deshalb sind wir froh, als wir noch vor dem Zentrum Camping- und Stellplatz entdecken, die praktisch nebeneinander liegen.

Wir haben Glück und finden noch ein schönes Eckchen auf dem Stellplatz. Die Rezeption des einfachen Campingplatzes hatte leider über Mittag zu, auch hier auf der gut gepflegten Wiese unter gepflegten Bäumen hätte es uns gut gefallen. Gegenüber auf dem Notparkplatz auf dem Feld ist das Parken für Wohnmobile nicht gestattet, entnehmen wir einem handgemalten Schild. Auch vertrauen wir der Bodenbeschaffenheit nicht ganz. Also entscheiden wir uns, aus der „Not“ eine Tugend zu machen und hier auch die Nacht zu verbringen. Ob es die Wohnmobilparkplätze in der Nähe des alten Bahnhofs noch gibt haben wir diesmal nicht ausprobiert.

Zu Fuß sind es etwa 15 Minuten ins Zentrum des berühmten Seebades mit dem kleinen Ortskern. Touristische Restaurants, Imbissstuben und Andenkenläden sind reichlich vorhanden. Wir wollen aber die Falaise erwandern. Die Sonne scheint und es sind viele Menschen unterwegs. Traumhaft, wir kommen richtig ins Schwitzen. Dicht gedrängt folgen wir also den anderen Spaziergängern und entdecken immer neue Ausblicke auf die Felsen und das Meer. Leider macht mein Knöchel schlapp, als wir nach der berühmten Felsformation dem kleinen holprigen Weg steil abwärts und wieder hinauf die Küste entlang folgen, so dass wir die ursprünglich geplante längere Wanderung abbrechen müssen. Aber dennoch hat sich der Weg gelohnt, auch bereits kurz hinter dem Porte d’Aval sind die Ausblicke und Fotomotive aussergewöhnlich. Später sitzen wir an der Promenade noch vor einer Bar mit Blick aufs Meer in der Sonne und trinken einen Ricard.

Impressionisten und Architektur erleben in Le Havre

Nach kurzer Fahrt steuern wir in Le Havre an und finden auch auf dem Parkstreifen am Quai Notre Dame einen Parkplatz. In direkter Nähe befindet sich auch unser Ziel, das „Musée Malraux“. Unter den ausgestellten Bildern des 17. bis 20. Jahrhunderts finden sich viele Szenen aus der Normandie. Gemeinsam stehen Eltern und Kinder davor und rätseln, wo sie welches Stück gemalte Küste bereits gesehen haben. Der Besuch gefällt uns auch wegen der Impressionistensammlung mit Werken von Monet, Renoir, Manet und Sisley, bei denen schnell Parallelen zum in Giverny besichtigten Garten gefunden werden. Aber auch der weitere Rundgang durch die Stadt ist etwas Besonders: Das nach dem Krieg  wieder aufgebaute Zentrum von Le Havre wurde durch die UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Die besonders stark bombardierte Stadt ist nach den Plänen des Architekten Auguste Perret gestaltet. Sein Baumaterial war dabei der Beton. Ob es einem gefällt ist eine andere Sache, aber es ist schon ein Erlebnis zwischen den Gebäuden zu flanieren.

 


Im Teil 1 unserer Wohnmobiltour durch die Normandie schreibe ich über die Anfahrt und Hin-Fahr-Ziele im Seinetal.

Im nächsten Teil setzen wir unsere Reise an der Cote Fleurie fort.


Hin-Fahr-Tipps

Übernachten mit dem Wohnmobil

Roadtrip Normandie

  • Normandietour Teil 1: Anfahrt und Seinetal
  • Normandietour Teil 3: Blumenküste
  • Normandietour Teil 4: Landungsstrände
  • Normandietour Teil 5: Weiter zum Mont-Saint-Michel

Weitere Informationen


Roadtrip Normandie mit dem Wohnmobil - Teil 2: Alabasterküste #Normandiereise #Wohnmobil #Steilküste #Frankreichtour

Falls Ihr Fehler findet oder Anregungen zu unserer Tour habt, freue ich mich über einen Kommentar. Wenn Euch der Bericht gefallen hat dann erzählt und pinnt es weiter.

Ich wünsche Euch eine gute Fahrt und eine tolle Tour an der Küste des Lichts