Die Normandie ist ein wunderbares Reiseziel für eine vielseitige Wohnmobiltour. An der Blumenküste reihen sich auf rund 40 Kilometern mondäne Seebäder dicht an dicht. Hier gibt es gepflegte feinsandige Badestrände, wunderschöne Fachwerkhäuser, Segelboote und natürlich dürfen auch Casinos nicht fehlen.

Blühende Gärten und Wiesen haben der Blumenküste Anfang des 20. Jahrhunderts ihren Namen gegeben. In Teil 3 unseres Normandie-Reiseberichtes beschreibe ich unsere Highlights zwischen der Mündung der Seine und der Orne. Hier haben wir unter anderem bereits vor vielen Jahren auch einen unserer Lieblingscampingplätze entdeckt.

Die Anfahrt und das Seinetal habe ich ausführlich in Teil 1 unserer Wohnmobiltour durch die Normandie beschrieben. In Teil 2 unserer Wohnmobiltour fahren wir entlang der Alabasterküste zwischen Le Tréport und Le Havre.

Roadtrip Normandie mit dem Wohnmobil

Nach dem Überqueren der Seinemündung über die längste Schrägseilbrücke Europas beginnt die „Blumenküste“ Côte Fleurie. Im April herrscht hier immer noch eine leicht “verschlafene Stimmung”. Viele der mondänen Villen sind noch fest gegen die Elemente verschlossen, der Wind pfeift einem kräftig um die Nase und der Tourismus läuft erst langsam an.

 

Anfahrt über die Pont du Normandie

Schon die Anfahrt zur Blumenküste ist spektakulär, denn die mautpflichtige Brücke über die Seine ist ein gewaltiges Bauwerk. Mit 856 Metern Länge hat sie die größte Spannweite in Europa. Inklusive den Vorlandbrücken ist die gesamte Brücke sogar mehr als 2.000 Meter lang. Dabei schwingt sich die Autobahn weit nach oben und wir mit ihr. Am höchsten Punkt der Brücke sind wir 250 Meter über dem Wasserspiegel.

Gebannt zieht es die Blicke immer wieder in die Höhe auf die Pylone und Tragseile. Am Nordufer gibt es ein Informationszentrum, das die Geschichte der Brücke und Darstellungen der Verankerungen zeigt. Wir haben es bisher allerdings noch nicht geschafft, zu eilig hatten wir es immer an unser Ziel zu kommen.

Besuch im Kleinod Honfleur

Über die erste Ausfahrt ist schnell die kleine Hafenstadt Honfleur erreicht. Hier steuern wir den großen Wohnmobilstellplatz am Bassin Carnot an und finden sogar mit etwas Glück noch ein Eckchen mit Stromanschluss und Blick aufs Wasser.

Der Stellplatz ist sehr beliebt und wirklich dicht belegt. Auch wer nicht übernachten möchte, sollte hier parken, denn sonst gibt es kaum geeignete Parkplätze für Wohnmobile. Von hier sind es nur ein paar Minuten ins Zentrum, wo wir direkt zum historische Hafenbecken gehen.

Wir haben Glück, die Straßenbrücke ist hochgezogen und ein großes Segelschiff fährt in den Hafen, der im 17. Jahrhundert angelegt wurde. Das ist wirklich eine gute Einstimmung auf unsere Stadtbesichtigung. Eine zusätzliche Attraktion für Familien ist das Nostalgie-Karussell neben der Zugbrücke. Einige Kinder sitzen glücklich auf den liebevoll bemalten Holzpferden und ziehen ihre Runden.

Die pittoresken und bis sechs Stockwerke hohen schmalen Häuser rund um das historische Hafenbecken, in dem eine bunte Vilefalt an Segelbooten liegt, sind wirklich schön. Zahlreiche Restaurant, Bars und Cafes haben ihre Tische hier aufgebaut. Überall werden Muscheln, Austern und andere Köstlichkeiten verzehrt. Andere Gäste genießen die Aussicht und Atmosphäre gemütlich bei einem Kaffee oder Glas Wein. Wir studieren eifrig alle Speisekarten und entscheiden uns dann für ein Lokal in einer Nebenstraße.

Aber auch die ganze Altstadt lädt zum Bummeln ein. Überall in den verwinkelten Gassen, gibt es etwas zu entdecken. Im Herzen des alten Seemannviertel zünden wir noch in der größten Holzkirche Frankreichs Sainte-Catherine eine Kerze an. Schiffszimmerleute haben das Dach wie Schiffsrümpfe konstruiert.

Mondänes Leben in Trouville und Deauville

Die entlang der Küste anschließenden klassischen Seebäder Trouville-Sur-Mer und Deauville fanden wir als Familie nicht sehr ansprechend. Zu weit der Weg vom sicheren und legalen Parkplatz für unser Haus auf Rädern zum schon schönen aber auch sehr angelegten und reglementierten Strand. Kein einladender Ort für uns, um eine der geliebten Sandburgen zu bauen.

Regelmäßig treffen sich hier die Schönen und Reichen der Region, aber auch der Welt, zum Festival des amerikanischen Films oder zum Pferderennen. Im Herbst verwandelt sich das kleine Seebad zu einem Mekka für den Handel mit edlen Pferden. Mehr als 80.000 Händler, Züchter, Jockeys und Käufer werden jedes Jahr erwartet.

Ausflug ins Inland auf den Spuren des Calvados

Diesmal möchten wir aber endlich eine der vielen Calvados-Destillerien in der Region besuchen und entscheiden uns für “Château du Breuil”. Dazu fahren wir von Deauville auf der der D278 und D579 in Richtung Pont l’Evêque/Lisieux und biegen nach etwa zwanzig Kilometern am Kreisverkehr von Le Breuil-en-Auge rechts ab. Ein großes Schild weist den Weg. Auf dem Parkplatz des in einem kleinen Park angelegten Anwesens stellen wir unseren Kastenwagen ohne Probleme ab.

Für noch nicht einmal fünf Euro gibt es eine Führung und reichlich zu trinken. Wir haben Glück und bekommen bei der nächsten Führung noch einen Platz. Da viele Teilnehmer Deutsche sind, erläutert uns die Führerin alle Abläufe der Produktion und Sehenswürdigkeiten sogar noch in sehr gutem Deutsch – ein toller Service, mit dem wir nicht gerechnet haben. Die Besonderheit, die Brennerei gehört zu einem historischen Besitz. Das Schloß mit rosa Dachziegeln wurde im 16. und 17. Jahrhundert erbaut und war Eigentum großer Adelsfamilien. Die Firma Château du Breuil wurde 1954 von Philippe Bizouard gegründet, dessen Familie schon immer Calvados gebrannt hatte. Das liebevoll restaurierte Schloss kann nicht besichtigt werden, aber auch sonst gibt es genug zu sehen.

Hier wird Cidre, aber vor allem Calvados verschiedener Qualitätsstufen, Pommeau de Normandie, Calvadoslikör und Calvadosaperitiv hergestellt. Interessiert lauschen wir beim Rundgang den Ausführungen. In der Brennerei laufen die Kessel auf Hochtouren. Die Brennsaison dauert vom Anfang des Winters bis zum darauffolgenden Sommer. Also sind wir jetzt um Ostern noch mitten in der Produktion. Um einen Liter Calvados mit 100 Prozent Alkoholgehalt zu erhalten, werden etwa 27 Kilogramm Äpfel oder etwas mehr als 20 Liter Cidre mit 5  Prozent Alkoholgehalt benötigt, lernen wir. Dann wenn der Cidre komplett gegärt ist, kann er gebrannt werden. Rund 22.000 Apfelbäume rund um die Destillerie liefern den benötigten Rohstoff.

Danach sehen wir noch einen Teil der Räume in denen der Calvados im Fass reift. Da die Brennerei immer weiter wuchs ist ein Teil in den alten Stallungen des Schlosses untergebracht, ein wirklich interessanter Bau. Eine ausgiebige Verkostung rundet den Besuch ab. Wir dürfen wirklich alles probieren. Mir schmeckt besonders der Pommeau, der hier als Aperitiv beliebt ist, mein Mann testet die älteren Jahrgänge.

Wir verbringen an der Blumenküste tolle Tage am Strand

Zurück am Meer freuen wir uns auf ein paar entspannte Tage. Auch wenn wir in Trouville und Deauville unseren Traumplatz nicht gefunden haben, sieht die Lage im nahegelegenen Houlgate ganz anders aus. Denn hier gibt es einen einfachen Campingplatz direkt am Meer.

Die Zufahrt ist vom Ortszentrum in Richtung Casino. Mit größeren Fahrzeugen kann es etwas eng werden und auch die Plätze für Wohnmobile sind begrenzt. Im April und sogar im Juni hatten wir auf dem Camping de la Plage bisher immer Glück und können auch diesmal einen der begehrten Plätze ganz vorne am Meer ergattern.

Bei Ebbe erstreckt sich hier ein kilometerlanger und ideal für den Burgenbau geeigneter Sandstrand, etwa zwei Meter vor der Wohnmobiltür. Bei Flut bricht sich der Atlantik an den Steinen, die die Begrenzung des Campingplatzes bilden. Da bleiben selbst Zugvögel gerne ein oder zwei Nächte länger und auch Eltern mit kleineren Kindern müssen keine Angst haben, denn es gibt einen sehr stabilen Zaun und ein Tor mit Treppe zum Strand.

Die Sanitäranlagen sind sehr einfach, aber das stört uns nicht. Und auch Urlauber ohne Wohnmobil können von hieraus die Blumenküste besichtigen. Auf Terrassen mit Blick aufs Meer gibt es Tipis und Miethütten und Platz für einige Zelte.

Im Ort gibt es eine kleine Strandpromenade, einige Villen aus der Jahrhundertwende und eine Auswahl an  Lokalen.

Perfekt macht den Aufenthalt auch das wirklich gute und für die gebotene Qualität günstige Restaurant „Le Normand“ (40 Rue du General Leclerc). Probieren Sie auf jeden Fall die Äpfel in Calvados als Nachtisch – köstlich. Die Bedienung war auch sehr nett und die Einrichtung gemütlich. Wie praktisch für die Eltern, wenn das mitfahrende Kind inzwischen das Alter erreicht hat in dem es nach ausgiebigem Strandgenuss gerne einmal im Fahrzeug bleibt und den Abend alleine vertrödelt. Aber auch ein Restaurantbesuch mit Kindern ist in Frankreich gar kein Problem.

Ich freue mich, wenn Ihr mich auch auf der weiteren Reise durch diese schöne Region in Frankreich begleitet. In Teil 4 unserer Wohnmobiltour durch die Normandie besuchen wir besondere Orte an den Landungsstränden. Ich wünsche eine gute Tour und freue mich über Kommentare.


Hin-Fahr-Tipps

Übernachten

  • Stellplatz Honfleur, Bassin Carnot, beschildert, gebührenpflichtig, immer sehr voll, nur einige Minuten ins Zentrum
  • Camping de la Plage, 59 Rue Henri Dobert, 14510 Houlgate: www.camping-houlgate.com

Besichtigen

  • Calvadosdestillerie Château du BreuilChâteau du Breuil, Les Jourdains, 14130 Le Breuil-en-Auge

Roadtrip Normandie

  • Normandietour Teil 1: Anfahrt und Seinetal
  • Normandietour Teil 2: Alabasterküste
  • Normandietour Teil 4: Landungsstrände

Danke

Danke an die Verantwortlichen von Château du Breuil für die Fotografiererlaubnis und die wirklich sehr gute Führung inklusive Kostprobe.


Wohnmobiltour Normandie Teil 3: Blumenküste zwischen Honfleur und Houlgate #Normandie #WohnmobilIch freue mich über Kommentare, Anregungen und Korrekturvorschläge und natürlich übers weitersagen. Pinnt doch den Bericht gerne weiter auf Eurem Ideenboard bei Pinterest.